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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

WORTSAMMLUNG VON A BIS Z  - B


A  B  C  D  E  F  G   H   I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  WXY  Z

(1) Im ersten Teil werden den einzelnen Wörtern dieser alphabetischen Sammlung "Schubkästen" zugeordnet. Sind diese Wörter als Link erkennbar, führt der auf den zweiten Teil weiter unten.
Wenn es gedankliche Verbindungen zu weiteren Wörtern gibt,  wird in "siehe auch" auf dieses Wort innerhalb der Wortsammlung verlinkt.

(2) Detailliertere Informationen zu einzelnen Wörtern folgen im unteren Teil der Seite. Dort werden - wenn möglich - die Quellen genannt.
Gelegentlich wird auf einen ausführlicheren Text in einem anderen Thema dieser Website verlinkt - siehe "ausführlich in".

Neu im Jahr 2021 ist dieses Wort:


Baukostensenkungskommission der Bundesregierung


Das Wort (1) Schubkasten siehe auch
Babylotsin (Das ist kein Schreibfehler von "Babylotion", das Wort ist abgeleitet von "Lotse".)    
Babypause (für eine Zeit der Schwerstarbeit der junge Mutti)      Elternurlaub
bahnbrechend, Bahnbrecher
(z. B. ein Buch mit dem Titel "Bahnbrecher des Atomzeitalters"
-  klingt alles ziemlich martialisch)
   
Backpfeife, Backpfeifen verteilen oder bekommen (für Ohrfeige)    
Ballermann (Markenname für ein spezielles oder Beschreibung für Besäufnisse ganz allgemein?)    
Ballungszentrum, Ballungszentren, Ballungsraum   Grünfläche
Bankenrettung
Bankberater
Bankgeheimnis
markt-deutsch  
Bankrott, gern auch "vorsätzlicher Bankrott"   (Insolvenz)
Bannandrohungsbulle (19)
(besser lesbar in dieser Schreibweise: Bann-Androhungs-Bulle)
gaanz laange Wörter  
Bärendienst (für etwas Gutes wollen, aber Schaden bewirken)    
Barmherzigkeit, barmherzig   (mildtätig)
Barrierefreiheit, z. B. "Barrierefreiheit als Standortvorteil"    
Bätschi (Andrea Nahles, damals Vorsitzende dieser Partei, auf dem Bundesparteitag der SPD im Dezember 2017, an die CDU gerichtet bezüglich einer möglichen "GroKo": "Bätschi, das wird ganz teuer!") dumm-sprech
(politik-deutsch?)
 
Batterieforschungsfabrik (24)
Batterietechnologie
gaanz laange Wöröter  
Bauernopfer (aus der Schach-Sprache, im übertragenen Sinne vorwiegend in der Politik verwendet) politik-deutsch  
Bauhausgottesdienst (echtes "Vier-Wort-Wort") (19) gaanz laange Wörter  
Baumkuchen-Schaubacken (Veranstaltung am 05.09.2017 in Salzwedel)    
Baustellen (in Formulierungen wie "Wir haben noch viele Baustellen." verwendet, wenn eine Partei, Regierung usw. ungelöste Probleme vor sich herschleppt, diese aber nicht benennen will) gefloskelt  
Beamte(r), Verbeamtung, in Amt und Würden, amts-deutsch  
Beauftragte(r)  von A bis Z, z. B. der ›Antisemitismusbeauftragte‹ amts-deutsch  
Bedarf, -bedarf, "Bedarfe"    
Bedenkenträger    
Bedeutung, Bedeutungsverlust    
Bedürftigkeitsgrenze markt-deutsch
Beförderungsstau - Diese schöne Bildsprache wird kombiniert mit "auflösen" (Man sieht den Stau der PKWs auf der Autobahn geradezu vor sich.) "Landesregierung will den Beförderungsstau auflösen"

Beförderungskonzept - Das  deshalb erarbeitete "Beförderungskonzept" der Regierung Sachsen-Anhalts für die hiesige Polizei soll fünf Millionen Euro kosten. Denn "beförderungsreif" sind bereits 2.800 Beamte, und "beförderungsfähig" - das Wort gibt es auch. Wenn die Regierung dann "zusätzliches Geld  in die Hand nimmt" - das nennt sich "Beförderungsgeld" - dann bekommen die Leute auch endlich, "was ihnen zusteht".
amts-deutsch?  
Befreiungsschlag krieger-deutsch Abschreckungseffekt
Begleitgrün amts-deutsch  
Beheimatung    
Beherrschungsvertrag    
Behinderte, behindert, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung    
Behörden, Behördendschungel    
beibringen herren-deutsch  
Beitrag
Beitragsbemessungsgrenze (bei Renten und Sozialabgaben, diese Grenze "entlastet" die so genannten ›Besserverdiener‹)
›Beitragsservice‹ (für den ›Rundfunkbeitrag‹, der hieß früher Gebühr und es gab eine "Gebühreneinzugszentrale" GEZ - die Namensänderung erfolgte frei nach dem Motto: "Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix")


 
Beitrittsgebiet polit-deutsch  
beinahe   fast
bekennen, sich bekennen - "für" oder "zu"?    
Bekennerschreiben    
bekömmlich  (mit diesem Wort darf keine Werbung mehr für Bier gemacht werden - Mai 2018, Urteil des Bundesgerichtshofs)
Wohl bekommts!
   
Beliebtheitswerte    
Benachteiligte
sozial Benachteiligte
polit-deutsch
amts-deutsch
privilegiert
Bequemlichkeitsverblödung, (kollektive B.)    
Beringer (Vogelberinger) Titel, Ämter, Berufe  
Berufsgeheimnisträger (21)
(das sind nicht Träger von Berufsgeheimnissen, sondern von Berufs wegen Träger von Geheimnissen: Ärzte, Rechtsanwälte, auch Abgeordnete und Journalisten sollen dazu gehören)
Titel, Ämter, Berufe  
Besäufnis   Saufen
Beschäftigung
Alle Notizen zum Wort "Beschäftigung" sind in die Seite "Arbeit" übertragen.
zynisch Arbeit
Beschneiung, künstliche Beschneiung neu-deutsch  
Beschuss, unter Beschuss geraten krieger-deutsch  
besser, nachbessern, verschlimmbessern    
Besserwisser  (gern auch als "Klugscheißer" auftretend)    
Best-Ager-Markt     
Bestattung    
Bestechungsvorwürfe, Bestechlichkeit, Verdacht der Bestechlichkeit, 
Bestechungsversuch
markt-deutsch
polit-deutsch
 
Bestenauslese    
Bestpreisklausel markt-deutsch  
bestreifen (für "Streife gehen")    
bestückt, "gut bestückt" (Umschreibung für ...)    
Besucheransturm (der wurde in Wittenberg für das Jahr 2017 erwartet) Zeitgeist  
Beteiligung    
Beton
Betonoptik (Trend bei Einrichtungsgegenständen, die Stilrichtung nennt sich "Brutalismus")

Zeitgeist
 
Betonkrebs euphemistisch  
Betreuungsgeld (für Eltern, die ihre Kleinkinder nicht in eine Kita geben) Zeitgeist  
Betroffene, Betroffenenbeirat    
Betroffenheit, Betroffenheitsrhetorik, Betroffenheitslyrik, Betroffenheitsfilme    
Betrug    
betucht ("gut betucht sein" für wohlhabend - "schlecht betucht" gibt es eher nicht bis extrem selten, so als Wortgruppe, da es aus dem Jiddischen kommt und nicht vom deutschen "Tuch" abgeleitet ist)  
Beuteschema (aus dem Tierreich stammender Begriff, der mitunter auch auf die Partnersuche bei Menschen angewandt wird)    
Bevölkerungsforschung, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung amts-deutsch  
Bewährung, Bewährungsversagerin    
Bewegungsempfehlungen (21) der Weltgesundheitsorganisation (27) gaanz laange Wörter  
Bewegungsprofile Zeitgeist  
Bewohnerparkausweise    
Bibel, Prunkbibel, Kinderbibel    
Bibelgürtel (auch "Bible Belt" - so wird eine spezielle Region in den USA genannt)    
Biberworkshop  (Was für ein hübsches Wort!)    
Bier, Bierbauch, Bierflasche, Bierdusche, Biertrinker, Biergarten, Bierzelt, Bierglas, Bierdeckel, Bierfass, ...    
Bildungsgerechtigkeit
Bildungsmonopol
   
Billigjobs und die Konkurrenz um dieselben
markt-deutsch  
Billiglohnländer markt-deutsch Profit, profitieren
Bimbam - "Heiliger Bimbam" kirchen-lateinisch  
Binsenweisheit    
Biophilie gute Worte  
Biosphärenreservatsverwaltung (29) gaanz laange Wörter  
Bitcoin (bekannteste "Kryptowährung") neu-deutsch  
Blamage    
Blattschmuckpflanze    
Blechlawine (für Autos, die zahlreich in schneller Folge fahren)    
Bleibeperspektive, Flüchtlinge mit  einer solchen oder ohne eine   Flüchtlinge
Blickfang, neudeutsch auch "Hingucker"    
blinzeln     
Blockwart    
Blog, Blogger*in, Foodbloggerin    
Blut    
bockig  (eine schlechte Eigenschaft, die Frauen und Kinder gelegentlich an den Tag legen - das Wort meint, dass sie sich Eltern, Ehemännern oder Vorgesetzten "widersetzen" - Männer sind nie "bockig" in diesem Sinne)  
Bodenhaftung, bodenständig, etwas "Bodenständiges" haben    
Böllerverbotszone (Tagesschau 1. 1. 2020, 20 Uhr)    
Bollwerk (z. B. "Bollwerk des Friedens")   WORTSAMMLUNG MILITÄR#Bollwerk
Bombenwetter, bombensicher krieger-deutsch  
Botschafter (z. B. "Markenbotschafter" oder "schwäbische Whisky-Botschafterin" - Verballhornungen des ursprünglichen  Wortes "Botschafter") Titel, Berufe, Ämter, ...  
Bowle    
Brandoberamtsrat (Staatsdiener) Titel, Berufe, Ämter, ...
gaanz laange Wörter
(Vier-Wort-Wort)
 
Brandschutzbedarfsplanung (25) gaanz laange Wörter
(Vier-Wort-Wort)
 
Brandtruhe (zum Aufbewahren der wichtigsten Dinge, um sie im Falle eines Brandes schnell aus dem Haus tragen zu können)    
Brauchtumstage    
Brennpunktschule     
Brennstoffe, fossile (als Sammelbegriff für Kohle, Öl, Gas, Torf - durch Umwandlung von "Biomasse" in Jahrmillionen entstandenes Material, das in kürzester Zeit zur Energiegewinnung verbrannt wird)
Der Begriff konzentriert sich auf den primitivsten Verwendungszweck und lässt sowohl den Aspekt der Nutzung als Rohstoff als auch den Umweltschutz-Aspekt völlig unberücksichtigt. 
  fossil
Broiler    
Bruderkrieg Wörter, die weh tun  
Bub, Bube (Spitzbube für Dieb), Bübchen, Bursche, Bürschchen alt-deutsch (aussterbend bis ausgestorben, ggf. noch regional)  
Bücherverbrennungen Wörter, die weh tun  
Bufdi (Dienstleistender im Bundesfreiwilligendienst) Zeitgeist (Ein-Euro-Job)
Bücherwurm    
Bühnenweihfestspiel (18 - aus vier Wörtern zusammengesetzt)
(R. Wagner über seinen "Parsifal")
gaanz laange Wörter  
Bullshit    
Bummelstreik    
Bundesinformationsfreiheitsgesetz (33) gaanz laange Wörter
amts-deutsch
 
Bundesjungzüchtertreffen (Vier-Wörter-Wort, 24) gaanz laange Wörter  
Bundesmusikschulwoche (20 - aus vier Wörtern zusammengesetzt!) gaanz laange Wörter  
Bundestagsuntersuchungsausschuss (32) gaanz laange Wörter  
Bundestagswahlkampf (in den Bundestagswahlkampf ziehen)    
Bundesverkehrswegeplan (22)    
Bundeswaldinventur amts-deutsch  
Bundeswehr
Bundeswehr-Rettungszentrum (Ein solches kam z. B. beim Kirchentags-Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen bei Wittenberg am 28.05.2017 zum Einsatz)
   
Bürgerentlastungsgesetz    
Bürgerschreck     
Burgfrieden    
Burka    
Bürokratiebremse polit-deutsch  
Büschelauszugskraft (von Borsten bei Zahnbürsten)    
Bußgeldkatalog    
 

Das Wort (2)

Details / ggf. Quellenangaben

ausführlich in:
Babypause Dieses mütterdiskriminierende Wort verrät aber vor allem eines:
Typisch für unsere Zeit ist, dass in der Gesellschaft bzw. Öffentlichkeit der Arbeitsethos weit über dem Elternethos steht. Wer Autos produziert oder eine Fußballweltmeisterschaft gewinnt, ist wesentlich höher angesehen als Menschen (Frauen), die Kinder bekommen.
Deren Arbeit in den ersten Wochen und Monaten nach der Entbindung wird nur unter dem Blickwinkel gesehen, dass sie bezüglich ihrer Lohnarbeit "Pause" machen.
Die Anerkennung der Gesellschaft für Kindererziehung ist völlig unterentwickelt.

Diese Bemerkungen könnte man analog auch für das Wort "Elternurlaub" gelten lassen. Irgendwo habe ich Anfang des Jahres 2021 gehört, dass es inzwischen  - eben wegen dieser Diskriminierung - durch "Elternzeit" ersetzt wurde. Dies lässt hoffen, dass auch das Wort "Babypause" irgendwann aus dem normalen Wortschatz verschwindet.)
Der Duden [siehe Quelle] schreibt zur Babypause: "Unterbrechung der Erwerbstätigkeit durch die Geburt eines Kindes"Das Wort "Elternurlaub" kommt in dieser Duden-Ausgabe nicht (mehr) vor. Sprachlich korrekt wäre es, wenn es eine Form von "Urlaub" im Sinne der bezahlten Freistellung von der Erwerbstätigkeit wäre.
Es ist manchmal halt schwer, die sprachliche Balance zwischen sachlicher Korrektheit und politischer Korrektheit zu halten.
 
Ballungszentrum, Ballungsraum Ballungszentrum und Ballungsraum - diese Wörter, die für von Menschen bewohnte Gebiete stehen, klingen eher gefährlich als heimatlich, heimelich, heimisch, wohnlich.  
Beauftragte(r) Diese Sammlung stelle ich einzig aus diesem Grund auf:
Es gibt in Deutschland einen ›Antisemitismusbeauftragten‹. Indem ich ihn in eine Gruppe mit anderen "Beauftragten" stelle, wird vielleicht die Seltsamkeit dieses Wortes deutlich.

Für diese Sammlung verwende ich lediglich die Wörter, die bereits an anderer Stelle in dieser Website auftauchen:
• die Marketing-Beauftragte der Volksbank
• die Frauenbeauftragter der TU Darmstadt
• der Beauftragte für christlich-jüdischen Dialog
• der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
• der / die Reformationsbeauftragte, der / die Lutherbeauftragte
• der / die Gleichstellungsbeauftragte
• der Wehrbeauftragte des Bundestages
• der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung
• die Ethik-Beauftragte bei VW
• der / die Hospizbeauftragte
• der Herzlichkeitsbeauftragte
• der Integrationsbeauftragte
• der Landesbehindertenbeauftragte
• der Sektenbeauftragte
• der / die Datenschutzbeauftragte
• der Tierschutzbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt
• der Ostbeauftragte
• der Wildtierbeauftragte
• der Wehrbeauftragte

Das "amts-deutsch" hat nun auch zu verknappten Wortschöpfungen geführt, bei denen man über das damit bezeichnete Anliegen streiten kann:
Was hat der "Sektenbeauftragte" zu tun? Muss er die Kontakte zu diversen in Deutschland aktiven Sekten pflegen oder diese Sekten beobachten und ggf. verhinder, dass diese etwas Verbotenes tun?

Ist der ›Antisemitismusbeauftragte‹ zuständig für den Antisemitismus und dessen Durchsetzung oder für die Bekämpfung desselben?
"Natürlich" ist es klar, dass letzteres gemeint ist.
Beim "Tierschutzbeauftragen" ist es eindeutig, da weiß man, dass derjenige den Tierschutz durchsetzen soll.

Ähnlich ist es beim "Geldw äschebeauftragten" - muss er die Bedingungen für Geldwäsche verbessern oder diese unterbinden? "Natürlich" ist es klar, dass letzteres gemeint ist.
Muss man als ›Missbrauchsbeauftragter‹  sexualisierte Gewalt gegen Kinder vertuschen und verharmlosen oder die Taten aufklären und dabei helfen, die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen?
(Siehe zu  ›Missbrauch‹ auch die Seite  SPRACHPFLEGE - TEXTE ANDERER AUTOREN - hier in LESESTOFF (SPR))

Last but not least sei der "Pandemiebeauftragte" genannt, der natürlich auch "Pandemiebekämpfungsbeauftragter" heißen könnte, aber das wäre sicher ein für deutsche Amtsstuben  ( ¿ - Vorsicht, Satire) zu langes Wort.

PS.: Neben dem "Beauftragten" gibt es natürlich auch noch den "Bevollmächtigten", z. B. den "Pflegebevollmächtigten der Bundesrepublik":
Was ist seine Vollmacht?
Ist eine Vollmacht höher stehend als ein Auftrag?
Soll der die Bundesrepublik pflegen?
Er hat die "Vollmacht, jemanden / etwas pflegen zu dürfen"?
Oder hat sich hier das Amtsdeutsche seinerseits einen kleinen Joke erlaubt, weil ihm die vielen  "Beauftragten" zum Halse raushängen und es ihn nach ein wenig Abwechslung gelüstete?
 
Bedarf, -bedarf, "Bedarfe" Ja, was haben wir  denn da alles für "Bedarfe"?
Dieser Plural von "Bedarf" ist eigentlich nur in der "Fachsprache" üblich, nun ist er ins Alltagsdeutsch übergeschwappt.
"Bedarf" war ursprünglich eine ökonomische Kategorie zur Kennzeichnung der zahlungsfähigen Nachfrage bzw. Bedürfnisse.
Bedürfnisse können alles mögliche sein. Manch einer hat das Bedürfnis (nicht nur den Wunsch!), in Urlaub zu fahren, kann es sich aber finanziell nicht "erlauben". Nur die Bedürfnisse, die man sich auch "leisten" kann,  sind "Bedarf."

Nun ist dieses Wort zur Plage geworden - was wird heute nicht alles "bedarfsorientiert" getan, wo wird nicht der "zahlungskräftigen Nachfrage" hinterhergehechelt, koste es was es woll.

Zahlreiche Bereiche haben den "Bedarf" für sich entdeckt: dazu gehören z. B. der
Änderungsbedarf,
Erziehungsbedarf,
Gesprächsbedarf,
Handlungsbedarf,
Klärungsbedarf.
Weitere "Bedarfe" werden in dieser Sammlung folgen.

PS 31.12.2020:
Und dann gibt es auch noch den "Bedarfskäufer", gefunden in der MZ vom 27.06.2020 auf S  21. Das sind offenbar die, die nur dann und nur das kaufen, wenn bzw. was sie benötigen. Die mit Einkaufszettel losgehen oder im Internet drei Wochen recherchieren, ehe sie dann vielleicht kaufen.
Wie heißt das Gegenstück dazu? Der Unbedarft-Käufer, der Käufer von Dingen, deren er nicht bedarf, der "Sinnloses-Zeug-Käufer"?  Was ist mit dem "Frustkäufer", der vermutlich mehrheitlich eine "Frustkäuferin" sein wird?
Der "Spontankäufer"  bewegt sich vermutlich zwischen beiden Extremen.
Wie wichtig es für Umsatz, Geschäft, Gewinn und letztlich Wachstum ist, dass nicht nach Bedarf gekauft wird, brauche ich hier sicher nicht zu erwähnen.
 
beibringen Man bringt Flüchtlingen gerade die deutsche Sprache bei. Das hat aus meiner Sicht etwas Diktatorisches, Aufgezwungenes: denn eigentlich wollen diese ja die deutsche Sprache lernen. Und wer das nicht will oder kann, dem kann man sie auch nicht "beibringen".
Warum also schreibt man nicht statt z. B.: "... sollen ihnen die Grundlagen der deutschen Sprache beigebracht werden, die sie im Alltag brauchen". (gefunden in der MZ vom 12.11.2015 auf S. 2)
lieber:
"... haben sie die Möglichkeit, die Grundlagen der deutschen Sprache, die sie im Alltag benötigen, zu lernen." - ?
(Nebenbei - es galt einmal: »Wer "brauchen" ohne "zu" gebraucht, braucht "brauchen" überhaupt nicht zu gebrauchen.«)

Ich fürchte, die Verwendung von "beibringen" statt  des ebenfalls möglichen  Begriffs "lehren" hat einen noch ganz anderen Hintergrund: "Lehren" ist mit dem Akkusativ verbunden: z. B. "Ich lehre dich das Schreiben." Doch viele haben mit dem Akkusativ Probleme und verwenden statt dessen den Dativ oder gar "lernen":
"Ich lerne dir / dich das." (so viel zu den Deutschkenntnissen der Deutschen selbst)

Der Text setzt sich übrigens fort mit: »„Danach setzen andere Maßnahmen auf“, so Senius.«Kay Senius ist Leiter ("Chef") der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Arbeitsagentur. 
Dieses Zitat möchte ich nicht weiter kommentieren.
bekennen, sich bekennen - "zu" oder "für"? Welche Präposition zieht das Verb "bekennen", "sich bekennen" nach sich? Bisher nahm ich an, dass man sich vorwiegen "zu" etwas bekennt: zum Partner, zu seinen Ansichten, zu seiner Religion oder Weltanschauung bzw. auch zu einem Fehler o. ä.
Nun musste ich feststellen, dass man sich auch "für" etwas bekennen kann:
In der MZ vom 30.06.2017 wird auf S. 1 ein längerer Bericht mit folgendem Text angekündigt: WITTENBERG Stadtrat bekennt sich für Erhalt des Spottbildes an der Stadtkirche. Bei Recherchen   fällt mir auf, dass es zahlreiche Fundstellen gibt im Stil von "Farbe bekennen - Für Demokratie und Offenheit". Das ist soweit in Ordnung, da "Farbe bekennen" als selbständige Redewendung auftritt.
Wenn man sich "zu" einer Sache bekennt, ist man natürlich "für" diese Sache. Trotzdem halte ich dieses "bekennt sich für" für ausgemachte Sprachschlamperei - für die Vermischung zweier Formulierungen:
"sich bekennen zu" und "sich einsetzen für":
In diesem Fall ist gemeint, dass der Stadtrat von Wittenberg "für den Erhalt" des auch als ›Judensau‹ bekannten Schandbildes an der Stadtkirche votiert hat. Obwohl er darüber gar kein Mitspracherecht hat, denn die Verfügungsgewalt liegt bei der Stadtkirchengemeinde. Aber er wollte ein Zeichen setzen "für" etwas. Oder "gegen" etwas - gegen die Proteste gegen den Verbleib der "Judensau" an der Stadtkirche.
 
Benachteiligte Es gibt z. B.
- sozial Benachteiligte
- sozial / sozialökonomisch benachteiligte Personen
- untere Schichten
- unterprivilegierte Schichten 
usw.
Von "Bevorzugten" oder "überprivilegierten Schichten" hört man wenig bis nichts.
Einen hübschen Satz fand ich in der MZ vom 04.12.2014 auf S. 4: "Schwangere mit niedrigem sozioökonomischem Status rauchen im Vergleich zu besser gestellten Frauen deutlich häufiger.""Niedriger  ... Status" - das ist eine Menschen er-niedrigende Wortwahl!
 
Beteiligung Was es alles für Möglichkeiten der Beteiligung von Bürgern an den städtischen Angelegenheiten gibt! Da kann man nur ins Staunen kommen.
In einen klitzekleinen MZ-Artikel vom 26.03.2018 auf S. 10, der von einem Workshop berichtete, finden sich:
- digitale Bürgerbeteiligunung
- erfolgreiche Bürgerbeteiligung ("Stadtentwicklung und Partizipation: Erfolgreiche Bürgerbeteiligung - neue Impulse durch den digitalen Wandel?")
- crossmediale Bürgerbeteiligung
- institutionalisierte Bürgerbeteiligung
- Werkstatt für Beteiligung (der Stadt Potsdam)
- Beiträge zu Praxiserfahrungen in Bezug auf Partizipation / Bürgerbeteiligung im Land Sachsen-Anhalt
- aktueller Sachstand zur Beteiligungskultur im ISEK-Prozess in der Lutherstadt Wittenberg
- Jugendparlament in Naumburg als Beispiel einer Jugendbeteiligungs-Struktur im Rahmen von Planungsprozessen
- interaktive Bürgerbeteiligung durch eine virtuelle Stadtkarte
- Beteiligungsplattform "Gestalte mit Halle" (der Stadt Halle / Saale)
Man kann sich auch eine Website ansehen, auf der über die "Begleitforschung zum Stadtumbau" informiert wird:
www.stadtumbau-sachsen-anhalt.de

Wenn es das alles doch schon früher gegeben hätte - so eine Aufmerksamkeit für die "Beteiligung von Bürgern"!
Dann würde es in Lutherstadt Wittenberg vielleicht noch das "KTC" / "Kreiskulturhaus »Maxim Gorki«" oder das "Natur- und Völkerkundemuseum »Julius Riemer«" geben.
Für den Erhalt dieser beiden Einrichtungen hatten sich zahlreiche Bürger eingesetzt, mit einer Bürgerinitiative, mit diversen mündlichen und schriftlichen Forderungen an die Stadt, mit einer Facebook-Seite bzw. auch auf Webseiten. Das wurde alles vom Oberbürgermeister, der Stadtverwaltung und sogar dem Stadtrat abgeschmettert.
Diese mitunter ziemlich wütenden* Bürger habe offensichtlich nur die falschen Methoden angewandt. Die haben ja nur protestiert und sich gar nicht wirklich beteiligt an der Zustimmung der Bürger zu den städtischen Plänen.
* Wütend waren sie schließlich, weil sie bei /von "der Stadt" entweder nicht gehört oder sogar beschimpft wurden. Andere waren nur traurig und unglücklich. Viele resignierten in "lähmendem Entsetzen" über die städtischen Entscheidungen.
Wenn diese Leute heute das Wort "Beteiligung" hören, fühlen sie sich vermutlich auch noch im Nachhinein "verarscht".  
Besucheransturm Der wird im Jahr 2017 in Lutherstadt Wittenberg erwartete, anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation, der Weltausstellung Reformation, des großen Abschlussgottesdienstes zum Kirchentag und natürlich des Asisi-Panoramas, das bis dahin auf der Abrissfläche eines Kulturhauses errichtet wird.
Was sage ich, "erwartet"? Nein, der Besucheransturm ist aus Wittenberger Sicht ganz, ganz sicher: man kann lesen (MZ 30.01.2016, S. 9, Irina Steinmann), dass schon allein das Lutherhaus "im Jubeljahr naturgemäß einen Besucheransturm erleben wird".Ein "Jubeljahr" ist nicht das gleiche wie ein "Jubiläumsjahr". Ich empfehle einen Blick in die Wikipedia:
~ wikipedia.org/wiki/Jubeljahr »externer Link« und garantiere  eine Überraschung für den, der das Wort noch nicht kennt!!
 
Betonkrebs Da liest man von Betonkrebs, der "geheilt"werden muss, nicht etwa repariert. Auch das Wort "Betonkrebs-Sanierung" suggeriert hier, dass da eine Art Schicksal, eine "Krankheit" über die Autobahnen hinweggefegt ist. Sanierung ist nötig für alte Gebäude oder Autobahnen, nicht für Autobahnen, die erst vor ganz kurzer Zeit neu gebaut wurden. Wenn man das Kind beim Namen nennen wollte, müsste von Pfuscharbeit gesprochen werden, die nun korrgiert werden muss.Ein Fehler muss "wieder gut gemacht" werden.
Der Beton, der da ausgebessert werden muss, ist nicht "krank geworden", der war von Anfang an "nicht gesund". Es ist falscher, ungeeigneter Kies verwendet worden. Das hätte man vorher merken können und müssen. Nun werden hier ein paar Schweinereien mit diesen Wort-Umschreibungen beschönigt und versteckt. Dass das ganze Steuergelder in Größenordnungen verschlingt ist das eine Problem. Werden die Verantwortlichen für den Pfusch zur Verantwortung gezogen? Sicher nicht.
 
Bestattung Es gibt eine "Memorialkultur", eine Erinnerungskultur an die Toten überall auf der Welt mit ganz verschiedenen Bestattungsritualen.
In einem MZ-Artikel vom 06.11.2018, S. 10 wurde ein Vortrag angekündigt (Hervorhebungen in den Zitaten von mir - B.K.):
"Die Akademische Grablege in der Wittenberger Schlosskirche"
Man weiß, dass Luther und Melanchthon dort ihre letzte Ruhe gefunden haben, den Professoren und Rektoren, die unter dem Boden der Kirche "schlummern", wurde bisher wenig Aufmerksamkeit zuteil. Nun aber kann man lesen, dass in 350 Jahren 73 Rektoren in der Schlosskirche beigesetzt wurden, "wodurch das Gotteshaus zum exklusiven Bestattungsort universitärer Eliten anvancierte".
Die "Trauer- und Beisetzungsriten" für Kurfürsten und Reformatoren waren Vorbild für diese akademische Grablege. Dieses Wittenberger Engagement wirkte sich "vorbildhaft auf die Memorialkultur an anderen Universitäten des Reiches" aus.
Nun erforscht man die Wittenberger "Bestattungsorte, Beisetzungsprivilegien und Trauerzeremonien".

Beisetzungsprivilegien, exklusive Bestattungsorte? Ich dachte immer, der Tod sei der große "Gleichmacher". Oder ist doch etwas an der Formulierung von den "teuren Toten"?
Betrug Eine Betrugssoftware wurde bei VW bezüglich der Abgaswerte eingesetzt.
Zum "Pflegebetrüger" gesellen sich Worte wie "Abrechnungsskandal" und "Abrechnungsbetrug".
Es gibt sogar - festhalten! - ein EU-Betrugsbekämpfungsamt mit dem schönen Namen "Olaf".
 
Biophilie Die mit "Liebe zum Leben" bzw. "Liebe zu Lebendigem"  übersetzbare "Biophilie" ist ein relativ modernes Wort, das wohl zuerst von Erich Fromm (1964 "Die Seele des Menschen") verwendet wurde. GUTE WORTE #Biophilie
(in SPRACHGENUSS)
Blut Blutbad (ein ganz und gar fürchterliches Wort für grausamsten Mord und Totschlag)
Blutrache
Blutschande
Blutwurst (die beschönigend-verbrämend meist "Rotwurst" genannt wird)
Blutdopingskandal

 
Broiler Man glaubt es nicht! Ein "Ossi-Wort" hat die Wende überlebt. Da hat man Plaste (den Kunstwerkstoff) zu Plastik machen müssen (mit der Doppeldeutigkeit, dass sowohl ein Kunstwerk als auch ein Werkstoff nun damit gemeint sein können), wir mussten auf die "Blutwurst" verzichten und bekommen nur noch "Rotwurst" vorgesetzt.

Doch ich sehe: der "Broiler", die DDR-Wortschöpfung für Brathähnchen ist  nicht tot, liegt in unseren Kühltruhen und wird von Geflügelhaltern - wenn es sein muss, sogar lebendig - verkauft. Mein Verdacht, es könne sich um ein trotzdem vom Aussterben bedrohtes regional-nostalgisches DDR-Rest-Wort handeln, findet in der Google-Suchmaschine ein freudige Überraschung - bei
mehr als 15 Millionen Fundstellen kann ich jubeln: der Broiler lebt!
(Vielleicht verdankt er diese Bekanntheit auch nur seiner "Lobby" - der Düsseldorfer Musikgruppe "Broiler"?)
Nein, es kommt noch schlimmer. Stolz wie Oskar war ich bis zum heutigen Tag (18.04.2016) darauf, dass die DDR dieses Wort "geschöpft" hat. Nun belehrt mich Wikipedia eines besseren.
Ich bin untröstlich! Was ich dort zu lesen bekomme, reißt mich zu Boden! Lest selbst: →Broiler (auf Wikipedia) »externer Link«
PS: "Goldbroiler" - das war DDR-Erfindung und ist bei Google mit schlappen 22.100 Fundstellen zu haben - meist als Name für Hähnchenbars.
 
Bürokratiebremse Diese "Bürokratiebremse" meint, dass die Bundesregierung zielgerichtet am Abbau von unsinnigen Vorschriften und von Folgekosten von Gesetzen für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung gearbeitet hat. Zum ersten Mal ist es zu einem Rückgang gekommen - um 685 Millionen Euro. Herausgefunden hat das der "Normenkontrollrat".

Das mit den "unsinnigen Vorschriften" findet das Klatschweib besonders schön. Wer macht denn soo etwas?
Allerdings fühlt es sich eher wie ein "Bürokratiebremschen" an,  man denke nur an neue bürokatische Folgekosten-Faktoren wie den "Wohnungsgeber" und das neues Melderecht.

(Info gefunden in der MZ vom 20.10.2015, S.2)
 

Seitenversion: erg. 31.10.2021
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr1-wortsammlung/spr1a-c/spr1_b.html