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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

WORTSAMMLUNG VON A BIS Z  - FLÜCHTLINGE


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                     └→ FLÜCHTLINGE

Da die Wortsammlungen immer umfangreicher werden, löse ich einige Worte aus der alphabetischen Sammelliste und lege für sie eine extra Seite an. In diesem Fall habe ich zum 01.06.2016 das Wort "FLÜCHTLINGE " aus der Liste "F" herausgelöst und hierher übertragen.

Diese Sammlung ist nach wie vor weitestgehend chaotisch, ungeordnet. Im einzelnen enthält sie:
- Die Wortsammlung, noch unsortiert (ab 2019 nach Jahren ergänzt)
- Weitere Wörter rund ums Thema Flüchtlinge in den Berichterstattungen
- Politikerzitate
      - Ministerpräsident Sachsen-Anhalts: Flüchtlingsfrage und Reifegrad der Gesellschaft
      - Justizminister Heiko Maas: Ehrendes Gedenken an Rupert Neudeck
- Medien zur Lage der Flüchtlinge, zur Flüchtlingspolitik und zu Reaktionen von Bürgern
      - "Kunstaktion Flüchtlinge fressen" und die "Verrohung der Flüchtlingspolitik"
      - Ein Interview über ein Buch und die "Abschreckung der Flüchtlinge" (28.08.2016)
- "Flüchtlinge" im übertragenen Sinne ("Steuerflüchtlinge" und Co.)


Ein besonderer Wortfund  Ende des Jahres 2016 sei gleich am Anfang der Sammlung hervorgehoben:
                                  Flüchtlingskomödie
Damit ist ein Kinofilm gemeint, "Willkommen bei den Hartmanns", der es offenbar auch zum meistbesuchten deutschen Kinofilm in diesem Jahr bringt. Mit mehr als 1 Million Besuchern in den ersten zwei Wochen ist er Rekordanwärter.
(In der Wikipedia findet  man mehr darüber:
de.wikipedia.org/wiki/Willkommen_bei_den_Hartmanns »externer Link«.)


Mit der Aktualisierung dieser Seite am 01.03.2017 erst war mir aufgefallen, dass ich das folgende Wort bis dato überhaupt noch nicht erwähnt habe, vielleicht, weil es in den Kämpfen gegen die Flüchtlinge, Flüchtenden, Geflüchteten, Asylsuchenden, Migranten von untergeordneter Bedeutung ist?:
                     Flüchtlingskonvention.
Ich meine damit die "Genfer Flüchtlingskonvention" des "internationalen Flüchtlingsrechts". Der offizielle Name dieses Dokuments ist
                      Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge.
Es enthält auch eine Definition für den Begriff "Flüchtlinge".
Das Papier ist die Rechtsgrundlage für das Amt des
                     Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen.



Zu weiteren Begriffen im Zusammenhang mit "Flüchtling" siehe auch "Asyl" (in der WORTSAMMLUNG A)


Die Wortsammlung, noch unsortiert:

Neue Wörter im Jahr 2021


Weltflüchtlingstag am 20. Juni
Aus dem wöchentlichen Newsletter von Heribert Prantl, einem der gegenwärtig besten Journalisten Deutschlands, erfahre ich von diesem "Weltflüchtlingstag" ("Prantls Blick vom 20.06.2021 mit dem Betreff: "Das Glück der Geflüchteten"). Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat diesen Tag im Dezember 2020 ausgerufen.

"Pratls Blick" gibt es auch direkt auf der Website der Süddeutschen Zeitung:
Dort trägt der Text die Überschrift:
"Wie wollen wir behandelt werden, wenn wir Flüchtlinge wären?"externer Link
Er schreibt u. a."Jeden Tag tötet die EU Migranten - durch unterlassene Hilfeleistung. Und wer nach Deutschland kommt, wird fertig gemacht - in sogenannten Anker-Zentren. Das ist erbärmlich." Er erinnert auch an das Schicksal der syrischen Schwimmerin Yusra Mardini, die gemeinsam mit ihrer Schwester ein Schlauchboot, übervoll besetzt mit Flüchtlingen, schwimmend bis zur Insel Lesbos gezogen hat.
Er nennt die Flüchtlinge "Botschafterinnen und Botschafter der Menschenrechte".
Und ich möchte ergänzen:
Menschenrechte sind keine Menschenrechte, solange sie das Privileg weniger Menschen sind.
(ergänzt 20. Juni 2021)

›Flüchtlingsschleuse‹
Wer immer dieses Wort zur Zeit verwendet oder verwendet hat, die F.A.Z. greift es in ihrem "Frühdenker" genannten Newsletter vom 25.05.2021 - mit Anführungsstrichen gekennzeichnet - auf, ohne eine Quelle zu nennen:
                            ›Flüchtlingsschleuse‹
Dieses Wort kann ich nur mit Hilfe der "Abscheuzeichen  ›...‹" (siehe Technische Details) schreiben. Natürlich müssten noch viel mehr Wörter der bisherigen Sammlung auf dieser Seite diese Markierung bekommen.
Ich zitiere aus dem Newsletter:Nach italienischen Medienberichten verfügt Ankara über Hebel zum Öffnen der "Flüchtlingsschleuse". In dem dazugehörigen Artikel auf faz.net zur "Migrationspolitik" ist es nicht mehr zu finden. Sogar das Wort "Flüchtling" taucht dort nur ein einziges Mal auf, elfmal ist von "Migranten" die Rede.
Dieses Wort erinnert an andere, früher gern im Zusammenhang mit Flüchtlingen verwendeten Wörtern wie "Flut" oder "Ströme".

Das Jahr 2020 beginnt mit einem sehr seltsamen Wort:

Vielleicht war es nur ein Flüchtigkeitsfehler, von Herrn Tullner oder von der MZ begangen, und sollte eigentlich ganz  anders lauten:
                             "Migrationsbedarf".
Herr Marco Tullner ist Minister für Bildung in Sachsen-Anhalt. Das ist das Land mit einem sehr hohen Lehrermangel. Zusätzlich muss der Minister sich auch noch um die vielen Flüchtlingskinder kümmern, die hier zur Schule gehen wollen. Ich kenne Kinder aus Syrien und Eritrea, die hier in Wittenberg zur Schule gehen. Bei einigen von ihnen waren die Sprachkenntnisse in deutsch (inklusive des fürs Sprachelernen wichtigen Umfeldes, also des Wissens um Gegenstände, Tätigkeiten, Eigenschaften, ... - wie sie sie aus ihrer Heimat nicht kannten) so schlecht, dass sie nicht etwa einen Vorschaltkurs Deutsch bekamen, sondern gleich in die 1. Klasse eingeschult wurden. Es war von vornherein klar, dass sie das Klassenziel nicht erreichen würden. Eines der Mädchen hat das schon hinter sich und ist nun ziemlich gut integriert. Das andere geht gerade in die 1. Klasse und kann jetzt, im Februar, noch nicht einmal die ersten Buchstaben und Worte lesen. Wenn erst einmal der Anschluss verpasst ist, holt sie es natürlich bis zum Jahresende nicht auf.
Das zweite Problem ist, dass in diesen Schulen sehr viele Kinder "mit Migrationshintergrund" lernen. Zu viele, als dass die Lehrer es schaffen können, einzelnen zu helfen, den Anschluss nicht zu verpassen.

Zum Glück sind die syrischen und die eritreischen Mädchen miteinander befreundet und verständigen sich in ihrer Freizeit auf deutsch. Das hilft natürlich sehr, in der Schule besser mitzukommen.

Ach ja,  zurück zum "Migrationsbedarf", einem Wort, dessen Bedeutung ich nicht verstehe, die sich mir auch nicht aus dem Textzusammenhang erschließt.

In der MZ vom 26.02.2020 S.6 liest sich das in dem Beitrag von Herrn Tullner so:Durch die teilweise hohe Konzentration der Schülerinnen und Schüler mit Migrationsbedarf an einigen Schulen war eine Integration in die bestehenden Klassenstrukturen kaum möglich. Zwar wurden ausgebildete Sprachlehrkräfte dauerhaft an diesen Schulen etabliert, die Herausforderungen blieben.Ich wage es nicht, nach diesem Wort zu goggeln, ich habe einfach Angst. Es könnte sein, dass das Wort kein Fehler ist, sondern sich schon in die deutsche Sprache eingeschlichen hat. Egal, was es bedeuten soll.  (ergänzt 31.12.2020)


Die Sammlung geht auch im Jahr 2019 weiter:

"Fluchterfahrung und Unterwegssein" und "In die Fremde - Migration als universelle Erfahrung und Herausforderung", "Völkerwanderungen und Fluchtbewegungen", "Migrationsgeschichte" als Lehrfach an einer Uni,
"Flucht, Vertreibung und Exil" (MZ 11.07.2019, S. 9)

Bootsflüchtlinge und Bootsmigranten und deren Verteilung (MZ 03.07.2019, S. 5)
Bürgerkriegsflüchtlinge, syrische Bürgerkriegsflüchtlinge (z. B. in der MZ 31.07.2019, S. 4)

Die neuen Worte 2018

Im Oktober spricht der neu gewählte Fraktionsvorsitzende der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, in einem  Interview mit der MZ (20.10.2018, S. 5) von der "Flüchtlingszuwanderung". Auf die Frage:"Stichwort Flüchtlingspolitik: Haben wir es geschafft?" antwortet er:"Wir sind wesentlich weiter in der Steuerung und Begrenzung der Flüchtlingszuwanderung. Die Integration ist bleibt weiter eine große Aufgabe. Da gibt es noch viel zu tun, auch wenn einiges erreicht ist."(wörtliche Abschrift einschl. des offenbar MZ-Fehlers)
Siehe hierzu auch einige Zeilen weiter unten über das "Weiterwandern" der Flüchtlinge.


Ende Juni - Anfang Juli fallen vor allem solche Worte im Zusammenhang mit dem politischen Gezerre im Zusammenhang mit der Frage nach dem weiteren Umgang mit Flüchtlingen in Europa:

Flüchtlingskompromiss bzw. Asyl-Einigung zwischen CDU und CSU Ankerzentren, Aufnahmelager, Aufnahmezentren, Transitzentren, Hot Spots, (auch das Wort "Masseneinrichtungen" fällt in diesem Zusammenhang) ... diverse Namen für Flüchtlingslager - mit nur kleinen Nuancen in den Unterschieden - in allen Varianten geht es um die "Internierung" von Flüchtlingen (bis zu 1.500 Menschen in einem solchen Objekt), die dann auch "bewacht" werden müssen

Zurückweisungen von Flüchtlingen (in Österreich "geprobt", man will oder müsse "auf künftige Szenarien vorbereitet sein")

Asylplan von CDU und CSU,
Asylentscheidung, Asylbescheid, Asylbewerber,
Transitzentren z. B. sollen verhindern, dass jemand überhaupt einen Asylantrag stellen kann.

Das Weiterwandern der Flüchtlinge - das Weiterziehen der Menschen»Binnen weniger Tage sollen Absprachen mit EU-Ländern gegen das Weiterwandern von Flüchtlingen stehen, wie Merkel am Sonntag in Brüssel sagte.
... Merkel sagte bei einem Sondertreffen von 16 EU-Staaten in Brüssel, es gehe um die Begrenzung der illegalen Zuwanderung nach Europa, aber auch um das Weiterziehen der Menschen innerhalb der Europäischen Union.«
(Zitat entnommen der MZ vom 25.06.2018, S. 1)
Man hat den Eindruck, die Flüchtlinge werden mit so genannten "Zigeunern" gleichgesetzt, oder mit einer Truppe lustiger Wanderburschen. Diese Menschen "wandern" nicht, sie "flüchten", auch noch innerhalb der EU-Grenzen.
(siehe auch "Asylantenflut" in WORTSAMMLUNG A)

Ankerzentrum
Dieses Wort steht im Koalitionsvertrag der neuen Regierung und meint Lager (ähnlich wie Gettos usw.) für Flüchtlinge, in denen sie während der Zeit der Bearbeitung ihres Asylantrags  und ggf. bis zu ihrer Abschiebung untergebracht werden sollen.  Bis zu 1.500 Menschen sollen in diesen "Zentren" wohnen.
Das Wort "Sammellager"  ist in diesem Zusammenhang unpassens, es stammt - mit einer ganz spezifischen Bedeutung - aus der NS-Zeit.

Wortsammlung vor 2018


Das Letzte, das Allerletzte:
gefunden in der MZ vom 18.04.2016, S. 5 in einem Beitrag von Kristina Dunz:
Flüchtlingsverteilungsquote der EU

ACHTUNG: UNBEDINGT ANSEHEN!
Christine Prayon über das leere Wort "Flüchtling"
https://www.youtube.com/watch?v=Ml7omQt50F4 »externer Link«
(Sendung aus den "Mitternachtsspitzen" vom November 2015)

Fluchtursachen und Fluchtursachenbekämpfung (neu 13.08.2017)
Die "Fluchtursachenbekämpfung" wird offenbar inzwischen doch als wichtige Voraussetzung dafür angesehen, weitere "Flüchtlingsströme" bzw. den "Flüchtlingsdruck" zu senken.

Keine Hilfe für Afrika
Auch die neue Entwicklungspolitik ist unehrlich

(http://www.nordbayern.de/keine-hilfe-fur-afrika-1.6459647 "externer Link" )
ist ein Artikel vom 04.08.2017 über die tatsächliche Situation in Afrika  einschließlich der tatsächlichen Verursacher der "Fluchtursachen" und über echte  Möglichkeiten für Entwicklungshilfe bzw. "Fluchtursachenbekämpfung".

"Knackpunkt Flüchtlinge" (neu 03.11.2017)
Das war die Überschrift in einem MZ-Beitrag vom 02.11.2017, S. 5 über den Stand der aktuellen Verhandlungen der Parteien, die eine "Jamaika-Koalition" bilden wollen nach der Bundestagswahl im September 2017.
Sie - die "etablierten" Parteien - waren "abgestraft" worden für die Flüchtlingspolitik der Vergangenheit, die vielen Deutschen angeblich Angst machte. Dabei war doch nur der erste Schwung widerstandslos reingelassen worden, um dann in den Hinterzimmern auf diplomatischem Weg  zu organisieren, wie man den weiteren "Zustrom" blockieren kann. Über die Beseitigung der  "Fluchtursachen" in den betroffenen Ländern musste dadurch nicht einmal mehr geredet werden.
Der Gegensatz zwischen christlicher Nächstenliebe und Egoismus eines reichen Landes bzw. Volkes hat sich nun weiter zuungusten der Nächstenliebe ausgeweitet, wie die Wahlergebnisse zeigten.
Nun könnte sogar "Jamaika" daran scheitern.
Vielleicht wird man eines Tages anerkennen, wie diplomatisch und vorausschauend Frau Merkel das "Flüchtlingsproblem" in der zugegebenermaßen äußerst schwierigen Ausgangssituation von 2015 gelöst hat - einfach optimal für uns Deutsche und Europäer. So haben wir genug Leute für die schlechten Arbeitsplätze, für die schlecht bezahlten, schweren, unangenehmen, gesundheitsbeeinträchtigenden Arbeiten, für die sich kaum noch ein Deutscher hergibt. Auch im Alten Rom musste der  Freie Mann nicht arbeiten. Dafür hatte er seine Sklaven.
(allgemeine Infos siehe auch hier in der Wortsammlung unter → Knackpunkt)

Flüchtlingspaket (neu 01.03.2017)
Das könnte auch ein Schreibfehler in der MZ (01.03.2017, S. 4) gewesen sein. Denn es geht in der zugehörigen Erklärung um den auch unter "Flüchtlingspakt" bekannten Vertrag zwischen "Ankara" und der EU.
Nun "droht [Ankara] immer wieder damit, die Kooperation mit der EU in der Flüchtlingskrise aufzukündigen."



Die Sammlung von Wörtern rund um "Flüchtling":
"Flüchtlinge"
ist zum "Wort des Jahres 2015" gewählt worden von der Gesellschaft für deutsche Sprache. Das Wort hat schon die seltsamsten Blüten getrieben:
"Umverteilung von Flüchtlingen" ,
"gerechte Aufteilung der Flüchtlinge" bzw. "gerechte Verteilung der Flüchlinge" (das ist inzwischen auch kombiniert mit "gerechtere" zu finden, so als wäre Gerechtigkeit steigerungsfähig);
"Teile der CDU drängen die Kanzlerin zu einem härteren Kurs in der Flüchtlingspolitik ..."
Flüchtlingsgipfel - das Wort meint Beratungen von Politikern (März 2016: EU und Türkei, Februar 2017 - Bund und Länder) zur "Lösung der Flüchtlingskrise"
Flüchtlingssituation
und "Stabilisierung der Flüchtlingssituation" 
Flüchtlingsboote und Bootsflüchtlinge
Flüchtlingsdrama
Flüchtlingsfeinde
Flüchtlingsflut
Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen
Flüchtlingslager, Flüchtlingsunterbringung
Bildungsoffensive für Flüchtlinge
Kriegsflüchtlinge, Wirtschaftsflüchtlinge
Flüchtlingskatastrophe
Flüchlingskosten
Flüchtlingskrise, Flüchtlingsaufnahme
Flüchtlingskurs von Angela Merkel
Flüchtlingsrücklage
Flüchtlingssterben
Flüchtlingsstreit
Flüchtlingstragödie
Flüchtlingsunglück
Flüchtlingszahlen
Flüchtlingsthematik
Flüchtlingseinrichtung
Flüchtlingsarbeit  
Flüchtlingskinder
- sollten die nicht eher "Kinderflüchtlinge" heißen?
Flüchtlingszuzug (offenbar aus der Neujahrsrede des Bundespräsidenten Joachim Gauck 2016, siehe auch unten Politikerzitate)
und Zuzugsstopp für Flüchtlinge (fordert die AfD)
Flüchtlingsbewegungen an der Grenze 
Flüchtlingsbewegungen in Europa  
Abschiebehindernisse für bestimmte Flüchtlinge bzw. Asylsuchende
Bleibeperspektive, Flüchtlinge mit  einer solchen oder ohne
Binnenflüchtlinge
"Die Flüchtlingsindustrie" - 26-min Doku auf arte am 02.02.2016
"Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF)"
Familiennachzug für Flüchtlinge
Flüchtlingsproblem, Flüchtlingsproblematik
Flüchtlingspakt (gemeint ist das zwischen der EU und der Türkei Anfang 2016 ausgehandelte Abkommen, kurz "EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei")
Flüchtlingsdebatte, Zoff in der Flüchtlingsdebatte
Die "Balkanroute" - ein Fluchtweg der betroffenen Menschen - ist inzwischen (Stand Anfang März 2016) abgeriegelt bzw. "verstopft".

In Israel werden Flüchtlinge übrigens offiziell "Eindringlinge" genannt und man versucht, sie entweder durch Internierungslager oder "Ausreiseanreize" zum Gehen zu bewegen (MZ 15.01.2016, S. 4).

Das Wort "Flüchtlingsstrom" ist verpönt, "der enorme Zustrom an Flüchtlingen" ist pressetauglich.

Was ist ein "Kontingentflüchtling"?
Google bietet für dieses seltsame Wort, das es sogar zu einem separaten Wikipedia-Eintrag geschafft hat, mehr als 40.000 Fundstellen. Die Wikipedia verrät:»Kontingentflüchtling heißen in Deutschland Flüchtlinge, die in festgelegter Anzahl (Kontingent) nach Deutschland übersiedeln dürfen (und gleichmäßig auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden). Dies betrifft Flüchtlinge, die im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion, aufgrund von Sichtvermerken (Visa) oder einer Übernahmeerklärung des Bundesministeriums des Innern aufgenommen wurden. Sie durchlaufen kein Asyl- und auch kein sonstiges Anerkennungsverfahren, sondern erhalten mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen (§ 23 und § 24 AufenthG),...«

Der "Puffer für den Flüchtlingsstrom" (Nachtrag am 06.12.2016):
Die obige Bemerkung hatte ich Anfang des Jahres 2016 geschrieben. Inzwischen ist der "Flüchtlingsstrom" nicht mehr verpönt.
In der MZ vom 12.11.2016 fand ich auf S. 27 einen Satz von Andreas Montag in einem Kommentar zur Beziehung Deutschland - Türkei angesichts des weiteren Demokratieabbaus in der Türkei (rote Hervorhebung im Zitat von mir - B.K.):
"Nun werden europäische Politiker wieder mahnen, was Erdogan kalt lässt. Zu Sanktionen wird es nicht kommen, namentlich Deutschland braucht die Türkei als Puffer für den Flüchtlingsstrom. Ein Trauerspiel."


Die versiegenden Flüchtlingsströme
Wie man an der Südgrenze Ungarns zu Serbien bereits seit 2015 mit Stacheldrahtzäunen die Flüchtlinge von Ungarn festhalten will
"Der Bau von Grenzzäunen in Ungarn, aber auch in Mazedonien ließ später den Flüchtlingsstrom auf der Balkanroute weitgehend versiegen."
(gefunden in der MZ vom 28.02.2017, S. 2 in der Rubrik "Deutschland und die Welt")
In mir sträubt sich alles dagegen, diesen Satz zu lesen, zu denken und abzuschreiben. Wie hart, wie emotionslos, wie empathieunfähig müssen Menschen sein, die den Sachverhalt mit solchen Worten in die Zeitung setzen!

Flüchtlingsrücknahme
"die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland durch die Türkei"

Zu "Flüchtlingsfeinde" und "Flüchtlingswelle" gibt es ein interessantes Zitat aus der MZ vom 09.01.2016, S. 9 in einem Bericht über die Neujahrsrede des OB von Wittenberg, Herrn Torsten Zugehör :
Hart ging er mit Flüchtlingsfeinden ins Gericht: „Im Windschatten der ,Flüchtlingswelle’ versuchen braune Bildungsverweigerer die besondere Beanspruchung unserer Demokratie auszunutzen, um mit einfachsten und platten Botschaften ihre verqueren Albträume deutscher Geschichte erneut in die Herzen der Bürgerschaft zu pflanzen.“


Und die stellvertretende CDU-Vorsitzende ("C" heißt "christlich", nur mal so zur Erinnerung) Julia Klöckner sagte in einem Interview bei n-tv einen schönen Satz, der in der heute-show des ZDF vom 29.01.2016 noch einmal gezeigt wurde (Hervorhebung im Text von mir - B.K.):
"Das ist übrigens auch ein Zeichen an Flüchtlinge, dass man in Deutschland nicht einfach so reingeschwappt kommt."


"Flüchtlinge vergrämen":
Leider kenne ich diese Formulierung nur vom Hörensagen: jemand soll im TV das, was wir mit den Flüchtlingen machen, damit verglichen haben, dass so etwas im Tierreich "vergrämen" genannt wird.


flüchtlingsfreundliche Position - oder gar ein "Flüchtlingsfreund"? "Nun ist Seehofer nicht über Nacht zum Flüchtlingsfreund geworden." schreibt die MZ vom 28.09.2019 auf S. 8 in einem Kommentar von Markus Decker im Zusammenhang mit den jüngsten Aktivitäten unseres Innenministers, aus dem Mittelmeer gerettete Bootflüchtlinge aufzunehmen.
Im "Flüchtlingsstreit" hatte dieser "bisher eine ganz andere Meinung vertreten."
Ich erinnere an die monatelangen Diskussionen über eine "Obergrenze" und "Auffanglager".
"Flüchtlingsfreund" - könnte man sich ggf. gegen eine Unterstellung, ein solcher zu sein, wehren?

Fluchtwelle
"Verhinderung einer neuen Fluchtwelle über das Mittelmeer" kalauert die MZ am 19.04.2016 auf S. 5 in einem zynischen Wortspiel, das die Bewegung von Flüchtlingen mit einer Wasserwelle bzw. "Flutwelle" assoziiert. Es geht um aktuell ca. 300 Flüchtlinge (oder mehr), die im Mittelmeer ertrunken sind.
(Wikipedia über Kalauer:
"Als Kalauer bezeichnet man ein einfaches Wortspiel mit Wörtern unterschiedlicher Bedeutung von gleichem Klang oder gleicher Schreibweise.")

Siehe hierzu auch die in Wittenberg geplante "Kunstaktion" mit Flüchtlingsbooten, auf die ich in den "losen Gedanken" eingehe.




Es erscheint inzwischen so, als würde eine neue SprachregelungA1 aufkommen:
Man spricht  jetzt auch gern von "Flüchtenden" und "Geflüchteten".
Die Überlappung zu anderen "Geflüchteten" macht diese Wortwahl zu einer doch recht makabren: "Der Geflüchtete leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand."(zitiert aus der MZ vom 27.02.2017, S. 2)
Dieser Satz bezieht sich auf einen aus dem Maßregelvollzug geflüchteten Straftäter.

Und es gibt natürlich viele weitere Wörter rund um die Flüchtlinge:
Allen voran sei die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber mit der hübschen, assoziationsintensiven Abkürzung "Zast" genannt.
Weiterhin:
Integrationsgesetz, Arbeitsgelegenheiten, Wohnsitzzuweisung, Wohnsitzauflage, Niederlassungserlaubnis, Vorrangprüfung, Auffanglager, Auffangstationen.
Und - ganz neu entdeckt - die "interkulturelle Kompetenz" (siehe dazu die Sammelseite KULTUR).

Zitat des Monats März 2017 (MZ02.03.2017, S. 6; Hervorhebungen im Text von mir - B.K.)»Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird bei ihrer Reise nach Ägypten und Tunesien an diesem Donnerstag und Freitag nicht auf die Errichtung von Auffanglagern für Flüchtlinge drängen. Sie werde in Kairo und Tunis über Rückführung von Flüchtlingen, Finanzhilfen für deren bessere Lebensbedingungen, den Kampf gegen Schleuser, Unterstützung für den Aufbau eigener Asylsysteme und Zusammenarbeit beim Grenzschutz sprechen ...«

Zur weiteren Wortwahl in den Berichterstattungen

Wörter, die im Zusammenhang mit den Berichterstattungen über Flüchtlinge gerne genommen werden - vorerst wahllos notiert:
Schlepper-Banden, Einfallstor für Schlepper, Schlepperkriminalität,   Schleuser.
Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber

Hier ein Zitat aus der MZ vom 01.06.2016, S. 1 »Für die Schlepper geht es bei den illegalen Transporten um viel Geld. Bis zu 15 000 Euro kassieren die Banden beispielsweise pro Syrer, der sich für die Flucht aus dem Bürgerkriegsland nach Europa entscheidet.«

Das unterstellt, die Flüchtlinge hätten eine Willensfreiheit  und Entscheidungsfreiheit. Es geht doch aber darum, dass jeder, der es irgend kann, geht. Wer noch einen Rest von Handlungsfreiheit hat ...

Auf einer Veranstaltung hier in Wittenberg auf dem Arsenalplatz, auf der Wittenberger ihre Haltung zu den Flüchtlingen zeigen konnten, sagte jemand zu mir: "Die hierher kommen, die haben auch genug Geld!" Es klang wie ein Vorwurf gegen diese Menschen, die "es sich leisten können" zu fliehen. Erst danach fiel mir eine Antwort ein, ob die nun passend gewesen wäre, weiß ich nicht: "Damals konnten auch nur die reichen Juden fliehen. Die anderen mussten bleiben. Was mit denen, die in Deutschland blieben, passiert ist, wissen wir."


Balkanroute - "Seit die Balkanroute dicht ist, ..."

Sammelabschiebung von abgelehnten Asylbewerbern
Übrigens heißt es nun (im neuen Jahr 2017) nicht mehr "Abschiebung von Flüchtlingen", sondern  ganz offiziell (!)- schön, schöner, beschönigend - "Rückführung von Flüchtlingen"  - besser: Rückkehr, Rückreise
z. B. die "Rückkehrberatung"
dafür gibt es dann Bundesausreisezentren (im Febr. 2017 als geplante Einrichtung)
Abschiebehaft, Abschieberegeln.
Das Wort "ausreisepflichtig" ist "typisch deutsch-bürokatisch".
Ist die "Ausreisepflicht" so etwas wie ein Gegenstück zum "Ausreiseverbot"?
Ja, auch das Wort "Vergrämungspolitik" fällt in diesem Zusammenhang, als würde es sich um Tiere handeln, die man "vergrämt".

Im Zusammenhang mit den angespannten deutsch-türkischen Beziehungen schreibt Arno Widmann am 11.06.2016 auf S. 4 der MZ einen Kommentar "Unter Erdogans Kontrolle". Darin findet sich diese Textstelle
(farbl. Hervorhebungen im Text von mir - B.K.)
:

"Die Bundesrepublik und Europa versuchen, sich die Flüchtlinge vom Leib zu halten. Die Türkei Erdogans soll der Henker sein, der wir nicht sein wollen.
So können wir uns weiter von Schießbefehlen distanzieren. Was die Türkei mit den Flüchtlingen macht, entzieht sich unserer Kontrolle. Das ist kein unangenehmer Nebeneffekt, sondern das, worum es geht. Damit aber begeben wir uns unter Erdogans Kontrolle. Bevor er Flüchtlinge fliehen lässt, die dann vor Europas Küsten stranden oder an europäischen Grenzzäumen erschossen werden, wird Deutschland, wird Europa ihm entgegen kommen. ..."



"Ungeregelte Fluchtbewegungen"
MZ vom 11.10.2016 auf S. 5 berichtet über den Besuch von Angela Merkel im ärmsten Land der Welt: "Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Niger, dem ärmsten Land der Welt, Hilfe beim Kampf gegen ungeregelte Fluchtbewegungen zugesagt."

Inzwischen (Dezember 2017) geht es nur noch darum, wie man die unwillkommenen Fremden wieder los wird. Es gibt eine
"Taskforce Abschiebung", "unkooperative Herkunftsländer", "Rückkehrberatung", man will "eigene Abschiebehaftplätze" einrichten und sucht ggf. auch eine "Containerlösung" für die Unterbringung der Leute, die abgeschoben werden sollen.


Politikerzitate


Ministerpräsident Sachsen-Anhalts: Flüchtlingsfrage und Reifegrad der Gesellschaft
Auf S. 1 der MZ vom 03.06.2016 wird Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalts aus seiner Regierungserklärung im Landtag zitiert, um die es überraschend und nebenbei in dem Artikel auch ging (Die Überschrift lautete "AfD-Eklat im Landtag". Ich zitiere den ganzen Abschnitt der MZ, die Hervorhebungen im Text sind von mir - B.K.): "Haseloff skizzierte in seiner Erklärung den Fahrplan und die Herausforderungen der Koalition in den kommenden fünf Jahren. Den Fokus legter er auf den anhaltenden Flüchtlingszuzug und die Integration von Migranten. »An der Art und Weise, wie wir mit der Flüchtlingsfrage umgehen, zeigt sich der Reifegrad unserer Gesellschaft«, sagte Haseloff. Er betonte erneut, dass eine gezielte und gesteuerte Zuwanderungspolitik große Chancen für das Land bereithalten. ..." Dazu möchte ich anmerken: Es ist ein Unterschied zwischen "wie wir mit der Flüchtlingsfrage umgehen" und "wie wir mit den Flüchtlingen umgehen".



Justizminister Heiko Maas: Ehrendes Gedenken an Rupert Neudeck
Die MZ schreibt am 01.06.2016,  S. 5 anlässlich seines Todes u. a.:
»In der aktuellen Flüchtlingsdebatte forderte er 2015 den Einsatz der deutschen Marine und eine langfristige Seenotrettung im Mittelmeer. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Dienstag: „Rupert Neudeck hat vielleicht das Größte geleistet, was ein Mensch überhaupt tun kann: Menschenleben retten.“«

Medien zur Lage der Flüchtlinge, zur Flüchtlingspolitik und zu Reaktionen von Bürgern

"Flüchtlinge fressen" und die "Verrohung der Flüchtlingspolitik"
Im Zusammenhang mit der "Kunstaktion" des Berliner "Zentrums für politische Schönheit", die sie "Flüchtlinge fressen" genannt haben,  finde ich die Formulierungen von der "Verrohung der Flüchtlingspolitik". Die "taz" findet, dass sich diese Kunstaktion von einer solchen "Verrohung der Flüchtlingspolitik" habe "anstecken" lassen. Über diese Verrohung selbst fällt dabei kein Wort.
Immerhin hat sie - die Kunstaktion - es geschafft, dass die ganze Schizophrenie vieler deutscher Medien im Zusammenhang mit der Flüchtlingskatastrophe sichtbar wird: nicht die politische Verantwortlichen für das Elend und die Not werden bloßgestellt, sondern die Künstler werden angegriffen, die mit solchen Aktionen darauf aufmerksam machen.

Dass dem Innenminister die Flüchtlinge egal sind, habe keinen großen Neuheitswert, urteilte die "taz" nach dem Ende der Aktion.
Dafür, für die Denkweise hinter solchen Bemerkungen, gibt es ein schönes altes deutsches Wort: "abgebrüht".

80.000 Fundstellen für "Flüchtlingskatastrophe" und 3,5 Millionen Fundstellen für "Flüchtlingskrise" verraten das Denkproblem:
Wir haben ein Krisenproblem wegen der Flüchtlinge.
Deren Katastrophe ist bei uns noch lange nicht angekommen. Mit "Krise" wird die tatsächliche Situation auf der Welt immer noch verniedlicht, euphemistisch (beschönigend) umschrieben.
Ein Interview über ein Buch und die "Abschreckung der Flüchtlinge"
(Notiz vom 28.08.2016)
In dem Interviews der "FAZ" mit den Autoren eines gerade erschienenen Buches, "Die neuen Deutschen" gibt es in einer der Fragen diesen Satz:
(Ich erinnere: es geht mir in diesem Thema immer vordergründig um Sprachanalyse): "Zumal sich die Problemlage ja auch entschärft hat, seit die Kanzlerin zwar weiter vom humanitären Imperativ spricht, tatsächlich aber längst auf Abschreckung der Flüchtlinge setzt."(gefunden auf S. 3 des sechsseitigen Interviews: www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/marina-und-herfried-muenkler-die-neuen-deutschen-14405574-p3.html »externer Link«)


Die "Problemlage" hat sich also "entschärft", der "humanitäre Imperativ" ist "abgelöst" von der "Abschreckung der Flüchtlinge".
Über wessen "Problemlage wird hier gespochen - über unsere, die des reichen Europa, das lernen muss, von seinem Reichtum abzugeben, oder über die mit "Problemlage" wohl kaum auch nur annähernd beschriebene Katastrophe in den Ländern, aus denen Menschen (!) fliehen?
Die "Abschreckung der Flüchtlinge" ist eine "Entschärfung" der "Problemlage"?
Merkt der Interviewer überhaupt noch, wie verroht seine Sprache schon ist? Oder werfe ich hier dem Falschen etwas vor? Spiegelt er nicht nur unsere verkümmerte Menschlichkeit, die Verrohung unserer Gesellschaft, ihre zunehmende Barbarisierung wider?

Diverse weitere Zitate aus Medien

Entschlossenheit - ein positiv besetztes Wort:"Der Bund sowie die von Union und SPD regierten Länder wollen abgelehnte Asylbewerber schneller und entschlossener abschieben als bisher." und "Merkel sagte, Deutschland wolle sich die Fähigkeit erhalten, zu recht Geflüchteten auch weiter helfen zu können."
(MZ 10.02.2017, S. 4, unter der Überschrift "Wir meinen es ernst" - Die Anführungszeichen gehören zum Text der Überschrift.)
In dem Artikel fallen weitere Begriffe wie "Abschiebehaft", "Ausreisegewahrsam", "kriminelle Flüchtlinge", "diejenigen, die keinen Schutz verdienten",
Deutschland "dürfe sich nicht ausnutzen lassen",

Nach einem 16-Punkte-Plan, den der Bund den Ländern vorlegte, "sind mehrere Ausreisezentren geplant, in denen sich Ausreisepflichtige vor iher Abschiebung aufhalten sollen. Außerdem soll ein »Zentrum zur Unterstützung der Rückkehr« von Bund und Ländern Sammelabschiebungen erleichtern. Dabei geht es auch darum, Abschiebungen möglichst effektiv zu gestalten, ..."
Die Assoziationen, die mir an dieser Stelle kommen, sind so unerträglich, dass ich es mir verbiete, sie hier zu notieren.

Viele Bundesländer wären dem Zeitungsartikel zufolge froh, wenn sie "die ihnen zustehende Kompetenz für Abschiebungen abgeben könnten".(Hervorhebung im Text von mir - B.K.)

Wie ist das eigentlich, wenn die Asylbewerber, die Flüchtlinge, die Geflüchteten, die Heimatlosen (!) wieder abgeschoben werden, wohin werden sie dann abgeschoben?
Kann man davon reden, dass sie in ihr "Heimatland" bzw. "nach Hause" abgeschoben werden? Das wäre wohl doch eine Spur zu zynisch. Das habe ich in dieser Form auch noch nirgends gefunden.
Zur Bezeichnung des Landes, wohin diese Menschen unfreiwillig gebracht werden, dafür die deutsche Sprache ausnahmsweise ein passendes Wort gefunden: Herkunftsländer.

Freiheit - das ist ein Elitewort. Darauf  haben nur "Auserwählte" ein Recht.

"Flüchtlinge" im übertragenen Sinne

Die Anwendung der Worte "Flüchtling" und "Flucht" in anderem als dem eigentlichen Sinn, der eigentlichen Bedeutung des Wortes "Flüchtling" - nämlich, dass Menschen aus Not (Krieg, Hunger, andere Gefahren, Existenzunsicherheit, politische Verolgung) ihre Heimat verlassenden - verhöhnt echte Flüchtlinge.

Wenn ich erste Beispiele nenne, wir sicher deutlich, was ich meine:
Steuerflüchtlinge und Steuerflucht
Ich glaube, diese beiden Worte muss ich nicht kommentieren.

Deutsche Flüchtlinge
Auch in Deutschland gibt es sozusagen deutsche Flüchtlinge innerhalb des eigenen Landes. Die beiden Worte "Stadtflucht" und "Landflucht" meinen, dass es die Menschen vorwiegend aus den Dörfern in die Städte  oder  von den Städten in die Dörfer zieht. Aber es gibt noch andere "Flüchtlingsströme" innerhalb Deutschlands:

Fluktuationen zwischen den Bundesländern innerhalb von Deutschland:
Solche Fluktuationen zwischen den Bundesländern, also die Tatsache, dass die Menschen ihren Wohnsitz bundesländerübergreifend ändern, sind normal. Doch nach der Wende nahmen der einseitige Wegzug von Ostdeutschen aus ihrer Heimat in westliche Bundesländer geradezu den Charakter von "Flüchtlingsströmen", von Wanderungsbewegungen in unvorstellbaren Größenordnungen, an.
Wegen der Arbeit, der besseren Löhne, Lebensbedigungen und Chancen sind Hunderttausende Ostdeutsche in den Westen gegangen. Sie sind vor den schlechten ökonomischen Bedingungen im Osten regelrecht geflüchtet. Es waren Wanderungsbewegungen in Größenordnungen.
Wenn man es genau betrachtet, waren das auch "Wirtschaftsflüchtlinge".

"Tarifflucht" meint offenbar, dass ein Unternehmen keinen Tariflohn zahlen will.

In Flucht steckt "Fluch", auch das sei hier angemerkt.


  Anmerkung A1
Im Rahmen einer Aktion der Bundesregierung  "Kultur öffnet Welten" gibt es auf der Website www.kultur-oeffnet-welten.de »externer Link«  zwei interessante Handreichung zur Verwendung von Sprache:
www.kultur-oeffnet-welten.de/media/material-downloads/ndm_glossar_www.pdf »externer Link«
und
~ material-downloads/glossar_rassismuskritischersprachgebrauch.pdf »externer Link«

Seitenversion: erg. 30.06.2021
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr1-wortsammlung/spr1d-f/spr1_fluechtling.html