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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

DAS KLATSCHWEIB


Ein Klatschweib ist keine "feine Dame", es ist nicht höflich, sondern sehr direkt. Es redet über alles, verbreitete "Klatsch und Tratsch" - nichts bleibt ihm verborgen,
alles wird ans Licht gezerrt.
Dieses Klatschweib schaut Phrasendreschern, Dummschwätzern und Sprachschlampen aufs Maul und zieht sie gehörig durch den Kakao. Es "zerreißt sich das Maul" darüber, wie und was sie sprechen und schreiben. Mit seiner spitzen Zunge will es jedoch nur ein bisschen sticheln, nicht bösartig stechen. Im guten Lutherischen Sinne kümmert es sich um die Pflege der deutschen Sprache, will aufmerksam machen auf den oft schludrig-nachlässigen Umgang mit ihr und wünscht sich eine fürsorglichere und sorgfältigere Benutzung unseres kostbaren Kulturgutes - unserer wunderschönen deutschen Muttersprache. Es will Lust machen auf einen genussvollen Umgang mit der Sprache, aufmerksam machen auf die oft versteckten Botschaften in der Sprache.

Oft sind es bereits einzelne Wörter, die durch ihren geringen Aussagewert, ihr Übertreibung, Beschönigung, Herablassung, Entwürdigung usw. auffallen.
Diese und weitere interessante Wörter finden sich in der WORTSAMMLUNG.
Hier werden später Kommentare zu dieser Wortsammlung folgen.

Vorerst sammelt das Klatschweib erste interessante Texte und kommentiert sie (unten auf dieser Seite):
    - "Rechtschreib-Nörgler sind eher introvertiert"
    - Ist falsch zitiert schon gelogen oder bloß doof? Beispiel Max-Planck-Zitat

Weitere Sammlungen und Kommentare gibt es in diesen Seiten:

KEINE PUPPE, ES IST NUR ... "Keine Puppe, es ist nur eine schöne Kunstfigur"
Oder: Über die rechte Wahl der Worte und die Macht von Definitionen - wie durch eine geeignete Begriffswahl verschleiert, beschönigt, beleidigt, gelogen, herausgeredet oder verwirrt werden kann. 
Am Anfang gibt es natürlich die Geschichte zu dem obigen Zitat.

MONSTER-SPRACHE Eine Sammlung von "Sprach-Monstern", Wort-Ungetümen, Gruselsätzen usw.

PARADOXIEN "Finster war's, der Mond schien helle" - Sprache hat es an sich. So kann man mit ihr herrliche, in sich widersprüchliche Sätze formulieren. Manche sind auch nur scheinbar "paradox", aber immer sind sie komisch.

MAXIMALST & CO. "Maximalst und Co." steht als Kürzel für grammatikalische Fehler im weitesten Sinne. Mir werden sich die Tasten sträuben, wenn ich diese Fehler notiere. Sie verletzen mein Sprachgefühl besonders stark, schränken den Sprachgenuss  beim Lesen und Hören heftigst ein.  Und nun schreibe ich sie auch noch auf ...
(Die Seite ist noch "in Arbeit")

PLAPPERMÄULCHEN "Unsinn in ganzen Sätzen" soll hier zu Wort kommen: Manche Menschen plappern einfach etwas dahin, ohne es selbst zu verstehen. Die besonders schönen "Sprech-Blüten" sollen hier ihren Ehrenplatz finden.

MITGLIEDERINNEN Der Kult des Westens mit den "femininen Endungen" erwischte uns  im Osten nach der Wende wie ein kalter Regen. Hier werden Auswüchse gesammelt und sprachliche Betrachtungen zum Sinn und Unsinn desselben angestellt.
ZEITGEISTIGKEITEN Dies ist eine Sammlung von Wort-Beispielen, in denen unser Zeitgeist, der Geist unserer Zeit sich sehr schön widerspiegelt.

 

"Rechtschreib-Nörgler sind eher introvertiert"

titelte www.spektrum.de am 01.04.2016 einen Beitrag
(www.spektrum.de/news/rechtschreib-noergler-sind-eher-introvertiert/1406119 externer link)
Das Wort "introvertiert" wirkt auf den ersten Blick sachlich analytisch, hat aber trotzdem einen leichten Touch zur Diskriminierung. Vor allem entsteht dieser Eindruck, weil  es mit dem Wort "Nörgler" im Zusammenhang steht, das prinzipiell eine negative Wertung einer Person einschließt.

Ein Lars Fischer schreibt über eine "Studie an 83 Personen", die eine Arbeitsgruppe um Julie Boland von der University of Michigan erstellt hat, u. a.:

Wie sehr man sich über Schreib- und Grammatikfehler in anderer Leute Texte ärgert, hat viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun.

Das Internet ist voll mit Menschen, die sich über Schreibfehler in Texten mokieren. Das sagt genauso viel über ihre Persönlichkeit aus wie über die Qualität der Texte, wie nun eine Arbeitsgruppe um Julie Boland von der University of Michigan berichtet. Die Forscherin kommt ... zu dem Schluss, dass Persönlichkeitseigenschaften großen Einfluss darauf haben, wie Menschen auf Rechtschreib- und Grammatikfehler in Texten reagieren.
...


 
  Darin wird auch auf Grammatikfehler hingewiesen:
An letzteren stören sich vor allem Menschen, die geringere Ergebnisse bei Verträglichkeit aufweisen, also tendenziell streitlustiger und misstrauischer sind.



Nun fragt sich das Klatschweib natürlich, ob es mit seinem "Klatsch und Tratsch" über Sprachschweinereien (die ja eigentlich nicht in die Kategorie Rechtschreib- und Grammatikfehler gehören) nicht auch zu den Sprachnörglern, den introvertierten, oder den Streitlustigen und Misstrauischen gezählt werden kann.

"Was nicht ist, kann noch werden."
Vielleicht findet man eines Tages doch noch einen Grund, auch Leuten wie dem Klatschweib irgendwelche psychischen "Defizite" nachzusagen.

Kritik zu pathologisieren oder wenigstens mit scheinpsychologischen, wissenschaftlich wirkenden Argumenten zu bekämpfen, ist eine uralte Methode. Statt sich um inhaltliche Fragen der Kritik Gedanken zu machen, will man lieber den Kritiker "fertig machen", ihn mit irgendwelchen Urteilen herabwürdigen.
Natürlich wird - nachdem die einprägsame Überschrift ganze Arbeit geleistet hat - im Text darauf verwiesen: An Rechtschreibfehlern ... störten sich neben den introvertierten auch eher gewissenhafte Menschen und solche, die weniger offen für neue Erfahrungen sind – anscheinend eben auch, was unkonventionelle Schreibweisen angeht.
 
  Was soll denn das heißen - "unkonventionelle Schreibweisen"?
Ist die korrekte Rechtschreibung nur noch eine Frage des Wollens? Hat es da nicht einmal eine gigantisch "in die Hose gegangene" Rechtschreibreform gegeben? Welchen Sinn hat der Schulunterricht, wenn man nachher in völliger Beliebigkeit schreiben kann, und das dann auch noch mit dem so netten Wort "unkonventionell" honoriert wird?

Das Klatschweib konnte es sich nicht verkneifen, diese Auslassungen auf der Seite des Artikels zu kommentieren:

"...
Hier werden wieder einmal mehrere Dinge in einen Topf geworfen: gewissenhafte Menschen und "introvertierte Nörgler".
Es hat auch etwas mit Sprachliebe und Sprachgenuss zu tun, wenn man auf eine korrekte Rechtschreibung und Grammatik in den eigenen und den Texten, die mal liest, Wert legt. Wem das gleichgültig ist, der macht eher einen ungebildeten, sprachschlampigen Eindruck. Auf die Idee, dass Leute, die keinen Anstoß an Rechtschreib- und Grammatikfehlern nehmen, das womöglich gar nicht können, weil ihnen die Fehler nicht auffallen, scheint weder Frau Boland noch Herr Fischer gekommen zu sein."


Dieser Spektrum-Beitrag hat mich angeregt, eine weitere Thematik in meine Wortsammlung aufzunehmen: Zuerst nannte ich den "Schubkasten" (die Rubrik) noch "Rechtschreibnörgelei". Inzwischen habe ich ihn erweitert auf "sprachnörglerisch". Ich denke, das ist selbsterklärend.


 
 

Ist falsch zitiert schon gelogen oder bloß doof? Beispiel Max-Planck-Zitat


So steht das Zitat in voller Länge in der "Wissenschaftlichen Selbstbiographie" von Max Planck:
Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß die Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.





Natürlich ist das viel zu lang, um schnell mal so nebenbei wörtlich zitiert zu werden.
Eine oft verwendete Verkürzung ist:

Eine wissenschaftliche Wahrheit setzt sich nicht durch, indem ihre Gegner überzeugt werden, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben."



Deshalb mögen Verkürzungen dort erlaubt sein, wo sie nicht sinnentstellend wirken.
Doch bei der folgenden Version (gefunden in der MZ  vom 15.04.2016 auf S. 1 - und gleich noch einmal in der MZ vom 11.04.2017, S. 1) möchte das Klatschweib schon fragen, ob diese die Gedanken von Max Planck nicht sogar wesentlich verfälscht:
                                                     
Max-Planck-Zitat, leicht entstellt

(Da das nur eine Bilddatei ist mit dem Text vom 15.04.2016 - der vom 11.04.2017 sieht ganz genau so aus - , gibt es hier der Text noch einmal wörtlich abgeschrieben - obwohl sich dem Klatschweib die Finger und die Tasten sträuben:)

                          "Die Wahrheit triumphiert nie, ihre Gegner sterben nur aus."

Würde sich Max Planck angesichts dieser Vulgarisierung und Entstellung seines Gedankens mit einer Beleidigungsklage rächen? Die Wahrheit kann in diesem Fall nicht triumphieren, die MZ wird sich nicht korrigieren, sich nicht entschuldigen und das ganze Zitat noch einmal wörtlich bringen. Eine solche Reaktion der MZ entspräche absolut nicht den Erfahrungen des Klatschweibes mit der MZ.

Vielleicht genügt es schon zu wissen, dass alle, die das Zitat im Original kennen, sich (hoffentlich) über diese dumme Widergabe des Planckschen Zitats in der "Mitteldeutschen Zeitung" (MZ) amüsieren und die Zeitungsleute für ein bisschen doof halten.
Einen Leserbrief zu schreiben, wird  Verschwendung von Zeit und Gedankenkraft sein - angesichts dieser wirklich ganz ganz dummen Veränderung seines Zitats. Die berufen sich dann auf die journalistische Freiheit, die Freiheit der sinnentstellenden Verkürzung von Aussagen inklusive. Und sie spiegeln damit genau die Erkenntnisresistenz wider, die Max Planck gemeint hat.
Wie sagt der Volksmund? - Und das Klatschweib schließt sich ihm lachend an:
                                       "Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen."
Über eine solche Verkürzung seines Zitats würde sicher auch Max Planck lachen können.
(PS: Beim Googeln am 15.04.2016 nach "Max Planck" und "Die Wahrheit triumphiert nie" gab es 1.340 Fundstellen, allen voran www.zitate-online.de. Ja, so ist das mit den Sekundärquellen, auf die ist halt kein Verlass.)

 
 
Seitenversion: erg. 01.03.2017
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr2-klatschweib/spr20_klatschweib.html

 
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Bearbeitungsnotizen:
Eine Rubrik "höherer Blödsinn" anlegen, mit z. B. diesem:
"Die Männer, die vorm Schokoladenladen Laden laden, laden Ladenmädchen zum Tanz ein." 6 x "laden"
"Ist das Kunst oder kann das weg?"