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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

DAS KLATSCHWEIB - MITGLIEDERINNEN

Oh Gott, wie standen mir die Haare zu Berge, als ich dieses Wort zum ersten Mal hörte: "Mitgliederinnen"! Es war vor mehr als 20 Jahren, der westdeutsche feministische Endungskult schwappte gerade in Riesenwellen über uns arme Ossifrauen. Einige übernahmen ihn begeistert, ohne nachzudenken, darunter auch meine damalige Chefin und die damalige Gleichstellungsbeauftragte von Wittenberg. Letztere hatte ein Tagung mit diesen Worten eröffnet:
"Liebe Mitglieder und liebe Mitgliederinnen"

Nun kann man gegebenenfalls von maskulinen Substantiven (Dingwörtern mit "der" davor) ein Femininum bilden, z. B. durch Anhängen der Endung "-in":
Der Mann - die Männin, der Herr - die Herrin, der Hund - die Hündin.

"Die Salzsträuerin" in einem Witz (Eine Feministin sagt zur anderen am Frühstückstisch: "Reich mir doch bitte mal die Salzstreuerin rüber.")  spottete über diesen Endungszirkus.
Feministinnen haben gar nicht mitbekommen, dass dort, wo dieser praktiziert wird, unsere Sprache so sehr verhunzt wird, dass bei den meisten Menschen (Männlein wie Weiblein) inzwischen ein regelrechter Widerwillen herrscht, diesen anzuwenden. In der abkürzenden Schriftsprache sind noch eigenartigere Produkte entstanden, z. B. mit Schrägstrich oder Sternchen. So kann man in Stellenangeboten z. B. lesen: "Suche LKW-Fahrer /-in".

Zurück zur "Mitgliederin":
Bei "Mitglied" handelt es sich um ein Neutrum (Dingwort mit "das" davor). Diese kann man prinzipiell nicht "feminisieren": das Pferd - die Pferdin, das Kind - die Kindin ist sprachlich sinnlos.

Es kommt sogar vor, dass Feminina (Dingwörter mit "die" davor) noch einmal feminisiert
werden:
"die Katze - die Kätzin"
Letzteres ist in der Fachsprache üblich, um den Gattungsbegriff  "die Katze" von den weiblichen Tieren dieser Gattung zu unterscheiden, in diesem Sinne kann ich die "Kätzin"  - wenn auch schweren Herzens - sogar akzeptieren.

Es gibt Fälle, bei denen vom weiblichen Wort ausgehend ein zugehöriges männliches gebildet wird:
die Braut - der Bräutigam (und nicht andersherum vom Bräutigam aus "die Bräutigamin"),
die Witwe - der Witwer (und nicht "die Witwerin").

Eine früher weit verbreitete "vermännlichende" Endung war der "-rich":
die Ente - der Enterich.

Diese wird auf Personenbezeichnungen im allgemeinen nicht angewandt.
Der "Krankenschwester" ist kein "Krankenschwesterich" oder "Krankenbruder" gegenüber gestellt worden, sondern ein "Krankenpfleger".

Extrem-Feminstinnen haben es geschafft, dass  es nun auch das Wort "Krankenpflegerin" gibt! Das ist zumindest konsequent, besteht doch deren einzige Forderung bezüglich der Endungen, dass der männlichen Bezeichnung (meist mit einem "-er" am Ende) ein "-in" angehängt wird. Dabei ignorieren sie die Vielfalt der Möglichkeiten, durch Endungen das weibliche Geschlecht einer Person  bzw. die weibliche Form eines Wortes, das es in männlicher und weiblicher Form gibt, sichtbar zu machen. 

In diese sprachliche Vielfalt sind viele Formen aus andere Sprachen eingeflossen. Eine solche Vielfakt macht Sprache jedoch lebendig, spielerisch, genussvoller.
Ich nenne einige Beispiele:
-elle, -ella, -la, -le, -a, -ia: Michael und Michaela, Paul und Paula, Franziskus und Franziska, Eugen und Eugenia
-ilie: Otto und Ottilie
-ika, -ike, -ine: Erich und Erika, Friedrich und Friederike, Cousin und Cousine, Ern(e)st und Ernestine
-ese, -se: Friseur (Friseu-(e)r) und Friseuse (Friseu-se)
(siehe dazu unten einen ausführlicheren Text: Friseurin, ... )
-e steht oft als Endung allgemein für "weibliche" Substantive: z. B. Margarine, Terrine,  Birne, Klinke, Socke.

 

"Frau Krüger, Sie sind kein Physiker, Sie sind eine Physikerin."

Mit diesem Satz meiner damaligen Chefin begann meine Ablehnung, meine Auflehnung gegen diesen feministischen Endungskult.
Dieses "kein Physiker" war zu viel.
Natürlich ist eine Physikerin auch ein Physiker.
Auf meinem Diplom steht "Diplom-Physiker" und nicht "Diplom-Physikerin".
Physiker ist die Bezeichnung für alle - männlichen und weiblichen - Menschen mit diesem Beruf.  Aus dem Wort "Physiker" lässt sich nicht ableiten, dass damit nur die Männer  gemeint sind, denn es ist die allgemeine Berufsbezeichnung. In ihm wird sogar der männliche Teil dieser Gruppe unsichtbar, denn es gibt für ihn keinen speziellen Begriff: will man die Männer unter den Physikern sichtbar machen, muss man von den "männlichen Physikern" reden, während man die Frauen unter den Physikern einfacher sichtbar machen kann. Wer unter "Physiker" nur Männer verstehen will, kommt mehr als 100 Jahre zu spät.
 
 

Die Forderungen der Sprach-Feministinnen

Ja, es sind Frauen, und ich vermute ausschließlich Frauen, die dieses Endungsunwesen, diesen Endungszirkus in die Welt gesetzt haben. In guter, in bester Absicht, Frauen in der Gesellschaft sichtbar zu machen, haben sie so sehr übertrieben, dass es eher zu einer Verhunzung der deutschen Sprache gekommen ist, als dass ihr Ziel damit wirklich erreicht wurde.
Wären sie konsequent gewesen, hätten sie auch das Wort "Frau" durch "Männin" ersetzen müssen.
 
 

Die Diskriminierung des Weiblichen in der deutschen Sprache als "Männersprache"

Am einfachsten und anschaulichsten kann man diese Diskriminierung mit einer kleinen Gegenüberstellung veranschaulichen:
"ein dämlicher Mann - eine herrliche Frau".
Das Wort "herrlich" stammt sichtlich von "Herr". In seiner positiv besetzten Bedeutung hat man diese Herkunft oft aus den Augen verloren:
"So ein herrliches Wetter!"
Interessant ist demgegenüber die andere Ableitung von Herr: "herrisch". Luthers Frau Katharina von Bora, gern "die Lutherin" genannt, galt als "herrisch". Das Wort wird vorwiegend für das Verhalten von Frauen verwendet, die sich herausnehmen, sich wie Männer zu verhalten.
Dem Deutschen als "Männersprache" sind viele Bücher (von Frauen) gewidmet worden. Diese wurden dafür oft ignoriert, kritisiert, angefeindet.
Doch Mario Barth, der "Männer-Frauen-Beziehungs-Komiker" hat mit seinem Buch "Langenscheidt Deutsch - Frau / Frau -  Deutsch: Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann" auf ganz einfacher Ebene genau das sagte, was man den Sprachwissenschaftlerinnen übel genommen hatte: Deutsche Sprache ist Männersprache. Eigentlich sollten wir Frauen ihm dankbar sein, hat er uns doch mitunter ganz schön den Spiegel vorgehalten.
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Die Bibel in "gendergerechter Sprache"?

Hier haben sie eindeutig übers Ziel hinausgeschossen.
Diese Bibel ist durch und durch patriarchalisch, männerzentriert. Da kann man nichts mehr im Sinne der Gleichberechtigung retten, wenn man aus "Gott" eine "Göttin" macht. Das fälscht die Bedeutung des Wortes  - denn dieser biblische Gott ist ein "männlicher Gott" durch und durch.
Sie ist ein historisches Dokument, dessen Inhalt man nicht "modernisieren" kann, ohne ihn zu fälschen.

Wenn man die Männerzentriertheit der christlichen Religion überwinden will, geht das offenbar nicht innerhalb des klassischen Christentums mit seinem Vater-Gottbild. Man müsste eine völlig neue Religion schaffen, die sich von den Auffassungen der traditionellen christlichen Kirchen und ihren Lehrmeinungen trennt und eine wesentlich auf Jesus zurückgehende  neue Religion schafft. Rein theoretisch wäre da auf der Basis eines neuen, dualen Gottbildes, in dem die weibliche Komponente einer Gottheit ebenfalls sichtbar gemacht wird, durchaus denkbar.
Denn selten hat ein Religionsgründer so sehr die Einheit von weiblichen und männlichen Aspekten in allem Seienden betont wie Jesus:
"Wenn Ihr die zwei zu eins macht ... und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu  einem Einzigen macht ..."
Das vollständige Zitat (Vers 22 aus dem Thomas-Evangelium) gebe ich auf der Seite JESUS (in DIE BESTEN GEDANKEN » PHILOSOPHIE + ETHIK) wieder.
 
 

Mögliche feminine Endungen in Fremdsprachen

Wie halten es eigentlich andere Länder mit den Bezeichnungen bzw. Kennzeichnungen männlicher und weiblicher Begriffe?

Im Lateinischen gibt es z. B.
-or  für die Bezeichnung einer männlichen Person,
-ix oder -rix  entsprechend für männliche Personen:
spectator - spectatrix  (der Zuschauer, die Zuschauerin).
Es scheint dort nicht üblich zu sein, an die männliche Endung noch eine weibliche zu hängen - dann müsste es "spectatorix" heißen.

In vielen slawischen Sprachen wird bei Namen für Frauen ein "-a" an den Namen des Vaters oder Ehemanns angehängt, z. B. Herr Michailow und Frau Michailowa.
Meine Nachbarin, eine seit sehr langer Zeit  hier lebende Russin, wurde vor kurzem  deutsche Staatsbürgerin. Dabei wurde in ihrem Familiennamen das "-a" gelöscht. Ich nenne nicht ihren wirklichen Namen - logisch. Ich nehme obiges Beispiel gleich zur Veranschaulichung: aus "Michailowa"  wurde "Michailow". 
Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken, ob eine solche Namensänderung nötig oder sinnvoll ist. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen.
Die Nachbarin jedenfalls freute sich über diese Änderung. Und das ist letztlich das, was zählt: ob jemand selbst mit seinem (ihrem) Namen oder  einer Berufsbezeichnung  usw. einverstanden ist oder nicht.
 
 

Der Deutsche - die Deutsche - die Deutschen

Auffällig ist, dass es zwar in der deutschen Sprache für Frauen anderer Nationalität besondere  Wörter gibt:
der Franzose / die Franzosen - die Französin / die Französinnen
der Spanier - die Spanierin, der Italiener - die Italienerin usw.

Nur für uns deutsche Frauen gibt es kein Wort, das uns sichtbar macht:
der Deutsche / ein Deutscher - die Deutsche / eine Deutsche. Eine "Deutschin" gibt es nicht. Aber vielleicht wird es nicht mehr lange dauern, bis das Wort Gewohnheitsrecht bekommt und schließlich akzeptiert wird.   Bis dahin kann man sich behelfen mit
ein deutscher Mann / der deutsche Mann - eine deutsche Frau / die deutsche Frauen.
deutsche Männer                                      - deutsche Frauen.

Bei  "die Deutschen" im Plural setzt man stillschweigend voraus, dass beide Geschlechter gemeint sind. Oder nicht?
Passend zu diesen Gedanken finde ich in der MZ vom 12.11.2016 auf S. 18 in einem Artikel über Teebauern in Deutschland diesen Satz, der eine wörtliche Rede eines Teebauern in indirekter Rede fortsetzt:
"Tee werde in Deutschland zunehmend nachgefragt, der Deutsche trinke immer mehr Tee."
Hierbei handelt es sich eindeutig um "den Deutschen", das ist eindeutig ein Mann. In der hier verwendeten Form steht "der Deutsche" für die Gruppe deutscher Männer.
Das ist so ähnlich wie  in  "Die Frau von heute wäscht mit ....", auch dabei steht "die Frau von heute" für eine bestimmte Gruppe von Frauen.
Wie sich diese Verwendung des Singulars für Gruppenbezeichnungen sprachwissenschaftlich nennt, weiß ich nicht. Kann mir jemand helfen und es mir verraten?
Da vermutlich auch deutsche Frauen mehr Tee trinken als früher, wäre diese Formulierung wünschenswert und zutreffender gewesen: "Die Deutschen trinken immer mehr Tee." Vielleicht hat es der Teebauer auch so gesagt, aber bei der Umwandlung in indirekte Rede musste die Möglichkeitsform des Verbs erscheinen, die sich im Plural nicht als solche zu erkennen gibt. Wer sagt schon in indirekter Rede, "die Deutschen tränken immer mehr Tee." Selbst  die Formulierung "in Deutschland wird immer mehr Tee getrunken" wäre gefälliger gewesen.
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Friseurin, Friseuse, Frisörin oder Frisöse?

Bei der auch im Wort "Friseuse" zu findenden Endung "-euse" handelt es sich um eine inzwischen von Feministen mit heftigsten Kämpfen aus dem  deutschen Sprachgebrauch gestrichene Möglichkeit einer weiblichen Endung.
Was alles passiert, wenn jemand doch noch "Friseuse" statt "Friseurin" sagt, konnte man bei dem Film "Die Friseuse" (2010, Regisseurin - und nicht etwa die "Regisseuse" - war Doris Dörrie) erleben.
Andreas Montag spottete in der MZ vom 11.02.2010 auf S. 22 unter der Überschrift:
"Fiseuse heißt jetzt Frisörin" über  Frau Dörrie, den Film und seinen Titel. Am Ende schrieb er dann: "Friseuse ist pfui, Frau Dörrie! Frisörin heißt das.“
Sicherlich zielte er dabei ebenfalls auf den Endungszirkus ab. Dabei übersah er allerdings, dass Frau Dörrie mit der bewussten Wahl dieses Filmtitels "Die Friseuse" ja selbst schon gegen den  Endungskult rebellierte. Was Herr Montag da gemacht hat, hat in meinen Augen keinen weiteren Sinn als zweifach Häme gegen Frauen auszugießen.[A1]

Weitaus interessanter wurde es, als ich meine Notizen zu diesem Artikel (übrigens unter der Überschrift "Wie Männer Frauen belehren") in den Computer tippte, zeigte mir das Rechtschreibprogramm seltsame Dinge an:
Es kennt zwar "Friseuse", "Frisöse" und "Friseurin", aber aus der „Frisörin“ will es unbedingt „Frisören“ machen. Meiner "Friseuse" bzw. "Frisörin", die ich damals fragte, wie sie das sieht, ist es egal, wie sie bezeichnet wird.  Sie meinte, es wären beide Bezeichnungen  gleichermaßen in der Branche üblich, keine der beiden hätte eine bevorzugte Stellung.

Ich empfinde die Endung "-euse" als angenehmer vom Klang her gegenüber dem harten "-in". Das ist Geschmackssache und leider vor allem auch eine Sache der Gewohnheit.

Allerdings haben die beiden formal (auch laut Duden sind beide  gleich gültig, sind beide "erlaubt"!!) gleichwertigen Wörter bzw.  diese zwei verschiedenen Endungen in den mir bekannten  Fällen (siehe unten "Tippse" und "Masseuse")   einen aus der Geschichte der Beziehungen zwischen Männern und Frauen überkommenen Bedeutungsunterschied.
An zwei weiteren Berufsbezeichnungen für Frauen will ich das anschaulich machen:
In den Anfängen der Berufstätigkeit der Frauen gab es  Frauen, die an der Schreibmaschine "saßen" (also arbeiteten, schrieben) und den männlichen Chefs dienten und "Tippse" genannt wurden. In diesem Wort schwang immer eine Abwertung der jeweiligen Frau und ihrer Arbeit mit.

Noch trauriger erging es dem Wort "Masseuse" , denn es wurde oft mit einem  noch wesentlich abwertenderen,  mit einem geradezu verächtlich machenden Unterton verwendet und galt  wohl als Umschreibung für eine Prostituierte.
 
 

Brüderlein und Schwesterlein, Brüderlichkeit und Versöhnung

Bei den "Geschwistern" denkt  man gar nicht darüber nach, dass das Wort von "Schwester(n)" abgeleitet ist: man weiß ganz sicher, dass auch zwei Jungen oder ein Junge und ein Mädchen "Geschwister" sind. Bei den "Brüdern" und bei den "Schwestern" ist es ebenso klar, dass  bei den "Brüdern" die Söhne der Familie, bei den "Schwestern" die Töchter der Familie gemeint sind.
Ein inzwischen nur noch selten im Alltagsdeutsch zu hörendes Wort ist "Gebrüder". Ich erinnere mich an seine Verwendung fast nur aus den Märchen selbst, bei den "Gebrüdern Grimm" und bei einigen anderen Bruderpaaren aus der Geschichte. Einge Firmen tragen noch "Gebr. XYZ" in ihrem Namen.
Wie die Wikipedia schreibt, ist "Gebrüder" ein altes Pluralwort zu "Bruder" das inzwischen überwiegend von "Brüder" abgelöst wurde.
Aufmerksam wurde ich auf diesen Unterschied in der Bedeutungsebene zwischen "Geschwister" und "Gebrüder", als ich am 04.11.2016 hier in Wittenberg Aushänge von einer Gruppe "Gebrüder Scholl" las. Sie werden auch "Scholl-Brüder" genannt, nennen sich selbst aber "Gebrüder Scholl". Sofort musste ich an die "Geschwister Scholl" denken, Bruder und Schwester, zwei noch sehr junge Menschen, die von den Nazis für ihre Widerstandsaktionen im Rahmen der "Weißen Rose" hingerichtet wurden.
Die "Gebrüder Scholl" sind eine Artistikgruppe, die RTL-"Supertalent 2016" wurden. Natürlich ist es gerechtfertigt, wenn sich zwei Brüder als Künstlergruppe so nennen.
Es ist schon oft auf die einseitig-männliche Ausrichtung der Losung der Französischen Revolution von 1789 verwiesen worden:
           "Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit"
es gab auch Versuche, eine "Geschwisterlichkeit" an die Stelle der "Brüderlichkeit" zu setzen.
"Alle Menschen werden Brüder" unseres großen Klassikers Friedrich Schiller ist aus heutiger Sicht auch etwas einseitig-männlich geraten.
Doch man soll die Kirche im Dorf lassen - vieles sprachlich-historisch-einseitig-männlich Gewachsenes kann man ja heute durchaus "geschlechterübergreifend" verstehen, sicher werden mir auch die meisten Männer hierbei zustimmen können.
Dem alten, biblisch begründbaren, nach wie vor tobenden furchtbaren "Geschlechterkrieg" werde auch ich die Forderung nach einer "Versöhnung der Geschlechter" entgegenstellen und dafür kein gender-gerechtes Neuwort erfinden.
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weitere Beispiele

Papst und Päpstin
ist zwar grammatikalisch richtig, aber praktisch eher seltsam. Zumindest behauptet die katholische Kirche, es habe nie eine "Päpstin" gegeben. Selbst im Märchen vom "Fischer un sine Fru" will die Frau nicht "Päpstin", sondern "Papst" werden. Manchmal vermute ich allerdings, dass dieses Märchen vor allem die Erinnerung an eine Päpstin wach halten soll. Aber das ist reine Spekulation.
 
 

Wofür es keine weiblichen Endungen gibt

Bis vor kurzem war das Wort "die Gästin" nicht denkbar, heute ist es in der Tourismusbranche durchaus üblich, den weiblichen Gast  - sprachlich völlig korrekt - so zu nennen.

Der Filmstar kann männlichen und weiblichen Geschlechts sein, eine "Filmstarin" ist nicht üblich, obwohl es im Tierreich "Star und Starin" gibt. (Ja, ich weiß, dass der "Star" Stern bedeutet und nichts mit dem Namen des Vogels zu tun hat.)

Der Häftling ist überwiegend männlich in  Deutschland, ansonsten spricht man von "weiblichen Häftlingen", aber nicht von der "Häftlingin".

Ebenso hat "der Lehrling" kein Gegenstück in einer "Lehrlingin",
der "Azubi" lässt nicht erkennen, ob es Junge oder Mädchen ist. Wie müsste eine weibliche Endung aussehen: die Azubiin, die Azubine?
Früher gab es im deutschsprachigen Raum (auch Schweiz und Österreich) noch die hübschen Wörter "Lehrbub" und "Lehrmädchen", die wohl auch zu den aussterbenden Wörtern gehören.

PS: Herrlich -  soeben (06.12.2016, unmittelbar vor der heutigen Aktualisierung) habe ich vorsichtshalber noch einmal gegoogelt: Das Wort "Azubine" gibt es wirklich! Das ich das noch erleben durfte! Die Endung "-ne" für die weibliche Bezeichnung  darf verwendet werden. Offenbar  wird das Wort jedoch nicht offiziell, sondern nur scherzhaft verwendet. Manche meinen sogar, es wäre beleidigend, andere halten es für einen Kosenamen ("Kosenamen" ist übrigens für mich ein zauberhaftes Wort).  

GuteFrage.net bietet mehrere Meinungen, lesen Sie bitte selbst:
www.gutefrage.net/frage/weiblicher-azubi-azubine externer link.
 

Anmerkung A1

Was ich damit sagen will: Indem er sich scheinbar auf die Position von Feministinnen begibt, lästert er gegen Frau Dörrie UND gegen die Feministinnen. Damit bringt er zum Ausdruck, dass er das Anliegen der Feministinnen nämlich Frauen "sichtbar zu machen", weil sie in der männlich dominierten Sprache verschwinden, nicht verstanden hat bzw. es ablehnt.
Er versteht also das Kunststück,  in einem Satz sowohl die Feministinnen als auch  Frauen, die gegen deren Übertreibungen vorgehen, herabzusetzen.
Mir kam dieser raffinierte Trick, diese Taktik des Herrn Montag sehr bekannt vor. So etwas ähnliches hatte ich einmal in einem privaten Gespräch mit einem eigentlich recht intelligenten Mann erlebt. Er äußerte sich anerkennend über unser Gespräch dahingehend, dass er sich überrascht zeigte, einmal mit einer intelligenten Frau sprechen zu können,  so etwas würde er sonst kaum erleben. Das war eindeutig das Prinzip des "vergifteten Lobes". Ich dachte nur: Wieso kann er eine Frau nur loben, indem er sie als eine Ausnahme unter den Frauen  bezeichnet? In seiner Aussage schwang die Herabsetzung der Frauen als überwiegend ein bisschen doof mit. Ich fand seine Bemerkung hochgradig unverschämt, schwieg aber aus Höflichkeit (!). Hätte ich ihm entgegnen sollen, dass ich ihn da verstehe, schließlich geht es mir andersherum ja genauso?

 
Seitenversion: erg. 07.04.2017
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr2-klatschweib/spr2_mitgliederinnen.html

 
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