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FRAUEN IN WITTENBERG

KATHARINA VON BORA, die "Lutherin"


Es war Anfang der 60er Jahre, als ich das erste Mal ihren Namen hörte. Ein Buch lag im Wohnzimmer, das "von der Frau von Luther" handelte. Es muss ein historischer Roman gewesen sein, keine Ahnung welcher. Recherchen führten ins Leere.
Mein Vater erzählte geradezu schwärmerisch von ihr, ebenso meine Großmutter.

Später wurde in meinem Wissen um sie ihr Leben völlig von dem des Martin Luther überlagert. Sie war die "Frau an seiner Seite". Dass sie eine Nonne gewesen war, die mit anderen geflohen war nach Wittenberg, hin zu diesem Luther, dessen Schriften sie so begeistert hatten, dass sie - seltenes Privileg in jener Zeit - als Frau nicht nur lesen und schreiben konnte, sondern sogar hochgebildet, sehr klug und tatkräftig war, das hatte man auch irgendwie gehört. Dass sie nur den Luther heiraten wollte, wurde erzählt. Und der hat sie dann auch
geheiratet.

Aber dass ohne diese Frau es auch keinen Martin Luther in unserer heutigen Erinnerung gegeben hätte, wird inzwischen kaum noch jemand bestreiten, der von dieser Beziehung weiß. Es war echtes "Teamwork zwischen Mann und Frau", was  die beiden verband.

Die Informationsmöglichkeiten über sie im Internet sind zahlreich. Sowohl die Wikipedia als auch andere Websites bieten genügend Material. Ich habe nicht die Absicht, hier diese Quellen zu zitieren.

Ich gehe lieber auf Spurensuche nach Katharina von Bora in meiner Stadt und anderswo:

- Eine Sonntagsvorlesung gibt einen interessanten Anstoß
- Spurensuche in der Stadt
- Torgau, die "Katharina-von-Bora-Stadt"
- Spuren andernorts
- PS: Benötigt die heutige Zeit eine "Lutherine"?


 

Eine Sonntagsvorlesung gibt einen interessanten Anstoß


Am 19. Februar 1995 fand im Wittenberger Predigerseminar eine Sonntagsvorlesung statt, im Rahmen einer Reihe "Frauen mischen sich ein", die Frauen aus der Reformationszeit vorgestellte.
(Die Broschüre zu dieser Reihe stelle ich vor im LESESTOFF » SONNTAGSVORLESUNG 1995)
Sieth Delhaas aus den Niederlanden hatte ein Biographie über die Frau Martin Luthers, Katharina von Bora, geschrieben und sprach zum Thema "Katharina Luther - Wege und Entscheidungen im Zeitalter der Hexenjagd"
Die letzten Sätze ihres Vortrags machten mir regelrecht Angst, sie waren auf die Gegenwart bezogen, auf  den freien Markt und die modernen Technologien, die vielleicht "Auslöser werden für einen neuen Hexenwahn mit modernen Opfern. Oder hat er vielleicht schon angefangen?"
 
  In diesem Augenblick begriff ich, dass wir geistig noch gar nicht so weit vom Mittelalter entfernt sind, weil die Dummheit der Menschen auch heute noch in der Lage ist, im Namen irgendeines Dogmas Menschen zu vernichten.



Spurensuche in der Stadt

Die "Lutherin"
Googelt man nach "Katharina von Bora", finden sich (Stand Ende des Jahres 2013) rund 260.000 Fundstellen, sucht man die "Lutherin", wird man mit mehr als 860.000 Fundstellen belohnt.
Feministinnen mit dem Endungsfimmel "-in" hätten ob dieser Formulierung wohl ihre helle Freude. Dass hier nur die Ehefrau des Herrn Luther bezeichnet wird, so wie früher die "Bäckerin" auch nur die Ehefrau des Bäckers meinte und nicht etwa eine Frau, die den Beruf ausübte, dass diese Endung damals nur den totalen Bezug der Frau zu ihrem Herrn und Gebieter kennzeichnete, sollte jedoch nicht vergessen werden.

Das Denkmal
Seit längerem (seit 1999) gibt es das Denkmal im Hof des Lutherhauses.
Es gefällt mir außerordentlich gut, es es spiegelt das, was man über die "Lutherin" weiß, meiner Meinung nach hervorragend wider: tatkräftig, energisch, resolut, mit forschem Schritt - und vor allen Dingen ebenerdig, nicht auf einem Sockel stehend wie ihr Herr Gemahl auf dem Marktplatz der Stadt. Es ist nicht mehr Mode, Menschen (Männer) auf einen Sockel zu stellen. (Wann bekam eigentlich zum ersten Mal eine Frau ein Denkmal - und wer war sie?)

                    Denkmal von K.v.B.
         (Foto privat B. Krüger, September 2011)

Im Jahr 2009 gabe es hier  in Wittenberg das "Katharina-von-Bora-Jahr".
Dann hört es auch schon fast auf mit den Spuren der Lutherin ...

Straßennamen
... - halt, eine Straße ist nach ihr benannt.
Eigentlich war es das kleine Dörfchen Pratau, das an Katharina durch diesen Straßennamen erinnerte. Doch Wittenberg, bis zu diesem Zeitpunkt ohne eine Straße mit ihrem Namen, hatte Glück: Pratau wurde eingemeindet, mitsamt der "Katharina-von-Bora-Straße".
(siehe auch die Seite STRASSENNAMEN)

Der "Katharina-von-Bora-Baum", die Elsbeere
Die Elsbeere (Sorbus torminalis) - Baum des Jahres 2011 - gilt als Baum der Katharina von Bora. Sie soll Elsbeeren besonders gern gegessen haben.  Im Garten des ehemaligen Kirchlichen Forschungsheimes in Wittenberg (Wilhelm-Weber-Straße 1, zwischen Hauptpost und Lutherhaus) wurde vor Jahren in Erinnerung an sie eine Elsbeere gepflanzt.

Auch in anderen Orten wird durch Pflanzen einer Elsbeere an Katharina von Bora erinnert, so z. B. in Brehna.
Der Baum ist selten - offenbar findet hier ein Wechselspiel gegenseitigen Aufmerksam-Machens statt: durch die Elsbeere wird an Katharina erinnert, durch Katharina erinnert man sich der Elsbeere.



Torgau, die "Katharina-von-Bora-Stadt"


Die Stadt Torgau, flussaufwärts an der Elbe gelegen, ist der Ort, an dem Katharina von Bora drei Wochen nach einem schweren Unfall auf der Flucht vor der Pest am 20. Dezember 1552 starb.

Torgau nennt sich nicht  "Katharina-von-Bora-Stadt", wie ich in der Überschrift schreibe, das habe ich nur als Bild gewählt, als Analogie zur "Lutherstadt".
Doch verehrt die Stadt ihre berühmteste, wenn auch kurzzeitige Bewohnerin noch heute geradezu schwärmerisch.

Es war eine eigenartige Fügung, dass nach der Wende ihr Sterbehaus  (heute Katharinenstraße 11) erworben werden konnte und sich so die Möglichkeit ergab, darin die "Katharina-Stube" (auch "Katharina-Luther-Stube") zu ihrem Gedenken zu gestalten.
Die Seite des "Torgau-Informations-Center" informiert im Detail:
www.tic-torgau.de/content/katharina-luther-stube.html externer link

Torgau führt jährlich einen "Katharinatag" durch, der nächste, der siebente, findet vom 25. - 26. Juni 2016 statt.  Für den jeweils an diesem Tag verliehenen Katharina-von-Bora-Preis  können  i. a: bis zum Februar d. J. Vorschläge eingereicht werden.
Die Gewinnerin des Preises darf sich dann "Katharina-Botschafterin" nennen.

Auf der Website www.katharinatag.de externer link erfährt man darüber (Stand Februar 2016): Mit dem Katharina-von-Bora-Preis prämiert die Stadt Torgau herausragendes weibliches Engagement in Erinnerung an Katharina von Bora. Der Hauptpreis ist dotiert mit 3.000 Euro als Förderung für ein gemeinnütziges Projekt. Hinzu kommen weitere Anerkennungspreise. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Manuela Schwesig.
 
 


Spuren andernorts


Der Luther-Brunnen  in  Ludwigshafen  am Rhein
In Ludwigshafen am Rhein gibt es einen "Lutherbrunnen", 1992 von Barbara und Gernot Rumpf gestaltet, direkt vor der Lutherkirche.
Ein Element des Brunnens ist eine Plastik von Katharina von Bora[Q1]:
                    Katharina-von-Bora-Plastik


Straßen, Schulen, Häuser, Schiffe, Stiftung, Biographien, ...
Im Jahr 2010 wurde eine Straße in München (!) nach Katharina von Bora benannt.
Auch in Grimma und Chemnitz und offenbar zahlreichen weiteren Orten gibt es die Katharina-von-Bora-Straße.
Neben Straßen und Schulen, die ihren Namen tragen, gibt es auch Häuser, vorwiegend im sozialen Bereich, die nach ihr benannt sind: Seniorenzentren z. B. oder ein Kinderhaus.
Sogar ein Flussschiff (Flusskreuzfahrtschiff), 2002 in Dienst genommen, schmückt sich mit ihrem Namen.
Es gibt eine "Katharina-von-Bora-Stiftung" in Dudendorf (Rodgau) in Hessen:
www.evkirche-dudenhofen.de/katharina-von-bora-stiftung.html externer link
 
Die inzwischen erschienen Biographien und biographische Romane zeigen: Katharinas Bedeutung für Luther und damit für die Reformation wird anerkannt. Dabei sei nicht verhehlt, dass sie natürlich auch als Vorbild für kleine Schulmädchen herhalten muss: treusorgendes Weib und liebevolle Mutter, das Urbild der evangelischen Pfarrersfrau.


PS: Benötigt die heutige Zeit eine "Lutherine"?

Googelt man nach "Lutherine" (deutsche Seiten), finden sich mehrere Fundstellen,
in denen auf eine "Lutherine" angespielt wird - mit einem sehr, sehr hübschen Vergleich [Q2]:

"...Unsere Gesellschaft braucht keine 95 brandneuen Thesen, die eine Lutherine mit wuchtigem Hammer ans Kirchenportal zu schlagen hätte. Es genügt, wenn sie ihren Hammer dazu benutzt, die kleinen und manchmal auch etwas größeren Hebel in den Köpfen der Männer und Frauen zu lösen, die dafür sorgen, dass die Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft eher eine abstrakt formale denn eine alltäglich gelebte ist“.
 
 
 Quellenvermerk Q1
Plastik der Katharina von Bora als Detail des Lutherbrunnens in Ludwigshafen am Rhein: Foto entnommen aus  http://de.wikipedia.org/wiki/Lutherkirche_(Ludwigshafen_am_Rhein)
(Stand 14.11.2014)
Den Hinweis auf diesen Brunnen und die Plastik der Katharina von Bora  habe ich im Oktober 2014 von Frau Ursula Kuntz erhalten. Herzlichen Dank.

 
 Quellenvermerk Q2
Dieses Zitat von Thea Dorn, welches wohl ihrem Buch "Die neue F-Klasse" entnommen ist, in dem es um einen notwendigen neuen Schwung in Sachen Feminismus geht, habe ich gefunden auf www.murrhardter-zeitung.de/node/40245 externer link (Stand 13.03.2016)

 
Seitenversion:  akt 13.03.2016 
URL: www.brunhild-krueger.de/luwi/luwi5-frauen/luwi5_katharinavonbora.html

 
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