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ZWANZIGSIEBZEHN - DER 500. JAHRESTAG DES BEGINNS DER REFORMATION

AUSSTELLUNGEN NOCH UND NÖCHER

DAS ASISI-PANORAMA "LUTHER 1517"

Im ersten Teil schreibe ich über dieses Panoramabild "Luther 1517" hier in Wittenberg,
im zweiten Teil über das Panoramabild des Künstlers Werner Tübke in Bad Frankenhausen,
im dritten Teil über ein Ausstellung hier in Wittenberg zu Thomas Müntzer: "So ich das sage, muss ich aufrührerisch sein".


ERSTER TEIL

Es ist das gigantischste Bild, das je über Luther und den Beginn der Reformation angefertigt wurde: das 360-Grad-Panoramabild hat die Abmessungen 15m x 75m und wird in einem Rundbau präsentiert, der extra an der Stelle des abgerissenen Kulturhauses "KTC" (früher "Kulturhaus Maxim Gorki", noch früher "Haus der Schaffenden", ganz früher "Zur Reichspost" /"Muths Festsäle", zeitweilig stand das Gebäude unter Denkmalschutz) errichtet wurde.
Der Künstler Yadegar Asisi (* 1955) ist für zahlreiche solcher Riesenbilder bekannt.
(siehe auch seine Website: www.asisi.de/de/panoramen/luther-1517/photo-gallery-de.html externer link)

Weitere Informationen werden z. B. angeboten unter:
r2017.org/neuigkeiten/beitrag/ein-blick-rundum-in-die-geschichte/ externer link.
Darin erfährt man u. a., dass die EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann täglich 3000 bis 5000 Besucher erwartet, die dieses Rundbild sehen wollen.
Asisi meint:„Das weltweite Interesse an meinen Panoramen zeigt, dass erkannt wurde, dass man damit auch Geld verdienen kann.“

Dazu sei angemerkt:
Bei einer geplanter Laufzeit von  mindestens fünf Jahren für diesen Gigantismus*, für diese Gigantomanie** müssten bei täglich auch nur 1000 Besuchern fast 2 Millionen Besucher insgesamt kommen.  Man hofft offenbar, dass man hier in Wittenberg vom Hype um die Asisi-Panoramen  etwas abbekommt.
Demgegenüber sind die Baukosten von 4, 5 Millionen Euro wirklich vertretbar.
"Panoramakunstwerk" wird es genannt.

Ich bin dafür, das Wort "Historienschinken", das bisher vorwiegend für Filme, gelegentlich auch für Bücher verwendet wird, auf Phantasie-Bilder über geschichtliche Ereignisse zu erweitern. Die Frage, ob es sich dabei um Werke der bildenden Kunst handelt, klammere ich aus.
Margot Käßmann, die "Lutherbotschafterin", hat diese Frage indirekt beantwortet, indem sie anmerkte, dass dieses Rundbild einen "niederschwelligen" Zugang zu den historischen Ereignissen schaffen könne. Man könnte es so übersetzen:
Geschichtsunterricht für Doofe.
Und im "Südkurier" bekommt  es die böse Bezeichnung "historische Unterhaltung zum Reformationsjubiläum 2017" (siehe www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Das-Tauziehen-ums-Panorama~ externer link - Zugriff am 26.10.2016)

Komisch (im Sinne von "seltsam") ist, dass es noch keine scherzhafte Bezeichnung des "Volksmundes" für dieses Bauwerk gibt.  Da waren die Medien früher aber schneller, solche Spitznamen zu erfinden und sie dem Volk "ins Maul zu legen", wie es z. B. beim "Lutherzwerg" geschah.
Oder wagt man nicht mehr zu spotten, nicht einmal freundlich-gutmütigen Spott?
Die Konstanzer nennen ihr potentielles Asisi-Rundbild zum Konzil von vor 600 Jahren schon jetzt "Blechbüchse". Das "Elefantenklo" ist mehrfach vergeben, u. a. für das Gebäude des u. g. Bauernkriegspanoramas.
Wie wäre es mit "Blechtrommel" oder  wenigstens "Blechkessel"?


Asisi-Panorama1, Privatfoto
(Privatfoto - B.K. - Hier fehlt noch der Schriftzug "Luther 1517". Siehe auch weitere Notizen zum Panorama und zu dessen Eröffnung am 22.10.2016 in
MEIN WITTENBERG-BLOG 2016)


Etwas fällt mir auf, das ich für noch viel bedenklicher halte: es gibt keine echte Satire zum Lutherjubiläum (einmal  abgesehen von ein bisschen "Selbstsatire" aus Kirchenkreisen, die vor allem eines ist: stinklangweilig, siehe www.ojc.de/salzkorn/2012/oekumene-einheit-der-christen/martin-luther-reformation-500-jahre/ externer link).
Angst kann der Grund dafür nicht sein, so bleibt wohl nur noch eine Erklärung übrig: Desinteresse.
__________________
* "Gigantismus" hier verwendet im Sinne: Geisteshaltung, die ohne Maß ist und zur Übertreibung neigt.
** "Gigantomanie" hier verwendet im Sinne: Sucht, alles ins Gigantische bzw. Riesenhafte bzw. Maßlose zu übersteigern.



ZWEITER TEIL
An dieser Stelle möchte ich auch auf das umgangssprachlich "Bauernkriegs-Panorama" genannte Panoramabild "Frühbürgerliche Revolution Deutschland" des Malers Werner Tübke, das seit 1989 in Bad Frankenhausen gezeigt wird,  hinweisen: www.panorama-museum.de »externer Link« . Dort steht Thomas Müntzer, Theologe und einstiger Wegegefährte von Martin Luther, im Mittelpunkt, der (Zitat aus der Website des Museums:)
"als »Knecht Gottes wider die Gottlosen« zum kompromisslosen Kampf gegen die Obrigkeit, zur Errichtung eines Gottesreiches der Auserwählten, des armen gemeinen Mannes" aufrief und dafür von der Obrigkeit bestialisch gefoltert und hingerichtet wurde. Mit ihm starben damals tausende Bauern für diese Idee.



DRITTER TEIL

"So ich das sage, muss ich aufrührerisch sein ..."
- Thomas Müntzer - der andere Reformator

Thomas Müntzer (auch "Münzer" geschrieben) ist - wie ich hörte- den meisten Bürgern aus dem Westen Deutschland nicht einmal vom Namen her bekannt. Vielleicht kann diese Ausstellung ja Interesse wecken, auch diesem Leben eines Reformators und Zeitgenossen Luthers mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Geboren um 1489 ist sein Leben eng mit der Geschichte des Deutschen Bauernkrieges (1524 bis 1525 bzw. 1526) verbunden. Als Theologe und Reformator stellte er sich auch in die sozialen Bewegungen seiner Zeit für ein "Gottesreich auf Erden". Dafür wurde er 1525 von den Herrschenden hingerichtet.
Das Tübke-Rundgemälde in Bad Frankenhausen gibt diesen Teil der Reformationsgeschichte  in einer künstlerisch einmaligen, zeitlosen Symbolsprache   wieder.
In der Gegenüberstellung von Luther und Müntzer schlummert nicht nur christlich-theologische Brisanz, hier könnte der aus heutiger Sicht einzig wichtige Gegenwartsbezug der Reformation zu finden sein:
Ist es des Christen Pflicht, sich in die sozialen Auseinandersetzungen seiner Zeit einzumischen oder muss er sich nur um sein privates Seelenheil sorgen resp. kümmern?

Hier in Wittenberg bietet diese Ausstellung natürlich zahlreiche Informationen über historische Details, wobei die neuesten Ergebnisse der Müntzer-Forschung, aber auch die unterschiedliche Erinnerungskultur in Ost und West  rund um diesen Zeitgenossen Luthers einbezogen werden. (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Müntzer externer link )

Im "Wittenberger Sonntagmagazin" [Quelle siehe Wittenberger Sonntag] vom 04.11.2016
www.wittenbergersonntag.de/artikel/6772/Müntzer ~ »externer Link«
konnte man über die seit dem  05.11.2016 geöffnete Ausstellung und über Thomas Müntzer u. a. lesen:
"Müntzer hat sich in seiner Zeit in Wittenberg (1517/18) intensiv mit dem Humanismus beschäftigt. Müntzer hat vor Luther deutsch gepredigt, eine eigenständige deutschsprachige Liturgie erschaffen und bereits 1523 die entlaufene Nonne Ottilie von Gersen geheiratet. Wenn 2017 der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert wird, ist es an der Zeit, Müntzer als Vertreter eines „alternativen“ Reformationskonzeptes zu würdigen, dies hat bereits die Botschafterin für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, unterstrichen."
Das Haus der Geschichte selbst informiert auf seiner Facebook-Seite:
www.facebook.com/haus.der.geschichte.wittenberg/posts/1860435697568008.


Seitenversion:
  neu 15.01.2017
URL: www.brunhild-krueger.de/luwi/luwi2-zwanzigsiebzehn/luwi21-einzelausstellungen/luwi21_lutherasisi.html

 
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Bearbeitungsnotizen:
Nach dem Besuch beider bzw. der drei Ausstellungen diese Seite ergänzen