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MÄRCHENHAFTES - RUMPELSTILZCHEN


Vermutlich geht es vielen beim Lesen dieses Märchens ähnlich wie mir:
es gibt zwei „Verwunderungen“
Die erste ist, dass der König nach den drei Tagen das Spinnen von Stroh zu Gold stoppt. Man fragt sich, wieso er nicht weiter spinnen lässt.
Die zweite Verwunderung ist die Frage danach, wie berechtigt Rumpelstilzchen ist, das Kind des Königspaares einzufordern. Zum einen verfolgt er ja einen „edlen Zweck“  mit dem Kind: es frei von all dem höfischen Leben, dem Pomp und den Intrigen,  aufzuziehen. Zum anderen war es eine Vereinbarung, die die Müllerstochter mehr oder weniger freiwillig eingegangen ist. Sie hätte auch nein sagen und dem König den Betrug aufdecken können, egal um welchen Preis. Hier hätte also schon die Müllerstochter sich anders verhalten können und müssen. Doch der „Tauschhandel“  - Gold gegen Kind - war zustande gekommen, also galt es, die Vereinbarung einzuhalten.

Da war man als kindlicher Leser in einem Dilemma. Mir tat Rumpelstilzchen damals immer leid. Aber andererseits sah ich natürlich, dass die Königstochter um keinen Preis ihr Kind weggeben konnte und musste. Das Angebot von Rumpelstilzchen, wie sie aus dem Knebel-Vertrag wieder aussteigen könne, war im ersten Augenblick nur ein verlogenes Scheinangebot.

Mir sind drei Aspekte an diesem Märchen interessant:
1. Die Hauptlehre: Arbeit hat einen Tauschwert, keine Arbeit für Fremde wird „umsonst“ geleistet, Arbeitsleistungen werden nicht verschenkt. (Oder doch? - siehe "DIE WILDEN SCHWÄNE")
2. Die Moral der Geschichte: Niemand hat das Recht, ein menschliches Leben als Gegenleistung für seine Arbeit zu fordern.
3. Rumpelstilzchen als „alchemistisches  Märchen“ - die Umwandlung unedler Stoffe in Gold - oder die Frage, warum der König die Goldproduktion gestoppt hat. Ganz einfach: weil er ein kluger Ökonom war.

Eine Erklärung für diese Bemerkung:

Was wäre passiert, wenn die arme Müllerstochter immer mehr Stroh zu Gold gesponnen hätte? Wenn etwas im Überfluss vorhanden ist, sinkt sein Preis. So wie es nach besonders guten Ernten ist: die Preise für Getreide, Kartoffeln oder Äpfel sinken. Auch dem Gold wäre es letztendlich nicht viel anders gegangen: Indem der König sein Gold ausgegeben hätte, wäre so viel in Umlauf gewesen, dass sein Wert gesunken wäre bzw. die Preise der Waren gestiegen wären.
Das ist nicht anders als heute: wenn immer mehr Geld in Umlauf gebracht wird, kommt es zur Inflation - das Geld verliert seinen "Wert" - man kann für die gleiche Menge an Geld (Gold) immer weniger Waren einkaufen. Mehr Gold (Geld) im Umlauf bedeutet mehr zahlungskräftige Nachfrage, mehr Nachfrage bei gleichbleibenden Angeboten bedeutet, dass die Preise steigen können, bis zwischen Angebot und Nachfrage wieder ein Gleichgewicht herrscht. Die Summe aller Preise und die Summe aller angebotenen Waren müssen gleich sein. Man kann also die Geldmenge nur um so viel erhöhen, wie die zur Verfügung stehende Warenmenge mit steigt.
Die Goldmenge musste begrenzt werden, wenn der Wert des Goldes nicht sinken sollte.

Beim König war also die Vernunft stärker als die Gier. Mein Respekt, Herr König!
Heutigen Finanz-Königen sollte man diese Märchen zu lesen geben.

Seitenversion:  erg. 06.12.2016
URL: www.brunhild-krueger.de/emi/emi3-maerchen/emi3_rumpelstilzchen.html

 
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