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MÄRCHENHAFTES - GEVATTER TOD

Das in diesem Märchen thematisierte Problem ist schlichtweg das Grundproblem in der Existenz eines jeden Menschen.
Nicht nur die Frage nach dem Lebensinhalt ist wichtig, sondern auch die Frage danach, wann man und vor allem wie man sterben möchte bzw. sterben wird.

Ehe ich mich den philosophischen Fragen stelle, die dieses Märchen letztlich aufwirft, will ich, kurz zusammengefasst, dessen Inhalt wiedergeben


Ein armer Mann ist zum 13. Mal Vater geworden, sucht einen Paten für sein Kind, lehnt Gott und Teufel ab, wählt den Tod als „Gevatter“ - so auch der Name des Märchens:

Gevatter Tod

Der junge Mann hat vom Tod ein Heilkräutlein für alle heilbaren Krankheiten bekommen. Er muss nur eines beachten: wenn er zu einem Kranken gerufen wird, wird er auch den Tod dort stehen sehen - steht dieser am Kopfende des Bettes, kann er den Kranken heilen, steht er jedoch am Fußende, dann bedeutet das, dass der Mensch sterben muss. Zweimal trickst er den Tod aus, beim König und dann bei dessen Tochter, indem er das Bett, an dessen Fußende jedes Mal der Tod steht, umdreht und schnell die Medizin reicht, so dass die beiden wieder gesund werden. Aber das erzürnt den Tod, er nimmt den jungen Arzt mit in eine Höhle, in der viele Kerzen brennen. Das Licht des Arztes ist ganz klein, verlischt und der Jüngling stirbt.
Am Ende steht in der Version von Ludwig Bechstein (1801 - 1860) noch:
„Wider den Tod kein Kraut gewachsen ist.“

Der wichtigste Gedanke dieses Märchens ist die Botschaft:
Ärzte können nicht immer Leben retten, alle Kunst, alles "Kraut", alle - auch die modernste -Technik kann nicht verhindern, dass Menschen sterben.
Menschen sind nicht unsterblich.


Ars moriendi - die Kunst des Sterbens

Im Rahmen einer Vortragsreihe des Predigerseminars hier in Wittenberg vor vielen Jahren ging es um diese Kunst des Sterbens im Mittelalter.
Anhand von Bildern wurden die Menschen auf das Ende ihres Lebens vorbereitet und es wurden ihnen Ratschläge erteilt, wie man sich dann verhalten solle, damit das Sterben etwas leichter wird.
Ich erinnere mich vor allem daran, dass darauf verwiesen wurde, der Mensch solle sich nicht mehr mit weltlichen Fragen befassen, wenn sein letztes Stündlein geschlagen hat. Es nützt ja nichts, damit zu hadern, dass man Fehler gemacht, Gelegenheiten verpasst und nicht alles erreicht hat, was man einmal erreichen wollte.

Mit dem Glauben an Gott und der Vorstellung von einem Leben im Jenseits fällt es sicher leichtert, diesen Sterbeprozess durchzustehen.
Einem Atheisten bleibt zum Schluss wirklich "nichts" mehr für die Zukunft. Es bleibt nur, das eigene Leben im Rückblick als "nicht sinnlos gelebt" zu akzeptieren. Wer Spuren hinterlassen hat, indem er die Welt ein wenig besser gemacht hat, dem mag das Sterben leichter fallen.


Seitenversion:  neu 31.12.2022
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