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DER GEIST DER LUTHERSTADT - IHR GEISTIGES LEBEN

STADTGESCHICHTSSCHREIBUNG

Stadtgeschichtsschreibung in der Lutherstadt ist etwas schwierig: da laufen zwei Stränge parallel: das Lutherhaus mit dem "Reformationsgeschichtlichen Museum" und die Städtischen Sammlungen mit dem früheren "Stadtgeschichtlichen Museum" haben sich die Arbeit geteilt: die einen machen "Alles zu Luther" und die anderen machen "Alles andere, ohne Luther".

Erste Anmerkungen zur Wissenschaftsgeschichte als Teil der Stadtgeschichte
Bei dieser "Arbeitsteilung" ist leider mit der Wissenschaftsgeschichte der Stadt das passiert, was ähnlich mit Goethes Farbenlehre passierte.

(Kleiner Einschub:
Die Literaturwissenschaftler sahen sich für diesen Teil der Goetheschen Gedankenwelt nicht zuständig ("Ist ja keine Literatur, sondern Wissenschaft.") und die Wissenschaftler sahen sich erst recht nicht zuständig (Goetes Farbenlehre ist in weiten Teilen der Wissenschaft verpönt.) Also war da ein "weißer Fleck" auch in der Forschung, Betrachtung und Geschichtsschreibung über Goethe.)

Sie - die Wissenschaftsgeschichte Wittenbergs - fiel bei beiden Einrichtungen "unten durch". Niemand fühlte sich zuständig.  
Die Stadtgeschichtsschreibung behandelt die Universitätsgeschichte nur am Rande, nur so viel bzw. wenig, wie unvermeidbar ist. Die Reformationsgeschichtsschreibung behandelt die Universitätsgeschichte nur im Zusammenhang mit Luther und Melanchthon, also in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Gelegentlich greift der Heimatverein in einer Veranstaltung ein Thema der Universitätsgeschichte auf.

Jetzt habe ich zwei Begriffe verwendet, aus gutem Grund - zwischen Universitätsgeschichte und Wissenschaftsgeschichte muss noch differenziert werden, auch wenn beide eng miteinander gekoppelt sind. Hier gibt die Seite WISSENSCHAFTSGESCHICHTE erste Einblicke, wie das gemeint ist:
z. B. gibt es Wissenschaftler, die in Wittenberg oder der Umgebung geboren wurden, aber nie etwas mit der Wittenberger Universität zu tun hatten. Allen voran sei hier Ernst Florenz Chladni genannt, der für seine Klangfiguren berühmt wurde.  Otto Kleinschmidt (Theologe und Ornithologe), Karl Lamprecht (Historiker) oder Wilhelm Weber (Physiker) sind weitere Beispiele. Die Erinnerung an all diese Wissenschaftler (egal, ob sie an der Uni hier studierten oder arbeiteten oder nicht) wäre ein Pfund, mit dem Wittenberg wuchern könnte und sich als Bildungsstandort attraktiv machen könnte. Aber - s. o. -  man könnte meinen, es gäbe eine Art Urangst, dass diese Leute dem Luther die Schau stehlen könnten ...

Die Parallelgeschichtsschreibung der Stadtgeschichte - ein einmaliges Unding
Eine zweite, etwas anders geartete Parallelgeschichtschreibung gibt es zwischen den "Städtischen Sammlungen" und dem Geschichtsverein "PFLUG e.V.", der das "Haus der Geschichte Wittenberg" betreibt.
Ein Artikel in der MZ vom 29.04.2016
[→ Quelle MZ, siehe www.mz-web.de/wittenberg/historie-seltene-aufnahmen-aus-der-kriegszeit-in-wittenberg-23972344 ]

brachte mich ins Grübeln:
Unter der Überschrift "Historie: Seltene Aufnahmen aus der Kriegszeit in Wittenberg" wurde berichtet, wie der Leiter der "Städtischen Sammlungen", Herr Andreas Wurda, sich  über ein Geschenk, ein Fotoalbum über diese Zeit, freute. Darin seien "einzigartige Ansichten aus dem Wittenberg der 40er Jahre" zu sehen.

Ich erinnerte mich dunkel, während meiner Arbeit bei PFLUG e. V. unter den gesammelten Sachzeugen auch ziemlich viele Fotos, gerade auch aus der Kriegs- und Nachkriegszeit gesehen zu haben. Eine telefonische Rückfrage bei der Chefin, Frau Dr. Panzig, ergab die Bestätigung: mehrere hundert Fotos aus jener Zeit seien vorhanden.

Erst in diesem Zusammenhang wurde mir die Schizophrenie der Situation bewusst:
Die "Städtischen Sammlungen" sind die Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen Heimatmuseums und späteren Stadtgeschichtlichen Museums. Früher gab es eine umfangreiche Ausstellung über die Wittenberger Stadtgeschichte mit zahlreichen spannenden Exponaten zu sehen. Inzwischen ist diese Präsentation leider auf einige "Kronjuwelen" zusammengeschrumpft worden, eine echte Präsentation von Stadtgeschichte ist seit der Schließung des Stadtgeschichtlichen Museums nicht vorhanden (es wird daran gearbeitet).

Parallel zu dieser Sammlung von Zeugnissen der Stadtgeschichte hat sich aus einem anfänglichen "oral history"-Projekt des PFLUG e. V. inzwischen eine weitere Präsentation von Stadtgeschichte der jüngsten Zeit entwickelt. Sie kann in der Schlossstraße - zwischen Schlosskirche und Marktplatz, neben der städtischen Bibliothek - im "Haus der Geschichte Wittenberg" besichtigt werden. Zu den dortigen Ausstellungen gehört natürlich eine ebenfalls stattliche Sammlung von Sachzeugen Wittenberger Geschichte.

Offenbar gibt es zwischen beiden - von Steuergeldern direkt oder indirekt über Fördermittel finanzierten - Einrichtungen keine Kooperation.

Langfristig wäre es jedoch äußerst wünschenswert, beide Einrichtungen zusammen zu führen, um eine effektivere Bestandhaltung und Pflege der Sachzeugen zu sichern und auch die Stadtgeschichte mit Hilfe dieses Materials noch besser öffentlich darstellen zu können.

PS 15.03.2017
In den "Neuigkeiten" ist angekündigt, dass die Stadtgeschichtsschreibung eine "heikle Sache" ist.
Diesen Teil der Stadtgeschichtsschreibung habe ich bisher noch gar nicht zur Sprache gebracht. Wie das gemeint ist, werde ich später einmal ausführlicher darstellen. Dafür bedarf es noch weiterer Recherchen.

Seitenversion: neu 15.03.2017, erster Text
URL: www.brunhild-krueger.de/luwi/luwi4-geist/luwi4_stadtgeschichtsschreibung.html

 
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