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SPRACHE UND KOMMUNIKATION

SYMBOLSPRACHE

Das Denken - so las ich vor vielen Jahren in einer wissenschaftlichen Betrachtung - sei an das Wort, den Text gebunden. Anders gesagt, es gibt nur "Denken in Worten".
Meine eigene Erfahrung war eine andere, die ich auch in Worten ausdrücken kann mit der allgemeinen Formulierung
                              Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Es gibt auch ein "Denken in Bildern".

Diese bildhafte Vorstellungswelt kann in entsprechenden Bildern an andere weiter gegeben werden.
Erste "Schriftsprachen" waren "Bildsprachen" - man denke nur an die Hieroglyphen.

Oft standen dabei Zeichen (Bilder) auch für andere als die ursprünglichen Bedeutungen, die Bilder wurden "im übertragenene Sinne" benutzt.

Irgendwann spalteten sich diese Bilder auf

• in die abstrakte Linie der Buchstaben und der definierten Zeichen, wie wir sie in den meisten Schriftsprachen und z. B. in den mathematischen Zeichen wiederfinden
und

• in die weiterhin existierende Bild-Linie, die sich zur Symbolsprache entwickelte.

Natürlich gibt es zwischen beiden Linien Überlappungen, aber darauf will ich heute noch nicht eingehen.

Im Unterschied zu den Zeichen (wie die heutigen Buchstabenschrift, die Zeichen, die vor allem in verschiedenen Wissenschaftsbereichen verwendet werden), die alle erst "gelernt" bzw. "vereinbart" werden müssen, besitzen Symbole einen hohen Grad an Selbsterklärungskraft. Anders ausgedrückt: Man muss sie nicht vereinbaren, man muss ihre Bedeutung nicht auswendig lernen, sie erschließt sich - ggf. mit ein wenig Übung - von allein.
Als ein erstes Beispiel hierfür nenne ich den Ouroboros, der in einer weiterführenden Seite vorgestellt wird: OUROBOROS (UROBOROS).

Es gibt verschiedene Bereiche, in denen Symbole Verwendung finden:
Gern wurden früher tierische Symbole verwendet, indem eine dem Tier zugesprochene Eigenschaft im Symbol auf den Menschen übertragen werden konnte.
Ebenso gern wird Farben eine bestimmte symbolische Bedeutung zugesprochen, die auf der physiologischen Wirkung der jeweiligen Farbe beruht, also auch intuitiv wahrgenommen werden kann.
Bauwerke wie Türme (Kirchtürme) oder Säulen werden gern "Phallussymbol" genannt.
Auch das dürfte "selbsterklärend" sein.
Den Zahlen  wird gelegentlich ebenfalls eine über den reinen Zahlenwert hinausgehende Symbolik zugesprochen. Allerdings ist hier die Grenze zum Zeichen (das definiert werden muss) wohl nicht so klar erkennbar.

Zu den symbolischen Gesten, Worten, Ritualen kann man im weitesten Sinne auch die so genannten "Zaubereien" zählen:
Sprachzauber, Gebete, Beschwörungen, Verwünschungen (Fluch), Magie.
Besonders in der Alchemie war der Glaube an die Wirksamkeite von Symbolik und symbolisch-ritualem Handeln von außerordentlicher Wichtigkeit.

Interessant ist, dass selbst Wörter (Begriffe) eine symbolische Bedeutung erlangen können.

Am Beispiel des Wortes »Früchte« möchte ich das an dieser Stelle einmal veranschaulichen.
Zum einen ist es ein "Gruppennamen" für viele verschiedene Dinge: kennt man einige konkrete Beispiele (Äpfel, Weintrauben, Walnüsse, Hagebutten), sind selbst kleine Kinder schon in der Lage, weitere - ihnen bis dahin unbekannte - Früchte als solche einzuordnen. Sie erfassen mit hoher Sicherheit die wesentlichen Merkmale von Früchten:
• wachsen an Pflanzen, vorwiegend an Bäumen und Sträuchern
• sind die Träger der Samen für die Fortpflanzung der Pflanze
• sind oft essbar.

Doch darüber hinaus kann das Wort "Früchte" auch noch in anderer Hinsicht verwendet werden:                    An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.Dieser Spruch aus Matthäus 7,16 des Neuen Testaments ist weithin bekannt.

Hier steht "Früchte" nicht für pflanzliche Produkte, sondern für die  Motive und Taten von Menschen. So wie es gute und verdorbene oder giftige Früchte gibt, so können die Taten von Menschen segensreich oder schädlich sein.
Die Frucht der Pflanze wird zum "Symbol"zur "Bedeutung im übertragenen Sinne".
Parabeln, Metaphern, Gleichnisse - Analogien im weitesten Sinne arbeiten mit symbolisch erweiterten Bedeutungen von Wörtern.
Ich zitiere die ganze Bibelstelle, die das sehr gut veranschaulicht:
(Matthäus 7, 15-17) 15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dorten oder Feigen von den Disteln?
17 Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte ...


Seitenversion: neu am 31.05.2021
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