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DIE BESTEN GEDANKEN

DIE BESTEN GEDANKEN AUS PHILOSOPHIE UND ETHIK

ROBERT HARRISON UND DIE
"GÄRTEN - EIN VERSUCH ÜBER DAS WESEN DER MENSCHEN"


Bitte beachten Sie: Es heißt nicht "Ein Versuch über das Wesen des Menschen", sondern "... der Menschen". Diese scheinbare Nuance ist von grundlegender Bedeutung!

Das Buch wurde im Manufactum-Katalog im Herbst 2010 angekündigt und ich wusste sofort, dass ich es kaufen MUSS. Es hat sich gelohnt - das Buch war wieder einmal ein "Schlüsselerlebnis" des Erkennens, ein Genuss, eine Freude, an den so wundervollen Gedanken anderer Menschen teilhaben zu können.

Ich möchte es einleitend so beschreiben:
Es ist
ein poetisches Buch, in dem es nicht um Poesie geht,
ein philosophisches Buch, in dem es nicht um Philosophie geht,
ein Gartenbuch, in dem es keine Ratschläge für die Gartengestaltung, nicht einmal Abbildungen von schönen Gärten gibt.

Ja, was soll das für ein Buch sein?
Es ist ein Buch, das einem sagt, warum Gartenarbeit so beliebt ist, warum man süchtig danach wird, wenn man sie erst einmal kennen gelernt hat.  Man begreift, dass die  wirkliche „Klassenspaltung“ der Menschen nicht die nach Besitz oder Bildung oder Stellung im Produktionsprozess ist. Es gibt nur zwei Klassen von  Menschen: Gärtner und Nichtgärtner.

Es geht um die Kultivierung der Erde im weitesten Sinne. Der Garten wird zum Gleichnis für die Kultivierung des Menschen selbst. Es geht darum, sich um etwas sorgen zu können, für etwas außerhalb seiner selbst Verantwortung zu übernehmen. Das ist vergleichbar mit dem "Kleinen Prinzen" (Saint-Exupery), der sagt, dass der Sinn des Besitzes einer Rose darin besteht, für diese Rose zu sorgen.

Was man bei der Gartenarbeit schon empfunden hat, hier kann man es noch einmal rational nachvollziehen, sich durch den Kopf gehen lassen: Menschen, die keinen Garten haben, die keine Ahnung von der und keine Liebe zur  Gartenarbeit haben, denen fehlt eine entscheidende Komponente des Mensch-Seins.

Es ist ein Buch, bei dem man begreift, warum man zur Gartenarbeit getrieben wird und was Menschen fehlt, die diesen Trieb nicht kennen.

Ein PS - über "Naturpolis", "guerilla gardening" und "community gardens"
              oder die "Rückkehr ins Paradies"
und
ein zweites PS  - über Prinz Charles und die "Harmonie - eine neue Sicht
              auf unsere Welt"

  Robert Harrison
Gärten
Ein Versuch über das Wesen der Menschen

Titel der amerikanischen Originalausgabe, nach der übersetzt wurde:
Gardens. An Essay on the Human Condition
The University of Chicago Press
Chicago and London 2008
Aus dem Amerikanischen von Martin Pfeiffer

Carl Hansen Verlag München 2010
332 Seiten
24,90 Euro

ISBN 978-3-446-23296-9

Auf der Website von Manufactum wird das Buch so beschrieben:
(Stand 2012, Pfad: Gesamtsortiment » Medien » Bücher)

Alle Menschen sind Gärtner.
Eigentlich. Die Welt des Gärtners unterscheidet sich fundamental von der des Nichtgärtners. Bevor man ein richtiger Gärtner werden kann, meint der tschechische Dichter Karel Capek in dem unterschätzten „Das Jahr des Gärtners“ (1929), „ist eine gewisse Reife, besser gesagt, ein gewisses väterliches Alter nötig.“ Wenn man jung ist, „dann ist man wie Adam vor dem Sündenfall. Man kostet von den Früchten des Lebens, die einem nicht gehören und glaubt, eine Blume sei das, was man im Knopfloch trägt oder seiner Angebeteten schenkt.“ Für den Gärtner hingegen ist eine Blume das, „was überwintert, was geharkt und gedüngt, gegossen und umgepflanzt, beschnitten und gestutzt, angebunden und von Unkraut, Keimlingen, vertrockneten Blättern, Blattläusen und Mehltau befreit werden muß.“ Laut Capek ist „der Gärtner ein Adam, der sich wieder mit dem Element verbunden hat, aus dem er gemacht ist“ – „bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du gekommen bist (Erstes Buch Mose 3,19).“ Seele und Garten ist etwas wesentliches gemeinsam, den Paradiesgarten kennen viele Kulturen. „Ach, ist das nicht ein Paradies?“, seufzt gar mancher Gartengast ganz irdisch.

Beruf der Sorge. Und des Denkens.
Ohne Gärten wäre die Menschheitsgeschichte eine Wüste, eröffnet uns der amerikanische Kulturphilosoph Robert Harrsion an der Eingangspforte seines großen Essays: „Gärten. Ein Versuch über das Wesen der Menschen“. Gärten sind ihm „der beste Beweis dafür, dass die Menschheit nicht ohne Grund auf der Erde ist.“ Wenn es heißt, wir müßten unseren Garten bestellen, meint das, laut Robert Pogue Harrison, der bereits ein Buch über „Wälder“ wie auch über „Die Herrschaft des Todes“ vorgelegt hat, „wir müssen heilende und erlösende Kräfte ausfindig machen und es ihnen gestatten, in uns zu wachsen.“ Wer durch Harrisons kulturphilosophische Parkanlage wandert, wird durch viele verschiedene Arten von Gärten kommen – durch reale, mythische, historische und literarische. Gleich im ersten Streifzug, im ersten Kapitel, läßt er uns an dem „Beruf der Sorge“ teilhaben, der den Gärtner auszeichnet. Auch die Dichtung ist der Gartenarbeit und der Gartenkunst verwandt, nicht nur die blaue Blume der Romantik oder die Parks und Gärten in Goethes „Wahlverwandtschaften“ zeugen davon. Im ältesten literarischen Werk, dem „Gilgamesch-Epos“, gibt es zwei phantastische Gärten, einer ist den Unsterblichen vorbehalten. Und Odysseus gelangt nach Kalypsos, einer Art Insel der Seligen, deren Weinstöcke, Veilchen, Vögel und Quellen er aber verschmäht. In Boccaccios „Dekameron“ (1350) ziehen sich junge Frauen und Männer aus dem von Seuchen verheerten Florenz in eine Villa im nahen Hügelland zurück, um Spaziergänge zu unternehmen, zu erzählen, zu feiern und zu tanzen – eine Flucht aus dem Alltag, keine Frage. Die Gartenmetaphorik trägt reichlich literarische Blüten, quer durch alle Literaturen. Der 1954 in der Türkei geborene Romanist Harrison hat eine Nase für sie, führt uns auch in islamische Teppichgärten und die des Zen. Sein Buch atmet die erfrischende Hemdsärmeligkeit amerikanischer Akademiker – er lehrt an der kalifornischen Stanford University englische und französische Literatur, er kann das Leichte und das Schwere und vermittelt uns die Gartenphilosophie Epikurs ebenso wie das Spirituelle der japanischen Gartensteine oder die Gartenkultur der mittelalterlichen Klöster. „Manche Gärten blicken nach innen, andere nach außen, einige öffnen sich der Welt, andere schließen sich von ihr ab,“ erklärt Harrison.



Titelbild des Buches von R. Harrison
(Quelle der Abb.:
www.manufactum.de
)
 

Mein Fazit nach dem Lesen des Buches:


Es ist ein Zukunftsbuch, in dem der Garten zur ANALOGIE für den Menschen und für die ganze Erde wird,  das Fazit des Buches ist in einem Satz gesagt:

In dem Buch geht es um das KULTIVIEREN im weitesten Sinne   - das meint, SICH UND  DEN GARTEN (die Welt)
zu "kultivieren",
schöner zu machen,
besser zu machen,
vollkommener zu machen.


Wie soll jemand die ganze  Erde wertschätzen, der nicht gelernt hat, eine kleine Blume, ein Büschel Petersilie, einen Stein, einen Strauch, ja, ein Wildkraut wert zu schätzen?

Deshalb wünsche ich mir:
Nur Gärtner dürften Politiker werden.
Nur Menschen, die einen Garten sorgfältig pflegen, dürfen Politiker werden, dürfen andere Menschen anleiten, kontrollieren, dürfen in der Gesellschaft „etwas zu sagen haben“.
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Ein PS -  über Naturopolis, guerilla gardening und community gardens

In dem oben genannten Sinne ist also die Wiederherstellung der verloren gegangene Verbindung des Menschen zur Natur ein Zivilisations- und Kulturfortschritt. Dort, wo Menschen diesen Zusammenhang von Natur und Kultur begriffen haben, passiert echter, umfassender Fortschritt. Die Zeit, in der technischer Fortschritt als alleinseligmachenden Kennzeichen jedes Fortschritts hochstilisiert wurde, neigt sich ihrem Ende entgegen.

Die "Gartenzeit" des Menschen hat begonnen, der "Weg zurück ins Paradies" wird gesucht - und gefunden.

Hier will ich drei Beispiele dafür zeigen:
Naturopolis - Großstädte wie New York, Tokio, Paris und Rio de Janeiro suchen den Weg "zurück zur Natur".  Eine mehrteilige Sendereihe in arte berichtete z. B. im Mai 2014 darüber: siehe future.arte.tv/de/thema/die-grune-revolution

Community Gardens -  das sind i. a. Gemeinschaftsgärten in unterschiedlicher Trägerschaft, meist in Städten, oft sind sie öffentlich zugänglich,  werden mit verschiedenen Funktionen oder Zielen betreut. Es gibt sie ebenerdig oder als Dachgarten, teilweise als Landbesetzung. Eine Spezialform ist der "interkulturelle Garten", in dem Menschen unterschiedlicher Nationen gemeinsam gärtnern. Auch "mobile Gemeinschaftsgärten" auf Brachland, selbst  beepflanzte Tüten an Balkongittern zeigen einen sehr beglückenden Trend des "Zurück zur Natur".

Guerilla Gardening - das sind die ganz frechen: die schmeißen einfach Saat-"Bomben" in die Gegend mit z. B. Blumensamen. Oder sie bepflanzen öffentliches, ödes Gelände - heimlich, ohne Erlaubnis.

Ich kann mit einer gewissen Freude berichten, dass ich mich durchaus auch praktisch  beteilige, indem ich den Vorgarten  (ca. 45 qm) zu meinem Eingang im Neubaublock hier in Wittenberg, der bei meinem Einzug Anfang 2013 noch ziemlich kahl aussah, in Pflege genommen habe. Natürlich habe ich den Vermieter - die WIWOG (Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft, Verwalterin der kommunalen Wohnungen) - um Erlaubnis gefragt.
 
 

Ein zweites PS - über Prinz Charles und die "Harmonie - eine neue Sicht unserer Welt"

Es überraschte mich außerordentlich, als ich den Film [Q1] "Harmonie: Eine neue Sicht auf unsere Welt"  über Prinz Charles und sein Buch gleichen Namens sah.
Auch wenn ich nur den Film und einige Rezensionen über das Buch kenne, kann ich schon sagen: auch diese seine Gedanken gehören zu den "besten Gedanken", die man denken kann.
Auch er ist offenbar durch das Gärtnern (bzw. seine biologische Landwirtschaft) und die dabei erfahrene Harmonie mit der Natur auf die Gedanken gekommen, die er in dem Buch ausdrückt. Es geht um "Spiritualität" und um einen "Aufruf zum Handeln", unseren Kindern und Enkeln eine Welt zu hinterlassen, die lebenswert ist.  Wir müssen die Beziehung zu den Dingen wieder finden, die uns heilig sind. Die "fragmentarische Sicht auf die Dinge" muss überwunden werden.  Es ging um den Einfluss der Ernährung auf den Verstand der Kinder und vieles andere mehr. Vor allem ging es auch um ein besseres zusammen wohnen. Statt Betonwüsten sollten Wohngebiete geschaffen werden, in der die Menschen in echter Gemeinschaft untereinander und mit der Natur leben können.  Vor allem müssen wir lernen - so Charles - nie mehr von der Natur nehmen, als wir wirklich benötigen. Ein Wort fiel in dem Film, über das es sich lohnt, weiter nachzudenken: Genusskultur.

Überraschenderweise fand ich bei der Recherche, dass die "Großen" unter den Tageszeitungen sein Buch zwar vorgestellt hatten, aber oft in einem gönnerhaft-herablassenden Ton (z. B. die FAZ).

Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen, kann also nur ein paar Tipps geben, wo man sich weiter informieren kann:

Auf der Seite www.morgenweb.de/nachrichten/welt-und-wissen/die-erde-verliert-ihre-balance-und-wir-menschen-sind-schuld-1.187694
fand ich eine sachliche Information, in der Anerkennung mitschwingt.
Auch diese  von Konstantin Wecker betriebene Seite möchte ich empfehlen:
hinter-den-schlagzeilen.de/2010/12/16/das-manifest-des-oko-prinzen/   
Auf dieser Website findet man übrigens noch viel mehr "beste Gedanken"!
 

Quellenangabe Q1:

Der Film wurde z. B. gezeigt in Servus TV am 26.12.2013
Meine Ausführungen beziehen sich nur auf die in dem Film geäußerten Gedanken - das Buch selbst habe ich nicht gelesen.

 
Seitenversion: erg. 31.05.2016
URL:  www.brunhild-krueger.de/dbg/dbg1-philo/dbg1_harrison.html

 
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