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Barbara G. Walker - Zitate
aus "Das geheime Wissen der Frauen - Ein Lexikon"


Der Titel dieses Buches Quelle hatte mich neugierig gemacht, als ich Mitte der 1990er Jare darauf stieß - in einem "Merkheft" (so der Name der kleinen Verlags-Mitteilungen) des Verlags Zweitausendeins, der dieses Buch herausgebracht hatte:
Barbara G. Walker
Das geheime Wissen der Frauen - Ein Lexikon
Verlag Zweitausendeins, 1993
ISBN 3 - 861 50 - 006 - X
Die Frage, was denn das "geheime Wissen der Frauen" eigentlich sein sollte, stand im Raum. Ich erinnere mich noch, dass ich das Buch mit großer Verwunderung durchlas.
Ich möchte daher ausdrücklich betonen:
Dieses Wissen steht natürlich auch Männern offen, wenn sie sich dafür interessieren.

Besonders berührten mich Aussagen über das Verdrängen der weiblichen Gottheiten, wie es z. B. im Fall der "Aschera" geschah. Überhaupt, die vielen Göttinnen, die in dem Buch erwähnt wurden und von denen ich noch nie gehört hatte, erstaunten mich schon.
Waren diese Gedanken vor 30 - 40 Jahren noch eher ungewöhnlich, hat sich das Wissen um diese frühen weiblichen Gottheiten inzwischen ja doch wesentlich erweitert und ist heute (Mitte der 2020er Jahre) nichts Besonderes mehr.

Der "Zukunftssinn der Frauen" war eine noch wesentlich spannendere Sache.
Diese Gedanken habe ich übrigens in meiner Darstellung des Märchens
DIE KLUGE ELSE (in EINMISCHUNGEN » MÄRCHENHAFTES)
aufgegriffen und ein wenig verspottet.
(siehe auch die Anmerkung 1 am Ende dieser Seite über weitere Texte, in denen ich auf dieses Buch veweise)

In diesem Buch kam ich auch erstmals ausführlich mit der Symbolsprache in Berührung.

Doch nicht nur die Fakten waren spannend, auch die Detailinformationen und die Zusammenhänge, die auf einmal sichtbar wurden, waren durchaus interessant.
So gibt es z. B. auf der Seite 976 (aus dem Sachwort "Schlange", S. 969 bis 976)  eine Information über den pi-Drachen (Python) und"das mystische Prinzip des Kreises" - das heute noch in der "Kreiszahl Pi" steckt, eine  mögliche Erklärung dafür, warum diese berühmte Konstante so heißt:
griech. Buchstabe Pi


Hier habe ich nun eine kleine Auswahl an Zitaten aus dem Buch zusammengestellt:

• Aschera
• Zitat über den Zukunftssinn (aus "Mutterschaft")
• Große Mutter und Mutterschaft 
• Die Worte "Mater", "Maya" und der Materie-Begriff
• Eide / Idee

Aschera - ein Beispiel für die Auslöschung weiblicher Gottheiten

Bei der Göttin Aschera hat Luther mit seiner Bibelübersetzung "ganze Arbeit" geleistet: er hat sie - so wie mir bekannt ist - als "Hain" übersetzt. Dass diese Haine die Haine der Aschera waren, war ihm wohl nicht so wichtig.
(siehe auch die Anmerkung 2 über einen Artikel in DIE WELT über Aschera)

Barbara G. Walker schreibt über Aschera u. a.
(S. 66f)
Der semitische Name der Großen Göttin, möglicherweise abgeleitet vom Altiranischen asha, »universelles Gesetz«, ein Gesetz des Matriarchats, wie das römische iun naturale.
Aschera war »in Weisheit die Herrin der Götter«. Die SumererInnen nannten sie Ashnan, »Kraft aller Dinge«, und »eine freundliche und gütige junge Frau«. Ihre heilige Stadt Mar-ash wird in der Bibel unter dem Namen Maresch erwähnt (Josua 15, 44).

Der alttestamentarische Name »Aschera« wird mit »Hain« übersetzt, ohne jede Erklärung, dass der heilige Hain die heiligen Genitalien der Göttin repräsentieren, den Geburtsort aller Dinge. In der matriarchalischen Epoche verehrten die Jüdinnen und Juden die Göttin in Hainen (1. König 14, 23), die später von den patriarchalischen Reformern abgeholzt wurden, welche auch die Knochen der Ascherapriester auf ihren eigenen Altären verbrannten (2. Könige 23, 16 + 20).

Die Yoni der Göttin in dem Hain war Athra qaddisa, »der heilige Ort« (wörtlich »göttliche Hure«). Manchmal wurde sie einfach »Heiligkeit« genannt, ein Ausdruck der später auf Jahwe überging. Die Kanaaniter nannten sie Qaniyatu elima, »Sie, die Götter gebar«, oder Rabbatu athiratu yammi, »Herrin, die die See (d. h. den Mond) überquert«. Rabbatu war eine frühe weibliche Form von Rabbi. Athirat, Athra, Aethra, Athyr und das ägyptische Hathor waren Variationen desselben Namens der Göttin. In Ägypten war sie außerdem die gesetzgebende Mutter, Ashesh, eine archaische Form der Isis; der Name bedeutete sowohl »verströmen« und »ernähren«, bezeichnete also die Funktionen ihrer Brüste. Ihr yonischer Schrein in Theben war Asher, Ashrel oder Ashrelt. Manche nannten sie »Große Herrin von Ashert, Herrin des Himmels, Königin der Götter«.

Eine Zeitlang akzeptierte Aschera den semitischen Gott El als ihren Geliebten. Sie war die Himmelskuh, er der Stier. Nach ihrer heiligen Hochzeit gebar sie die himmlischen Zwillinge, Shaher und Shalem, Morgen- und Abendstern (siehe Luzifer). Zu den Hochzeitsriten gehörte anscheinend auch das Kochen eines Zickleins in der Milch seiner Mutter, eine Prozedur, die später von den jüdischen Priestern verboten wurde (Exodus 23, 19).
In dem Zitat gibt es mehrere Quellenverweise, die ich hier nicht mit übernommen habe.
Oft findet sich der Titel "Himmelskönigin" bei Astarte bzw. Aschera, der auch der Mutter von Jesus, Maria, der "Muttergottes" beigelegt ist. Zumindest zeugt das von einer Sehnsucht der Menschen nach dieser Identifikationsfigur, die - egal unter welchem Namen - bis heute angebetet wird.
(siehe auch auf der Seite ALS GOTT NOCH EINE FRAU WAR den Text über die "Himmelskönigin" Maria, in dem auch Aschera erwähnt wird - in GOTT UND DIE WELT • CAUSA FINALIS » GOTTBILDER)

Zitat über den Zukunftssinn aus dem Text über "Mutterschaft"

(S. 763, der gesamte Artikel über "Mutterschaft" geht von S. 748 bis 765)
Begründet wird dieser Zukunftssinn mit der Sorge um die Kinder. Angemerkt wird dort, dass Männer "nur in Ausnahmefällen" zu einem solchen Zukunftssinn fähig sind.
Die Fähigkeit, nach der Zukunft zu fragen, sie sich vorzustellen und zu hoffen, dass sie "besser" wird, ist offenbar den Menschen "angeboren".
Hier ein Textauszug aus "Mutterschaft":

Die Frau hat "als Teil ihrer besonderen Sexualität einen Sinn für die Zukunft: eine Empfindung für Entwicklung und Wachstum, die Neigung, Vergnügungen zugunsten zukünftiger Vorteile aufzuschieben, ein Gefühl für die Phasen und Abschnitte des Lebens, Verständnis für den Wert des einzelnen menschlichen Wesens. Diese Empfindungen sind die eigentliche Grundlage der menschlichen Moral."
(siehe auch die Seite DER ZUKUNFTSSINN DES MENSCHEN - in HEITERE ZUKUNFT • NUN ERST RECHT » VISIONEN + ZIELE)
Über diesen "Zukunftssinn" der Frauen musste ich – gerade im Zusammenhang mit Physik – viel nachdenken, schließlich hängt damit das Kausalitätsprinzip zusammen, die Frage nach den Ursachen von Wirkungen:
Gibt es eine "Zielursache", eine causa finalis?

Wenn ja, wie ist sie erkennbar? Vielleicht eher durch diesen "Zukunftssinn" als durch Experimente und Berechnungen?

Große Mutter und Mutterschaft

In der Verehrung der "Großen Mutter" treffen sich die Vorstellungen von Göttinnen und das Wissen um die besondere Bedeutung der Mutterschaft.
Vor dem oben zitierten Text wird auf S. 763 (ebenfalls unter "Mutterschaft") im Zusammenhang mit der "Abwertung der Mutterschaft" auf den Verlust der Kinder beiderlei Geschlechts an lebendigen Erfahrungen hingewiesen,
(indirekte Wiedergabe einer Aussage eines "Mumford, Lewis:)
"die die wesentliche Grundlage jeder künftigen Verpflichtung auf ein gemeinschaftliches Funktionieren im gesellschaftlichen Zusammenleben ist." (und direktes Zitat aus "Mumford, Lewis: Interpretations and Forecasts. New York: Harcourt Brace Jovanovich Inc. 1973" :)"Der Wissenschaftler hat mit der Unterdrückung der pflegenden und nährenden Impulse in der Persönlichkeit auch das normale elterliche Interesse an der Zukunft verloren, das durch diesen Teil der Persönlichkeit in Ehren gehalten wird. Man weiß kaum, ob man diese Haltung als Unschuld oder Fatalismus charakterisieren soll; sie ist ganz sicher ein Zeichen für ein Misslingen des Reifeprozesses."

Die Worte "Mater", "Maya" und der Materie-Begriff

Im Lexikon findet man unter dem Suchwort "Mater" (S. 687f) diesen Eintrag:

„Dieses indoeuropäische Stammwort für »Mutter« und »Maß« war die Grundlage vieler lateinischer Wörter und davon ausgehend auch für viele Wörter der europäischen Sprachen, wie matrix, matter, metrisch, materical, maternal, Matrone usw. Matres war eine Bezeichnung für die keltische dreifache Göttin oder Dreiheit der Schicksalsgöttinnen. Matri oder »Mütter« war ein tantrisches Wort für alle wohlwollenden weiblichen Geister. Matta, »Mutter« , der Name der obersten Göttin der ZigeunerInnen, entstand aus vielen verschiedenen matriarchalischen Titeln. Der gnostische, hermetische oder magische Begriff für den Leib der Mutter, matrix, war eine redundande Form; er bedeutete »Mutterin« - mater mit einer weiblichen Endung.

Interessant ist auch eine Bemerkung aus dem Suchwort Maya:
(hier nur ein kleiner Textauszug aus dem langen Artikel)
"»Magie«, der Titel der Jungfrau Kali als Schöpferin irdischer Erscheinungen, das heißt aller Dinge, die aus Materie gemacht und für die Sinne wahrnehmbar sind...”  

Eide / Idee

Eide
(S. 202, ganzer Text)

Eide »Göttin des Inneren«, ein griechischer Begriff für die weibliche Seele, der der lateinischen Idea entspricht. Aristoteles war einer der ersten Philosophen, der diese alte Vorstellung von der von der Mutter gegebene Geisteskraft durch eine Astraltheologie zu ersetzen versuchte.

Idee
(S.436f, ganzer Text)
»Innere Göttin« (lat. idea). Okkulter Tradition zufolge war eine Idee eine Emanation der weiblichen Weltseele (Shakti, Schechina, Psyche, Sophia usw.). Ihre Ideen wurden gedacht als als personale Musen, »die sie am Himmel über den Sternen formte, um sich selbst eine Gestalt zu geben«.

Mittelalterliche Theologen lehnten die Vorstellung einer weiblichen Idee ab und zogen der alten eide-Theorie die aristotelische Astral-Philosophie vor, der zufolge Gedanken durch Sternkonstellationen bestimmt wurden. Die weibliche »Idee« wurde durch den männlichen »Plan« (engl. concept, , von lat. conceptum: Begriff, Auffassung) ersetzt; dieses Wort hatte ursprünglich die gleiche Bedeutung wie »Empfängnis« (von lat. concipere semina: das Aufnehmen des Samens).

Die frühchristliche Gnosis betrachtete den Schöpfergott dessen ungeachtet als bloßen Demiurgen, als Kind der Großen Mutter, die seinem Geist all jene Ideen eingab, die er dann als Dinge in der materiellen Welt erschuf. Sein Frevel bestand darin, diese Schöpfungen für sich selbst zu beanspruchen, weil er, wie Clemens von Alexandria schrieb, »durchaus keine Kenntnis von den Ideen des von ihm Erschaffenen und von der Mutter selbst hatte«. Die Vorstellung eines Gottes, der gegenüber der Großen Göttin der (Tod-) Sünde der Hybris schuldig war, trat wiederholt bei gnostischen Gruppen auf; schließlich erklärte die rechtgläubige Kirch den Gedanken für häretisch und unterdrückte so mit Gewalt die Ansichten seiner AnhängerInnen.

Erklärung am rechten Rand des Texte für "Demiurg":
Aus der platonischen Philosophie übernommene Bezeichnung für den »Weltbaumeister«. Den Gnostikern galt der Demiurg als der Erlösung durch einen höheren Gott bedürftig.

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↑  Anmerkung 1
neben den oben bereits genannten Seiten wird dieses Buch auch erwähnt in:
DER ZUKUNFTSSINN DES MENSCHEN (in HEITERE ZUKUNFT • NUN ERST RECHT » VISIONEN + ZIELE)
und in:
1. ALLES EINS? (in FRIDOLIN • MEIN FRECHES ATOMMODELL » VORGESCHICHTE » ZWEI GLEICH EINS?)
und im Lesematerial für die Physikerinnentagung 2003
"DENKMÖGLICHKEIT FÜR EIN NEUES ATOMMODELL", auf der Seite Anhang

↑ Anmerkung 2 zum Gottbild der Aschera
Im Jahr 2012 hat Matthias Heine in der Zeitung  DIE WELT einen  Artikel zur Ehrenrettung Ascheras geschrieben "Gottes geschiedene Frau heißt Aschera". Darin ist auch ein Foto von einer Statue zu sehen, die Aschera darstellen soll.
Es werden Details für die "Abschaffung" der Aschera, deren Kult Bestandteil der Volksreligion war, beschrieben.