www.brunhild-krueger.de -  Startseite » Register » Quellen-Zitate, Übersicht  » Planck, M. (2) - Zitatebanner bk - www.brunhild-krueger.de

Planck, M. (2) - weitere Zitate aus verschiedenen Quellen


Diese zum 31.12.2022 neue Seite beginne ich mit einem sehr berühmten Zitat von Max Planck aus seiner
"Wissenschaftlichen Selbstbiographie"
Johann Ambrosius Barth Verlag, Leipzig 1948, S. 22

Dem Originalzitat stelle ich dessen verhunzt-verkürzte Wiedergabe in der Mitteldeutschen Zeitung gegenüber und gebe einen kleinen Kommentar zu dem Zitat ab.

Außerdem informiere ich über das äußerst interessante Buch von J. L Heilbron
"Max Planck
Ein Leben für die Wissenschaft 1858 bis 1947“
S. Hirzel Verlag Stuttgart 1988

und gebe ein erstes Zitat aus einem Planck-Artikel von 1931 wieder

1. Die neue wissenschaftliche Wahrheit und ihre Gegner
2. Heilbron über Max Planck
3. Ein erstes Zitat aus "Neue Erkenntnisse der Physik" (1931)

1. Die neue wissenschaftliche Wahrheit und ihre Gegner (Zitat)

(oder: wie man Zitate sinnerhaltend kürzen oder sinnentstellend verkürzen kann)

Zuerst das Originalzitat von Max Planck: Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß die Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.(Ende des  Zitats)

Das ausführliche Zitat - sinnerhaltend gekürzt:
(gefunden auf books.google.de in einem Buch  von 2011 - S. 13 - eines Roland Seuhs: Moderne Schamanen: Experten, Politiker und die Wirtschaftskrise,
In einer Fußnote führt er zusätzlich das ausführliche Zitat an.)
"Eine neue wissenschaftliche  Wahrheit setzt sich nicht durch, indem ihre Gegner überzeugt werden, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben." In der Mitteldeutschen Zeitung fand ich dieses Zitat mehrmals sinnentstellend verkürzt: Die Wahrheit triumphiert nie, ihre Gegner sterben nur aus. Hier noch einmal als Kopie aus der MZ vom  15.04.2016, S. 1                                                    mz-planck-zitat-entstellt

Mein Kommentar zum Zitat von Max Planck:
Man mag von der Aussage im Originalzitat von Max Planck oder auch von dessen verkürzter Form halten, was man will - wie daraus diese völlige Entstellung werden konnte, dieser völlig unlogische bzw. sinnfreie Satz, das ist und bleibt mir ein Rätsel.
Wie dumm und gedankenlos müssen Menschen sein, die diese Verhunzung auch noch öffentlich machen.
Ich glaube, wenn Max Planck das lesen würde, könnte er nur noch seufzen:
      "Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."
Allerdings muss ich der Mitteldeutschen Zeitung und dem, der dieses Zitat ausgewählt hat, Absolution erteilen:
Diese entstellende bzw. verfälschende   Verkürzung  des Planck-Zitats habe ich auf einer Website gefunden, die Zitate sammelt.
Die MZ hat demnach nur "abgeschrieben", allerdings ohne die Richtigkeit des in dieser Sekundärquelle wiedergegebenen Zitats zu überprüfen.

2. Heilbron über Max Planck (Buch)

Auf der Suche im Internet nach einer der Arbeiten von Max Planck stieß ich im Jahr 2000 oder 2001 auf dieses Buch:
Prof. John L. Heilbron
„Max Planck - Ein Leben für die Wissenschaft 1858 bis 1947
Mit einer Auswahl der allgemeinverständlichen Schriften von Max Planck

S. Hirzel Verlag Stuttgart
1988 ISBN 3-7776-0392-9 A1

Eine der wenigen Fundstellen (Standorte) war die Bibliothek der Universität Hildesheim. Welch ein Glück für mich, damals hätte ich mir das Buch nicht kaufen können, es war ggf. sogar vergriffen, das weiß ich nicht mehr so genau.
Doch meine Nichte studierte an der Uni und lieh das Buch für mich aus.
Sehr viel später gelang es mir doch noch, ein Exemplar käuflich zu erwerben.

Der Lebensbericht, den Heilbron von Max Planck zeichnet, hat mich tief erschüttert. Welch tragisches Schicksal Max Planck und seine Familie erleben mussten, war mir bis dahin nicht im geringsten bekannt. Es würde zu weit gehen, auf dieser Zitate-Seite darauf einzugehen. Erste Notizen darüber finden sich auch im Eintrag über Max Planck in der Namensliste (im Register): Max Planck

Doch darüber hinaus hat Prof. Heilbron "Ausgewählte allgemeinverständliche Schriften" von Max Planck als Reprint in das Buch aufgenommen. Vielen Menschen, die sich für die physikalischen Erkenntnisse von Max Planck interessieren, dürften diese zumeist eher philosophischen Schriften  gar nicht bekannt sein, in denen er sich mit den erkenntnistheoretischen Grundlagen der Physik im weitesten Sinne befasst.
Diese Schriften sind besonders interessant, da sie die damaligen erkenntnistheoretischen Fragen und Probleme der Physik sehr schön widerspiegeln.

Ich nenne als Beispiele die Titel einiger der insgesamt 19 Reprints:
                 • Neue Erkenntnisse der Physik (1931)
                 • Die Einheit des physikalischen Weltbildes (1909) 
                 • Der Kausalbegriff in der Physik (1932) 
                 • Vom Wesen der Willensfreiheit (1936)  
                 • Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft (1942) 

Ein erstes Zitat stelle ich vor aus :

3. "Neue Erkenntnisse der Physik" (1931)

Die paradoxe Situation im Zusammenhang mit der Frage, ob das Weltall "endlich" oder "unendlich" ist, ist ja bekannt:
Weder die eine noch die andere Antwort ist "befriedigend", jede für sich ist bereits in sich widersprüchlich. Erst recht können nicht beide Antworten gleichzeitig richtig sein, das widerspricht unserem logischen Denken.

Zu diesem Problem hat Max Planck in dieser kleinen Schrift von lediglich 3 Seiten einen interessanten Gedanken geäußert (fette Hervorhebung von mir - B.K.): Welches sind die neuesten Erkenntnisse über das Weltall? Sie wissen wohl, daß sich das Weltall - unseren neuesten Beobachtungen nach - ständig ausdehnt. Die Sternennebel entfernen sich immer mehr von uns, die Beschaffenheit der Welt ist also keineswegs unveränderlich. Eine Vorbedingung für die Vergrößerung des Weltraums ist die Endlichkeit des Weltalls; denn das Unendliche kann sich ja nicht vergrößern, sondern nur etwas, was eine bestimmte Größe hat. Mathematisch ist aber unser Standpunkt heute jener, daß das Weltall nicht unendlich, sondern etwas Meßbares ist, dessen Dimensionen sich eben ausdehnen. Nach gewissen Berechnungen beträgt der Halbmesser des Weltalls derzeit 3000 Millionen Lichtjahre.“ Ein Zeichen für die Ausdehnung des Weltalls: die „Flucht“ der fernen Sternennebel, der sogenannten galaktischen Systeme, von uns geschieht einer Geschwindigkeit von 1800 - 11 000 Kilometer in der Sekunde. Daß sich der Weltraum aber nicht nach einer Richtung allein, sondern in Kugelform ausdehnt, ist daraus zu ersehen, daß die Sternennebel sich nicht bloß von der Erde, sondern auch voneinander entfernen, ähnlich wie sich die auf die Oberfläche gemalten Flecken eines Gummiballes voneinander entfernen, wenn man ihn aufbläst. Die Vergrößerung des Weltall-Durchmessers steht demnach in geradem Verhältnis zur Zunahme der Entfernung der Sternennebel untereinander. Je weiter die galaktischen Systeme von uns und den anderen Sternennebeln wegeilen, desto größer wird das Weltall. …
Tatsache ist jedenfalls, daß das Weltall in ständiger Evolution und niemals in Ruhe ist. Diese ganze Theorie ist auch dazu angetan, Antwort auf die alte Frage zu geben: Was geschieht mit den ungeheuren Energien, die durch die Sternenstrahlen ins Weltall geschleudert werden? Durch die Ausdehnung des Weltalls verringert sich die Auswirkung dieser Energie immer mehr. Wie lange die Ausdehnung des Kosmos noch dauern wird, können wir natürlich nicht wissen. ...“
Im Buch von Heilbron steht diese Schrift auf den Seiten 286 bis 289. Zuerst veröffentlicht worden war sie im Jahr 1931 in der Illustrierten  "Die Woche".

Der Artikel ist in Form eines Interviews verfasst, bei dem "F", eine nicht namentlich genannte Person, fünf Fragen an den Geheimrat stellt, die diese inhaltlichen Schwerpunkte haben:
1. Aufschwung der physikalischen Forschung in der Nachkriegszeit
2. ob die Naturgesetze wirklich unwandelbar, nur immer anders ausgedrückt sind, oder ob sich die Naturphänomene nicht doch ändern können
3. die bedeutsamsten Erkenntnisse unter dem Gesichtspunkt ihrer praktischen Ergebnisse
4. Durch welche Methode befreit der Physiker die Atomenergie?
5. Welches sind die neuesten Erkenntnisse über das Weltall?


  Anmerkung A1
Prof. John L. Heilbron (* 1934) ist ein US-amerikanischer Wissenschaftshistoriker. Sein Spezialgebiet sind die Geschichte der Physik und der Astronomie. Dass das Buch eine Übersetzung aus dem Amerikanischen ist, steht im Buch selbst, doch ist kein amerikanischer Originaltitel angegeben.

Eine aktuelle Recherche zeigte mir dieses Buch von Heilbron:
The Dilemmas of an Upright Man: Max Planck and the Fortuness of German Science
Die Dilemmata eines aufrechten Mannes: Max Planck und die Schicksale der deutschen Wissenschaft.
(Den Titel habe ich mittels google-translate übersetzt; es ist erstmals 1986 erschienen und im Jahr 2000 mit einer Ergänzung veröffentlicht worden.)
Aus Textvergleichen mit einer Inhaltsanzeige auf books.google.de schlussfolgere ich, dass "The Dilemma ..." nur den ersten Teil - den Lebensbericht von Max Planck - enthält, nicht jedoch die Reprints seiner Texte.

Das o. g. Buch ist inzwischen in 2. Auflage im Jahr 2006 erschienen - zum Preis von 48,00 Euro.

Seitenversion: neu 31.12.2022
URL:  www.brunhild-krueger.de/bk1-register/bk14-zitate/bk14zitate_planck2.html