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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

WORTSAMMLUNG VON A BIS Z  - U


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(1) Im ersten Teil werden den einzelnen Wörtern dieser alphabetischen Sammlung "Schubkästen" zugeordnet. Sind diese Wörter als Link erkennbar, führt der auf den zweiten Teil weiter unten.
Wenn es gedankliche Verbindungen zu weiteren Wörtern gibt,  wird in "siehe auch" auf dieses Wort innerhalb der Wortsammlung verlinkt.

(2) Detailliertere Informationen zu einzelnen Wörtern folgen im unteren Teil der Seite. Dort werden - wenn möglich - die Quellen genannt.
Gelegentlich wird auf einen ausführlicheren Text in einem anderen Thema dieser Website verlinkt - siehe "ausführlich in".





Die Hauptquelle meiner Wortsammlung ist die "Mitteldeutsche Zeitung"(Quellenkürzel "MZ"), die Regionalausgabe für Wittenberg und Gräfenhainichen - nähere Angaben siehe Quelle MZ.


Das Wort (1) Schubkasten siehe auch
Über-, über-
(z. B. Überangebot, Überflieger)
   
Überfremdung,  Angst vor Überfremdung, Überfremdungsängste,
Überfremdung Deutschlands (nicht in Anführungsstrichen in meiner Tageszeitung)  
  Kultur (falsche kulturelle Kompromisse)
Umkleidekabinen-Trashtalk (Trump redete schlecht über Frauen und nannte das dann so) euphemisch  
Umweltverträglichkeitsprüfung, Gesetz über die ...  (UVPG) (28) Gesetz,
gaanz laange Wörter
 
Übernahmepoker markt-deutsch  
Unbedenklichkeitsbescheinigung, ärztliche (29) amts-deutsch,
gaanz laange Wörter
 
unbelastet (vom Acker bis zum Spitzenpolitiker)    
Unfehlbarkeit, Unfehlbarkeitsfrage, Unfehlbarkeitslehre     
Ungehorsamkeitsarrest lti-sprech  
Ungerechtigkeitsgefühl    
Ungereimtheiten    
Ungleichbehandlung    
Unrechtsstaat    
Unsitte beschönigend  
unter-, Unter- beschönigend  
Unterrichtsversorgung    
Urgestein mode-deutsch  
Urlaubsverweigerer       
Urnengemeinschaftsanlage    
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Das Wort (2)

Details / ggf. Quellenangaben

ausführlich in:
Ungehorsamkeitsarrest Das ist ein mir völlig neues Wort: Ungehorsamkeitsarrest.
Zum ersten Mal habe ich es zur Kenntnis nehmen müssen in der MZ vom 20.02.2017 auf S. 1. Das Wort "ungehorsam" habe ich schon so lange nicht  mehr gehört, dass ich es fast schon für im Aussterben begriffen hielt.  Eher denkt man dabei wohl an diverse ausgefallene Sexspielchen als an Strafen für "ungehorsame" Schüler.
In dem großen MZ-Artikel "Eltern zahlen viel Geld für Schwänzer" erfährt man:
"Auch hohe Strafen können Schüler nicht abschrecken", die Schule zu schwänzen. Sie sind dann "Schulverweigerer". Das sind sie schon bei einem Tag unentschuldigten Fehlens.
Der auf maximal eine Woche begrenzte Arrest greift aber erst als letzte Maßnahme, wenn andere Strafmaßnahmen nicht zum Erfolg geführt haben: wenn weder Bußgeld gezahlt wurde noch Sozialstunden erbracht. Im Jahr 2015 waren davon in Sachsen-Anhalt übrigens 166 "Schulschwänzer" betroffen
Man erfährt noch, dass Sachsen-Anhalt im Programm "Schulerfolg sichern" 118 Millionen Euro (seit wann?) bis 2020 ausgeben will - für Schulsozialarbeit mit 413 Schulsozialarbeitern, also eine  solide Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Angesichts des akut grassierenden Lehrermangels in Sachsen-Anhalt (von etwa 500 ist die Rede) werden einige Gedanken laut, die ich mir hier aber verkneife.
Mit einer gesetzlich verordneten und durchsetzbaren Schulpflicht bis zum Exzess (pardon Arrest) muss man über die Qualität des Schulunterrichts nicht mehr diskutieren.

Die Recherchen bei Google (Stand 20.02.2017) erbrachten 42 Fundstellen (bzw. bei Anzeige auch der übersprungenen insgesamt 203), die auf den ersten Blick älteste ist vom Februar 2005.
Erste Informationen lassen vermuten, dass er bei verschiedenen kriminellen Delikten verhängt werden kann - und dann nicht nur für eine Woche.
Auf www.arrest-im-kieferngrund-ev.de/arrestgeschichte.html »externer Link«
gibt es eine "Geschichte des Arrestes", in der man auch mehr über diesen "Ungehorsamkeitsarrest" erfährt. Auf der Seite werden Gesetze und Richtlinien aufgelistet.
Der Ungehorsamkeitsarrest  stammt  offenbar bereits aus dem Jahr 1943. Im Zitat wird zuerst die Verordnung von damals genannt, dann folgt eine Erklärung aus der Gegenwart:
06.11.1943 Verordnung über die Vereinfachung und Vereinheitlichung des Jugendstrafrechts (Jugendstrafrechtsverordnung) mit Reichsjugendgerichtsgesetz (RJGG)
Der Jugendarrest wurde in dieses Gesetz neben den Erziehungsmaßregeln und der Strafe als zusätzliche Komponente "Zuchtmittel" integriert. Dabei wurde allerdings die Rangfolge aus dem Jugendgerichtsgesetz von 1923 umgekehrt: an erster Stelle stand nun die Strafe, danach kamen die Zuchtmittel und erst an letzter Stelle die Erziehungsmaßregeln. Der bisherige "Wochenendkarzer" wurde in "Freizeitarrest" umbenannt und zusätzlich der "Kurzarrest" eingeführt. Kurzarrest bis zu 3 Tagen und Freizeitarrest konnten gleichzeitig verhängt werden. Neu war auch der "Ungehorsamkeitsarrest", der bei schuldhafter Nichterfüllung von Pflichten und Weisungen ohne weitere Gerichtsverhandlung angeordnet werden konnte.


















(Der Beitrag enthält weitere Informationen über Jugendarrest und Ungehorsamkeitsarrest nach 1945)
Fazit:Zucht, Ordnung, Disziplin und Gehorsam sind nun einmal gute alte deutsche Tugenden und Werte.
Ach ja,  oben in der Übersicht habe ich dieses Wort in den Schubkasten "lti-sprech" gepackt. Was damit gemeint ist, kann man auf der Seite
→ DIE "SCHUBKÄSTEN"-ÜBERSICHT nachlesen.
 
Unsitte Oben habe ich dieses Wort unter "beschönigend" ("euphemisch") eingeordnet. Ehe ich das Beispiel nenne, das mich zu dieser Meinung in diesem konkreten Fall hat kommen lassen, will ich herausfinden, was allgemein unter "Unsitte" verstanden wird. Mein "Sprachgefühl" hat mich nicht getäuscht, vermutet hatte ich etwas in Sinne "schlechte Angewohnheit", also so etwas wie eine "lässliche Sünde" - schlecht, aber nicht wirklich schlimm. Auf der sehr informativen Website synomyme.woxikon.de externer link (der Link führt direkt auf "Unsitte") finden sich Wortbedeutung, Synonyme, Antonyme. In diesem Fall steht dort:
1. Bedeutung: schlechte Angewohnheit
Als Synonyme werden genannt:
Fehler, Laster, Schwäche, Unfug, Ungezogenheit, Unmanier, Unsitte, Untugend, Frechheit, Impertinenz, Rüpelei, schlechtes Benehmen, unschönes Betragen, Unart.

Nun wenden Sie diese Bedeutungen spaßeshalber einmal auf diesen Anwendungsfall an:
In dem Artikel der MZ vom 09.06.2016 auf S. 28 geht es um den "Sammelwahn" der Kinder rund um die Fußball-EM. Ein italienisches Unternehmen - Panini - hat sogar an Schulen Sammelhefte verteilt, in die dann Sticker geklebt werden können. Das passiert dann in der Schule, offenbar sogar während des Unterrichts.
Hier nun das mir wichtige Zitat aus der Zeitung (Hervorhebung im Text von mir - B. K.):
»Über eine Agentur hatte der Verlag deutschlandweit etwa 2 500 Schulen mit Fußball-Sammelheften versorgt. Lehrer konnten diese kostenlos an die Schüler verteilen.
Für Panini stellt dieses Vorgehen kein Problem dar. Verbraucherzentralen sehen diese Praxis allerdings kritisch. „
Es ist eine generelle Unsitte, die Mittelknappheit der Schulen für Werbezwecke auszunutzen“, kritisiert Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen.«
Aus meiner Sicht ist die Ausnutzung einer Notlage eines anderen keine läppische "Unsitte", sondern kriminell, nämlich Nötigung bzw. Erpressung.
 
unter-, Unter- Unterernähung, unterernährt
unterfinanziert (ist z. B. der Pflegebereich)
Unterhalt, Unterhalts-Sünder, Unterhaltsverweigerer,  
Unterhaltsvorschuss, Unterhaltsvorschusskasse
unterkomplex (ausführlicher siehe weiter unten)
unterprivilegiert,
Unterschichten,
Unterstützungsunterschriften
unterversorgt, 

"unterkomplex"
Da bin ich ganz schön ins Staunen gekommen, als ich diese Wort gelesen habe. Vermutlich nicht als erster Mensch benutzt hat es der Chefredakteur des Internetportals "stern.de", Philipp Jessen, und wiedergegeben hat diesen Sprachpunsch* das Internetportal der Süddeutschen Zeitung am 12. Februar 2016:
www.sueddeutsche.de/medien/neue-frauenzeitschrift-frei-~ externer link
Im Zusammenhang mit der im Februar 2016 gestarteten (und bereits im Juni 2016 wieder eingestellten) Frauenzeitschrift "frei!" meinte der Herr Jessen:
"Die Titel in diesem Segment sind teilweise journalistisch und haptisch unterkomplex, da sehen wir eine Marktlücke."
Auch wenn man dieses Zitat in einem längeren Textauzug darstellen würde, wird das Wort "unterkomplex" nicht besser. Selbsterklärend ist trotzdem in gewisser Weise. Ich vermute einmal, er meinte, dass die meisten Frauenzeitschriften einfach niveaulos bzw. anspruchslos seien.

* Das Wort "Sprachpunsch" habe ich soeben beim Textschreiben "erfunden". Vielleicht ist es selbsterklärend, ansonsten will ich meine "Hintergedanken" offenbaren:
Punsch ist ein Getränk, das man trinkt, um sich schnell aufzuwärmen und schnell besoffen zu werden.
Da ich den Eindruck habe, dass Herr Jesse die Leser " besoffen quatschen" will, halte ich das Wort für durchaus geeignet.
zu "unterernährt" und "unterprivilegiert" mehr in  KEINE PUPPE, ES IST NUR ...
(im KLATSCHWEIB)
 
Seitenversion: erg. am 04.10.2017
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr1-wortsammlung/spr1_u.html

 
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