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1. Wenn einem das Lachen vergeht ... - Der Volksmund über das Lachen : erkennt man am Lachen den Narren?

Wenn einem "das Lachen vergeht", dann ist man krank, hat Sorgen, Ärger oder Ängste. Es ist ein schlimmer Zustand, wenn einem das Lachen vergangen ist, wenn es einem "im Halse steckenbleibt", wenn man "nichts zu lachen" hat. Es gibt auch ein "böses Lachen", aber das hat wohl weniger mit Lachen zu tun als mit "böse sein", verärgert sein, unglücklich sein. Das Lachen verstärkt dann durch den Gegensatz die Wirkung. Es ist ein "falsches Lachen". Auch "spöttisches Lachen" ist möglich, ein freundlicher Mensch hat vielleicht ein "gutmütiges Lächeln" auf den Lippen, ein trauriger Mensch wird getröstet und "lacht unter Tränen". Ein anderer "lacht sich krumm und schief".
Auch das "dumme Lachen", das "irre Lachen" und das "wahnsinnige Lachen" sollen nicht verschwiegen werden.
Eigentlich ist Lachen etwas, das glücklich macht und umgekehrt: wenn man glücklich ist, "hat man gut lachen".
Es gibt das "herzhafte Lachen", das "stille Lächeln", "brüllendes Gelächter". Auch Aussagen wie "Ich lach mich tot!" treten auf, ohne dass die angekündigte Folge tatsächlich eintrat. Eine Foltermethode soll es gewesen sein, dem Deliquenten Salz auf die Fußsohlen zu streuen und dieses von einer Ziege ablecken zu lassen.
Nicht vergessen sein soll eine ganz wichtige Seite des Lachens: das "befreiende Lachen" bzw. das "erlösende Lachen".

Die Übergänge zwischen Gelächter, Lachen und Lächeln sind fließend, die Unterschiede zwischen den drei Spielarten des Lachens wären eine extra Betrachtung wert.
Fakt ist, dass Lachen und Lächeln sich ganz schnell "vermehren" kann: ein Lächeln erzeugt als "Gegenreaktion" bei den meisten Menschen ebenfalls ein Lächeln. Lachen ist "ansteckend". Es gibt "Lachkrämpfe" (nicht mehr kontrollierbares und beendbares Lachen), sogar "Lachepidemien", bei denen Menschengruppen "aus dem Lachen gar nicht mehr herausgekommen" sind, soll es bereits gegeben haben.

Das Lachen ist bei ersthaften Menschen verpönt, sie sagen:
"Am Lachen erkennt man den Narren."
Ich finde, damit machen sie sich selbst zum Narren. Haben sie Angst, sich eine Blöße zu geben, wenn sie lachen?
Solche Menschen können Lachen als Provokation empfinden und dann sehr, sehr böse werden! Man kann ihnen nicht helfen. Man hilft sich selbst, indem man ihnen aus dem Weg geht.
Wenn es heißt "das Tier lacht nicht", könnte man also vermuten, dass der lach- und humorfähige Mensch in der Evolutionsstufe etwas noch vor dem lachenden Menschen kommt, aber diese Aussage ist ja falsch: Und wie Tiere "lachen" können, witzige und komische Situationen als solche erkennen können!
Was jedoch die Evolution betrifft, behaupte ich ja andererseits mit meiner "HEITEREN ZUKUNFT", dass der lachende, der heitere, der humorfähige Mensch einen Evolutionsvorteil hat.


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2. Lachbewegungen, Weltlachtag und
eine Geschichte über Lachen als Lebensrettung

Inzwischen gibt es weltweit eine "Lachbewegung", "Lachclubs", "Lach-Yoga".
So weit ist es mit unserer Ernsthaftigkeit schon gekommen, dass wir das Lachen erst wieder lernen müssen. Es geht auch um die Fähigkeit, "ohne Grund" lachen zu können, einfach aus sich selbst heraus.
Der Dalai Lama ist sozusagen die Personifikation ewigen grundlosen Lächelns. Das mag vielen Deutschen befremdlich erscheinen.

Trotz allem hat sich auch in Deutschland eine solche Lachbewegung herausgebildet.
Leider wird die Seite www.lachbewegung.de"zur Zeit" (seit April 2016, Stand November 2016) überarbeitet. Ich will sie trotzdem hier nicht unerwähnt lassen.
Weitere Informationen - speziell zum "Lachyoga" gibt es z. B. unter
www.lach-doch-mit.de externer link
und
www.lachclub.info externer link:

Auf dieser letztgenannten Website erfährt man z. B., dass der "WELTLACHTAG" immer am 1. Sonntag im Mai stattfindet:
       - 07.05.2017
       - 06.05.2018

Er wird im Jahr 2017 bereits zum 18. Mal gefeiert. Die Losung der "Lachyoga Internationale" ist "WELTFRIEDEN DURCH LACHEN".
Es gibt eine Veranstaltungsübersicht  über Veranstaltungen in Basel, Berlin, Bonn, ..., Zürich: Lachparaden
In Deutschland - so erfahre ich dort - gibt es inzwischen 221 Lachclubs (oder mehr).
Der Gründer der Yoga-Lachbewegung (Laughter Yoga International), Dr. Madan Kataria, hat eine Botschaft veröffentlicht. Die pdf mit dieser Botschaft kann hier eingesehen werden.
Nur einen Satz aus dieser Botschaft will ich hier zitieren:
Wir glauben: “Wenn Du lachst, veränderst Du Dich, und wenn Du Dich veränderst, wird sich die ganze Welt um Dich herum verändern.”

Die beiden Logos habe auf dieser e. g. Website und auf www.lachclub-kh.de (des Lachclubs von Bad Kreuznach) gefunden:
 Weltlachtaglogo2 Weltlachtag-Logo1

Ich sehe meine Idee der "Heiteren Gesellschaft", der "Heiteren Zukunft" bei ihnen gut umgesetzt, ohne dass sie von dieser meiner Idee wissen.
SO verbreitet sich meine Idee: Empirisch aus dem eigenen Empfinden heraus suchen Menschen nach Lachen, Freude, Heiterkeit.
Diese Idee des Weltlachtages ist eine wunderbare Umsetzung meines Anliegens.
Weitere Informationen über den Weltlachtag gibt es z. B. hier:
weltlachtag.wordpress.com/ externer link


In einem Buch über Wilhelm Busch und die Lebensweisheit seiner Sprüche, die vielfach in den Volksmund übergegangen sind, las ich folgende Geschichte (von mir stark gekürzt sinngemäß wiedergegeben): Eine Urwaldexpedition war vom Weg abgekommen, hatte die Orientierung verloren, nichts mehr zum Essen, die Kräfte schwanden, jeden Tag wurde es schwieriger, aufzustehen und doch noch weiterzugehen. Die Hoffnung schwand, das "Es-hat-ja-alles-keinen-Zweck"-Denken ließ sich immer weniger unterdrücken. Bisher hatte es der Expeditionsleiter immer noch geschafft, morgens die anderen zum Aufstehen zu bewegen, doch dann kam der Tag, an dem das Ende erreicht schien. Alle blieben liegen, keiner fand die Kraft, als erster aufzustehen. Auf einmal hörten die anderen von dem einen Lager ein lautes Lachen. Natürlich schauen alle auf den Lacher, der erklärt, ihm sei folgender Spruch von Wilhelm Busch in den Sinn gekommen:
                     Hinderlich, wie überall,
                     ist hier der eigne Todesfall.

Auch die anderen schüttelte es vor Lachen, doch nun fanden sie die Kraft, aufzustehen. Die Rettung nahte .... (Sonst wäre die Geschichte ja nicht weiter erzählt worden.) In dem Buch wird sich übrigens nicht unbedingt für den Wahrheitsgehalt der Geschichte verbürgt, doch dass Humor eine Lebenskunst ist, die das Leben leichter macht, dürfte sich allgemein herumgesprochen haben. Und auch das hübsche Wörtchen "Galgenhumor" hat es wohl in sich ....


 
 

3. Eine kleine Sprach-Betrachtung

Der Duden, Band 7 [Quelle Duden7], das Herkunftswörterbuch, behauptet zwar, dass das Wort Lachen lediglich lautmalerischen Ursprungs sei und mit "gackern", "schreien, krächzen" zusammenhängen könnte. Ich sehe noch eine andere Verwandschafts-Möglichkeit: "Lache" hat zwei Bedeutungen - einmal die Substantivierung des Verbes "lachen" und zum anderen steht es bekanntlich für eine Pfütze, eine kleine Wasseransammlung. Diese "Lache" könnte nun durchaus mit dem lateinischen Wort "lacuc" für "Wasseransammlung, See" zusammenhängen. Das assoziiert bei mir das Wort "Humor", das vom lateinischen "humor" kommt, das soviel wie "Feuchtigkeit" bedeutet. Doch in anderen Sprachen gibt es diese Doppeldeutigkeit des Wortes Lache wohl nicht.

Das Lachen in anderen Sprachen:
Im Griechischen heißt Gelächter GELOS.
Im Englischen heißt lachen "laught" und lächeln "smile". Dort wird also schärfer zwischen beiden Regungen getrennt.
Aus dem Lateinischen kommt der "homo ridiculus" - der lachende Mensch.


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4. Entwaffnendes Gelächter - eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg

Diese Geschichte hat Daniil Granin, ein sowjetischer Schriftsteller, aufgeschrieben. Deutsche und sowjetische Soldaten treffen sich überraschend, es kommt zu einer komischen Situation, alle lachen. Die absurde Situation beschreibt  Granin so:

"Die Deutschen lachen, und unsere hocken auf der anderen Seite und lachen ebenfalls. Und keiner schießt. Auch als sie aufgehört haben zu lachen, schießt keiner, weil man eben, wie es sich zeigt, nicht aufeinander schießen kann, wenn man miteinander gelacht hat. Unsere robben in der einen Richtung weiter, die Deutschen in der anderen, und so trennten sie sich.“

"Weil man nicht aufeinander schießen kann, wenn man miteinander gelacht hat" - was für ein bemerkenswerter Satz!

Die ausführliche Geschichte, in der es auch um japanisches und amerikanisches Lachen geht, stelle ich auf deiser Seite vor: GRANIN, D. (in DIE BESTEN GEDANKEN » GESELLSCHAFT)


 
 

5. Über sich selbst lachen

Heitere Menschen können sogar „über sich selbst lachen“ – über ihre eigenen Fehler und Dummheiten, ihre Irrtümer und Mißverständnisse. Sie machen mit diesen Dingen genau das, was wert sind: Sie nehmen sie nicht allzu ernst.


 
 

6. Zur Geschichte des Lachens

Irgendwo fand ich folgendes Buch erwähnt:
Le Goff, J.:
Das Lachen im Mittelalter
Klett-Cotta, 100 S., 14,00 Euro
Leider besitze ich das Buch nicht und habe es noch nicht gelesen. Ich kann hier also nur einen (älteren) Text über das Buch wiedergeben, von dem ich nicht einmal die Quelle benennen kann:

„Hat Jesus gelacht? Kann Gott überhaupt lachen? Verspottet der lachende Mensch denn nicht die Weltordnung?“ so fragten sich besorgte Mönche und Gelehrte. Anschaulich schildert Le Goff die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft und setzt es in die größeren geschichtlichen Zusammenhänge."

Zumindest scheint es interessant zu sein, sich ausführlicher mit der Geschichte des Lachens zu befassen. Mir fehlt die Zeit dafür.
Sollte jemand von Ihnen mehr über die Geschichte des Lachens wissen, bin ich gern bereit, Ihren Text (natürlich unter voller Nennung Ihres Namens!) hier mit einzustellen.
Es wäre mir eine große Hilfe und sicher würden sich auch andere Besucher dieser Website darüber freuen.


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7. Spöttisches Lachen kann gefährlich sein

Die Grenze zwischen dem gutmütig-harmlosen spöttischen Lachen und dem höhnischen Lachen ist fließend.  Spöttisches Lachen fällt noch in den "Heiterkeitsbereich".
Doch es gibt auch das höhnische,  das böse, das herablassende, das abwertende, das arrogant-überhebliche, das zynische  (usw.) Lachen, was zwar Lachen heißt, aber nichts mit Heiterkeit zu tun hat:
Wie boshaft die chinesische Prinzessin gelacht haben mag, als sie über ihren Vater, den Kaiser spottete, ist nicht überliefert. Sie soll sich über seine Politik lustig gemacht haben. Das kostete sie das Leben, denn ihr Vater verstand natürlich keinen Spaß, schon gar nicht einen auf seine Kosten.

Wie heißt es im Volksmund so schön? Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Warum empfinden manche Menschen so eine Genugtuung und Schadenfreude, wenn es anderen schlecht geht?

Aktuell sei an die Diskussion um den "Majestätsbeleidigungs-Paragraphen" erinnert und die Frage, wie weit Satire gehen kann und "darf". 
Ich denke, auch in der Satire (und bei dem, was sich dafür ausgibt), gibt es Unterschiede: von freundlich-kritischer für die kleinen Schwächen der lieben Mitmenschen bis zu heftig-kritischer, aufrüttelnder, bloßstellender Satire für die schlimmen Dinge dieser Welt ist alles berechtigt. Wo aber Satire nur noch für Bösartigkeiten missbraucht wird, wo das Beleidigen und Verhöhnen zum Selbstzweck wird, verliert auch Satire ihren Daseinszweck, verkehrt sie ihr Anliegen in das Gegenteil.
Ein Satiriker, der auf sich hält, vermeidet sicher primitiven Spott. Ein bisschen Geist sollte er schon investieren, damit das Publikum echtes Vergnügen empfindet. Dieses schenkelklopfende Lachsalven provozierende Nachahmen von Angela Merkel ist zwar vom "Recht auf Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit" gedeckt, aber ob es wirklich ein hohes satirisches Niveau hat, steht auf einem anderen Blatt.
Es ist wie beim Essen: die einen stopfen alles  wahllos in sich rein, die anderen können genießen.
Auch das (spöttische) Lachen ist eine Kunst, die man genießen kann, die man jedoch vor allem pflegen und verfeinern sollte.




siehe auch
MAJESTÄTS- BELEIDIGUNG
(über Böhmermann und Erdogan -
in
EINMISCHUNGEN
» SATIRICELLA)
 

8. Passen Politik und Lachen zusammen?

Es passiert nicht oft, dass im politischen Bereich richtig herzhaft-fröhlich gelacht werden kann. Noch nicht. Ich hoffe ja, das wird sich irgendwann ändern und die Arbeit für Politiker auch einmal freudvoller, fröhlicher werden. Bis dahin begnügen wir uns mit den kleinen Brocken, die der eine oder andere Politiker - allen voran Bundestagspräsident Norbert Lammert - gelegentlich mal von sich gibt.
Die folgende Uralt-Nachricht will ich erwähnen, weil sie einen äußerst wichtigen Kommentar zum Lachen enthält:

Die gemeinschaft-stiftende Wirkung des Lachens
„Die Welt“ vom 7. Juli 2001 bot folgende Überschrift:
„Lachen im Plenum – eine ernste Angelegenheit“
Die Heiterkeit im Deutschen Bundestag stiftet Gemeinschaft – so kommt ihr eine »manifeste politische Dimension« zu“

In dem Text von Daniel Friedrich Sturm heißt es, Politik sei „ein ernstes Geschäft“. Er beschäftigt sich mit einem Beitrag des Politikwissenschaftlers Marcus Hoinle , den er unter der Überschrift „Heiterkeit im ganzen Haus“ in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ über das parlamentarische Lachen veröffentlicht hat. Hoinle meine, „der Homo politicus sei stets zugleich ein Homo ridiculus . und „Mit ihrem Gemeinschaft stiftenden und kommunikativen Charakter komme dem Lachen eine »manifeste politische Dimension«zu. Für Prozesse von Gruppenbildung und Kommunikation sei es von großer Bedeutung.“
sowie Heiterkeit „lockert eine angespannte Atmosphäre auf“. Natürlich ist manches Lachen auch eingeplant, kalkuliert. Denn „Wer die Lacher auf seiner Seite weiß, partizipiert an der Überlegenheit der Lachenden und braucht letztlich weniger Argumente vorzuweisen.“
Der Text weiß jedoch auch zu berichten, dass die Verunglimpfung anderer Personen auch Lachen hervorrufen kann. Es besitzt also zwei Gesichter: „Es bildet Gruppen und grenzt zugleich aus, es greift an und verteidigt, es täuscht und enthüllt, es stiftet sowohl Unruhe als auch Ordnung, es entspannt und bedroht, es deklassiert und erhebt, es vereinnahmt und motiviert.“ -
Es bildet „das Fundament einer öffentlichen, ritualisierten parlamentarischen Lachkultur im Bundestag.“

Lachkultur - das Wort hat es in sich!

PS: Homo riduculus -  das ist natürlich der lachende Mensch.


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9. Woran man gut tut - eine uralte Weisheit:
die "heitere Gelassenheit"

Longchenpa, ein buddhistischer Mönch des 14. Jahrhunderts, hat das Prinzip der "heiteren Gelassenheit" so begründet:

   Woran man gut tut
   Da alles Erscheinung ist, vollkommen im Sein,
   was es ist, nichts mit gut und böse zu tun hat,
   mit Anerkennung oder Ablehnung;
   tut man gut daran, laut aufzulachen.


 
 

10. Kann Lachen eine Waffe sein?

In dem Roman von Rosemarie Schuder über Paracelsus
Paracelsus und der Garten der Lüste
Rütten & Loening Berlin
(1. Auflage 1972, 2. Auflage 1973)
fand ich die Formulierung vom "angreifenden Lachen der Vernunft".
Gegen wen oder was richtet sich ein solches Lachen?

Besonders "Machtmenschen" mögen allergisch  gegen das Lachen sein. Meist geht ihnen sowieso jeglicher Humor ab, ernsthaft-verbissen wachen sie über ihre Macht, empfinden oft schon ein kleines Gelächter als bedrohlich. Es könnte ja sein, da will  jemand sie und ihre Macht verspotten, also angreifen.

Doch dieses spöttische Lachen ist mit dem "angreifenden Lachen der Vernunft" gar nicht einmal vordergründig gemeint.
Es geht dabei um das Belächeln historisch überlebter Ansichten, das Lachen über offenkundige Dummheit, das Verspotten der "Ewiggestrigen" und immer "Unbelehrbaren", der Miesmacher, der Sauertöpfe, der Griesgrame, die niemandem eine Freude gönnen (weil sie sich selbst nicht richtig freuen können?).

Folgender Gedankengang macht das sehr schön anschaulich, was mit dem "Belächeln von Dummheit" gemeint ist:
Sagt ein gottgläubiger Mensch zu einem Atheisten: "Es gibt einen Gott.", lächelt der Atheist nur.
Es gab Zeiten, wenn da jemand gesagt hat: "Es gibt keinen Gott.", haben gottgläubige Menschen in einer Art reagiert, die lebensgefährlich sein konnte. Das "überlegene Lächeln" über den "dummen Atheisten" hatten sie leider nicht drauf.

Erst wenn man über eine Sache lachen kann, hat man sie wirklich verarbeitet.
Ein souveräner Mensch kann über sich selbst und seine Fehler lachen. Man kann "unter Tränen lächeln", man kann "lächelnd verzeihen". In all diesen Beispielen zeigt sich, dass Lachen als Lebenshilfe, als "Waffe" gegen schlimme Ereignisse und emotionale Tiefs sehr hilfreich sein kann.

Jemand sagte einmal, die Kunst bestehe darin, heiter (bzw. lächelnd) von der Vergangenheit zu scheiden. ...
Manchmal denke ich, es wird ein tosendes Gelächter geben, wenn die nächsten Generationen sich über unsere Dummheiten in der heutigen Zeit amüsieren werden ...

PS: Kann denn Lachen Sünde sein?


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11. Komik, Satire, Humor

Die "ernste" Kunst gilt als die erhabener, wertvollere gegenüber der Unterhaltungskunst, die einfach nur Freude verbreiten will.
Doch es ist viel leichter, einen Menschen zum Weinen zu bringen als zum herzlichen Lachen.
In diesem Sinne ist die Kunst, die Heiterkeit, Freude, Lachen produziert, für die "heitere Gesellschaft" die wichtigere. Deshalb lohnt es sich auch, sich etwas ausführlicher mit ihr zu befassen.
Ich habe gerade erst damit begonnen und als erstes gefunden habe ich einen Satz von Robert Gernhard: "Das Gedicht ist die kürzeste Form, komisches zu transportieren."
Ein kürzlich mir zugelegtes Buch des "Heiterkeitspapstes der DDR", Gerhard Branstner [siehe Namensliste » Branstner], - ein sehr ernsthaftes Buch (!) - gibt dessen Dissertation aus dem Jahr 1959 wieder:
Kunst des Humors - Humor der Kunst
Beitrag zu einer fröhlichen Wissenschaft

Bei aller historischen Gebundenheit seiner Ausführungen enthält das Buch doch Anfänge einer "Humor-Wissenschaft" oder "Heiterkeits-Theorie", die natürlich weiter geführt werden müssen im Rahmen  der Entfaltung der "heiteren Gesellschaft".


 
 

12. Das Lachen untergräbt die Ordnung - ein Zitat des Chefredakteurs  von "Charlie Hebdo"

Ich fand es damals  - so wie viele andere auch - furchtbar, als die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" am 7. Januar 2015  überfallen und zwölf Menschen ermordet wurden.  In der Zeit davor hatte ich es wenig verstanden, wenn sie mit Mohammed-Karikaturen - und auch Jesus-Karikaturen! - religiöse Gefühle vieler Menschen verletzten.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich auf ein Interview der Mitteldeutschen Zeitung (21.06.2016, S. 22) mit dem Chefredakteur des Magazins, Gérard Biard, verweisen. Seine Sichtweise auf das eigentliche Problem hinter der Extrem-Satire hat mir sehr zu denken gegeben.
Darin hat er in sehr anschaulicher und nachvollziehbarer Weise dargelegt, dass es hier eben NICHT um Religion geht, sondern um totalitäre politische Macht. Dieser Gefahr muss man auch mit den Mitteln der Satire begegnen.
(ausführlich nachlesbar unter
www.mz-web.de/kultur/interview-mit-dem-chef-von--charlie-hebdo--~ externer link)


Doch er hat auch etwas sehr wichtiges über das Lachen gesagt, und ich gebe die Passage in voller Länge wieder, die rote Hervorhebung ist von mir:
(Es ging kurz zuvor darum, dass die neue Adresse der Redaktion von "Charlie Hebdo" geheim ist, aus Sicherheitsgründen.)

Biard: Das ist unerlässlich, um „Charlie“ mit der nötigen Gelassenheit produzieren zu können. Man muss Lust haben, ein Blatt zu machen, lachen wollen - sogar über Dinge, die absolut nicht lustig sind.

Wie etwa über die neuesten Anschläge in Orlando und bei Paris?
Biard: Ja, wir stellen solche dramatischen Ereignisse auf unsere, das heißt, komische Weise dar. Lachen ermöglicht es, sich über - oder neben - die Dinge zu stellen. Lachen ist das, was sie am meisten hassen - die Killer, die religiösen Fundamentalisten, die Tyrannen, die Diktatoren, all die, die eine religiöse oder totalitäre Ordnung einrichten wollen. Das Lachen untergräbt diese Ordnung, denn es setzt voraus, dass man etwas verstanden und durchschaut hat.

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12a Den Bann durch Gelächter brechen
oder
Darf man über die "großen Verbrecher der Geschichte" lachen?

In der Wikipedia über Bertolt Brechts Theaterstück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" externer link findet sich diese Anmerkungen (Hervorhebungen von mir - B.K.): In einem 1948 veröffentlichten „Nachwort“ zu dem Stück setzte sich Brecht mit dem Vorwurf auseinander, es sei nicht zulässig, „große Verbrecher dem Gelächter preiszugeben“. Erstens halte er, so Brecht, Hitler nicht für einen „großen Verbrecher“, sondern für einen „Verüber großer politischer Verbrechen“, und zweitens zeige der „kleinbürgerliche“ Respekt der Überlebenden, wie wichtig es sei, den Bann durch Gelächter zu brechen, in den Hitler viele Menschen auch nach 1945 noch ziehe.
siehe hierzu auch
ZEITGEIST(ER)-BESCHWÖRUNG
(in EINMISCHUNGEN
» ZEITGEIST)


  Weiter heißt es im gleichen Wikipedia-Artikel im Abschnitt 
"Die Verfremdung" externer link :
Dadurch, dass Brecht Hitler und seine Gefolgsleute verfremdet und sie als Gangster darstellt, möchte er sie lächerlich machen. Des Weiteren sollen die Leute den Respekt vor Hitler und seinen Nationalsozialisten verlieren.
 

 



13. Die Wissenschaft vom Lachen (Gelotologie) und
Krankheiten rund ums Lachen

Herzlich wenig bekannt ist sie ja, die "Gelotologie", die Wissenschaft vom Lachen.
Deshalb will ich hier eine ganz kleine Einführung geben.

Ha, die kann ich mir sparen:
Sehen Sie sich Vera F. Birkenbihl auf Youtube an, 2 Stunden bestens verbrachter Zeit:
Gelotologie (= Wissenschaft vom Gelächter) oder: über die Rolle von Humor in unserem Leben
www.youtube.com/watch?v=luk8x1szxrE externer link

Mehr Informationen gibt es natürlich auf Wikipedia - Gelotologie externer link.
Dort wird Gelotologie als "Wissenschaft von den Auswirkungen des Lachens" bezeichnet, die sich "mit den körperlichen und psychischen Aspekten des Lachens" befasst. Mit dieser Definition ist sie natürlich noch keine echte "Wissenschaft vom Lachen und vom Humor", da sie nur einen Teilaspekt des Lachens betrachtet. Aber auch Frau Birkenbihl hat das bereits etwas weiter gesehen.

Interessant ist, dass im Gefolge aufkommender spezialwissenschaftlicher Disziplinen  (Gelotologie gibt es im Sinne von direkter wissenschaftlicher Forschung zum Lachen erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.) auf einmal auch diverse Krankheitsbezeichnungen auftauchen, die vorher niemand gekannt hatte. Mitunter nimmt das fast den Hang an, menschliches Verhalten, dass noch im "Normalbereich" liegt, zu pathologisieren.
Mit der "Gelotologie", der Wissenschaft vom Lachen, geht die "Gelotophobie" einher, die Angst, ausgelacht zu werden.
Das klingt wie eine Krankheit, ist aber "im Normalfall" keine. Diese Angst steckt doch ein bisschen in jedem von uns. Sind wir alle krank?
Sicher gibt es Menschen, bei denen diese Angst extrem wird, panisch wird, die diese Angst nicht mehr "beherrschen" können und deren Verhalten sich schließlich ganz dieser Angst unterordnet.
In diesem Sinne müssten der oben genannte Personenkreis (die Leute, die das Lachen hassen, also letztlich Angst vor ihm haben) ganz allgemein als "krank" bezeichnet, die Ursache dieser Angst - Machtgier - als "krankes Denken" eingestuft werden.
Bei einer als krankhaft einzustufenden Angst vor dem Lachen kann ich mir nicht vorstellen, dass das eine selbständige Krankheit ist. Es handelt sich dabei wohl eher um eine komplexe Persönlichkeitsstörung (mangelndes Selbstbewusstsein, allgemeine Versagensängste usw.), bei der diese Angst vor dem Ausgelachtwerden nur als eines unter mehreren Symptomen auftritt. Mit der Isolierung dieses Symptoms und der Definition als eine selbständige "Krankheit" (der "Atomisierung des kranken Menschen") erspart man sich die eigentliche Ursachensuche.

Ich denke, mit dem Wissen über das Lachen und über diese Angst ist schon viel getan, der Angst vorzubeugen bzw. sie im Zaum zu halten.
Und dann sollte als nächstes ein "Lachkurs" kommen, in dem der betroffene erst einmal lernt, selbst herzhaft und erfrischend zu lachen, von mir aus auch ein bisschen spöttisch.
Die Krone des Lachens ist dann natürlich die Fähigkeit, auch über sich selbst lachen zu können.
 
 
Seitenversion: akt. 09.05.2017
URL:  www.brunhild-krueger.de/hz/hz6-heiterkeit/hz6_lachen.html

 
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Bearbeitungsnotizen:
22.04.2016
Kunst und Wissenschaft der Heiterkeit, der Komik, des Humors: ausführlicher in extra Seite behandeln