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HEITERKEIT UND LEBENSFREUDE ALS DAS ZUKUNFTSPRINZIP

ÜBER DIE FREUDE

LEBENSFREUDE ALS TYPISCH MENSCHLICHES BEDÜRFNIS


Freude, schöner Götterfunken ...
Freut euch des Lebens ...

Auf dieser Seite stelle ich erste Gedanken über die Freude und die Fröhlichkeit zusammen. Wussten Sie, dass die Worte für Frau und Freude einmal im Mittelhochdeutschen gleich waren?

1. "Wer schaffen will, muss fröhlich sein" - Sprache und Sprüche
2. Schadenfreude
3. Freut euch mit mir ...
4. Frau und Freude ... (eine Sprachbetrachtung)
5. ... und noch eine Sprachbetrachtung
6. Patch Adams und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen - Menschen, die mit Freude heilen helfen






 


1. "Wer schaffen will, muss fröhlich sein" - Sprache und Sprüche


„Alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz,
alle Freuden, die unendlichen,
alle Leiden, die unendlichen.
Alles ganz. “

Geteilte Freude ist doppelte Freude,
geteiltes Leid ist halbes Leid.

Des einen Freud, des andern Leid.

Du wirst es nie zu Tücht'gem bringen
Bei deines Grames Träumerein,
Die Tränen lassen nichts gelingen,
Wer schaffen will, muß fröhlich sein.
Theodor Fontane, Gedichte Ausgabe 1898, S. 29


 
 

2. Schadenfreude

"Schadenfreude ist die reinste Freude." sagen manche Menschen.
Man könnte es noch böser formulieren:
"Schadenfreude ist besser als gar kein Mitgefühl."

Wieso bereitet es einigen Menschen Freude, den Schaden oder das Leid anderer Menschen mit anzusehen? Wie ist es in diesem Zusammenhang um die Sadisten und Masochisten bestellt, sie empfinden doch offenbar auch Freude am Leid - am eigenen oder am Leid des anderen? Was sind die psychischen Wurzeln einer solchen Freude?

Hier treffen sich die Gedanken mit denen auf der Seite "ÜBER DAS LACHEN", auf der es auch um das "spöttische Lachen" geht, um dieses
"Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen."

Schadenfreude kann man noch unter einem anderen Blickwinkel sehen:
Vielleicht hat mancher Spott und manche Schadenfreude sogar geholfen, mit dem Leid und Schaden fertig zu werden, besser als es das wohlmeinende Mitgefühl gekonnt hätte? Vielleicht weckt die Schadenfreude die Energie, sich trotz allem nicht unterkriegen zu lassen, besser, als Trost und Beistand es hier und da könnten?
Ich denke, es ist individuell verschieden: der eine benötigt Trost, der andere den Spott. Doch woher weiß man das?

Mir fallen noch zwei Geschichte hierzu ein, sie gehören hierher und auch in die Betrachtungen "ÜBER DAS LACHEN". Wenn ich sie  hier erzähle, dann deshalb, weil sie vielleicht helfen können, das Phänomen der Schadenfreude aus einem weiteren Blickwinkeln zu sehen:

Die erste Geschichte spielt in der Schulklasse meines Sohnes im 2. Schuljahr: Marvin, ein Zappelphillipp, kippelt mit dem Stuhl, kippt hintenüber. Als er aufsteht und es sich zeigt, dass er sich nicht ersthaft verletzt hat, lachen alle. Ich vermute einmal, ohne dabei gewesen zu sein, dass sie erleichtert gelacht haben - und ein bißchen spöttisch, weil der Marvin eben nicht aufgepasst hat beim Kippeln. Ich vermute, die Kinder hätten nicht gelacht, wenn Marvin wirklich verletzt gewesen wäre.
Es gibt offenbar eine Art "Grenzschaden", ab dem der Spott (der "gutmütige Spott") nicht mehr angebracht ist - und ich denke auch, dass die Kinder für diese Grenze einen Urinstinkt haben oder es doch sehr schnell lernen, diese Grenze zu erkennen.
Das Tragische an dieser Geschichte war lediglich die Lehrerin. Gewohnt, fremdes Lachen immer als mögliches Spott-Lachen zu sehen, das sie als die Autorität angreift, ist sie allergisch gegen das Lachen der Kinder (sie "darf" ja auch gar nicht mitlachen!). Also beschimpft sie die Kinder (anders kann man das nicht nennen) und sagt:
"Lachen ist verboten!"


Die zweite Geschichte erzählte mir Gerhard Branstner [siehe Namensliste » Branstner]:
Er hat die Geschichte der Heiterkeit studiert und ist an den eigenartigsten Stellen fündig geworden: einmal las er einen alten Bericht eines Europäers, der bei irgendeinem Naturvolk Forschungen betrieb: er hatte eine Menge Ausrüstung, er hatte ein Boot bei den Einheimischen gemietet und Leute, die ihm helfen sollten. Doch das Boot kippte beim Beladen um. Die Einheimischen wanden sich vor Lachen. Der Forschungsreisende war erbost, meinte, sie hätten ja gut Lachen, da das Zeug ihm gehört hatte. Die Einheimischen stellten, so gut es ging, eine neue Ausrüstung aus ihrem eigenen Besitz zusammen. Wieder kippte das Boot um, wieder war alles futsch. Wieder lachten die Einheimischen.
Und nun erklärte G. Branstner das so: Es ging gar nicht um Schadenfreude (das hätte eine andere Haltung zum Eigentum bei den Einheimischen vorausgesetzt), es ging um die Komik bei der ganzen Sache!

Die dialektische Aufhebung des Leides in der Komik, im Lachen - das Schaffen eines ausgleichenden Gegengewichts, das ist die tiefste mögliche Erklärung für Schadenfreude und Spott.

Kleiner Tipp zum Selbstversuch: Lutschen Sie mal einen Bonbon, wenn Ihnen zum Heulen zumute ist, in der Oper beim Anblick fremden Leides oder zu Hause, beim Erleben eigenen Leides. Die Komik der Situation - heulend Bonbon lutschen ist nun einmal nicht tragisch, sondern komisch! - schafft die nötige Distanz zum Leid.

Das wäre nämlich noch eine Erklärung für Schadenfreude: weil ich das Leid des anderen nicht ertragen kann, weil ich nicht mitheulen will, schaffe ich eine Situation, die mir ermöglicht, nicht zu weinen. Ich ziehe sie ins Lächerliche.


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3. Freut euch mit mir ...

Ein Schlager - uralt - geht mir  bei dieser Aufforderung durch den Kopf.
Der Refrain war:
Macht alle Türen und Fenster auf und hört mir zu
ich muss es allen sagen.
Ich könnte singen vor Glück ich bin wie verrückt
und das nun schon seit Tagen.
Mit einem Lächeln kam sie zu mir, die Zeit bleibt stehen
wenn sie in den Armen mich hält.
Freut euch mit mir,
mich liebt das wunderbarste Mädchen der Welt.


Dieses "Freut euch mit mir!" ist selten geworden. Warum eigentlich?
Es heißt doch nicht umsonst "Geteilte Freude ist doppelte Freude."
Sich an der Freude eines anderen mitfreuen zu können, ohne ihn zu beneiden, dazu gehört offenbar auch eine gewisse Charakterstärke.
Doch andererseits ist es logisch:
Wenn man sich mit anderen mitfreuen kann, erlebt man mehr Freude als nur für sich allein.


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4. Frau und Freude ... (eine Sprachbetrachtung)

Wie gehören die Wörter "Frau" und "Freude" zusammen?
Geht man dem Ursprung des Wortes „Frau“ und des Wortes „Freude, freuen“ nach, stößt man auf eine äußerst eigenartige Tatsache. Zwar ist „Freudenhaus“ als Haus, in dem Frauen wohnen und den Männern auf ganz spezifische Art und Weise Freude bereiten, bekannt. Das wäre also schon ein Zusammenhang von "Frau" und "Freude". Doch mir geht es hier um den sprachlichen Zusammenhang beider Wörter, nicht um den praktischen.

Könnte es sein, dass in den Anfängen die Wörter „Frauenhaus“ und „Freudenhaus“ das gleiche bedeuteten? Könnte es sein, dass „Frau“ und „Freude“ vom gleichen Wort herkommen, nur irgendwann – künstlich – getrennt wurden?
Im Duden 7 (Herkunftswörterbuch[Quelle Duden7]) steht unter anderem als Herkunft bei diesen Worten:
    Frau mhd.: vrouwe, ahd. frouwe
    freuen mhd.: vröuwen, ahd. frouwen, frewan, froh
    Freude mhd.: vröude, ahd. frewida, frouwida, froh

Es gibt im Herkunftswörterbuch keinen Hinweis, dass beide Wörter irgendetwas miteinander zu tun haben könnten. Doch wer Augen hat zu sehen, ...
An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Brockhaus-Enzyklopädie [Quelle BDE] in dem 24-bändigen Erklärungsteil zu den Begriffen „Freude“ und „Heiterkeit“ nichts zu sagen hat. (Natürlich werden die Wörter im zugehörigen dreibändigen Wörterbuch erwähnt.)
Sind diese Worte nicht „erklärungsbedürftig“? Oder sind sie so unwichtig für das Leben der Menschen?


 
 

5. ... und noch eine Sprachbetrachtung

Mit „Freude“ im Zusammenhang stehen solche Wörter wie Rausch, Taumel, Tanz, Sprung, Fest, Ruf, Tag, -trunken, Träne, -strahlend, freudig, von Freude erfüllt sein.

Freudlos – das Wort wirkt schon traurig, ehe man es ganz ausgesprochen hat.
Wer möchte schon ein „freudloses Leben“ führen? Vermutlich möchte das nicht ein einziger Mensch – und deshalb ist es an der Zeit, die Freude zu einem politischen Schwerpunkt ersten Ranges zu machen!

Freude, Freund, freuen, freien, lieben – alle Wörter gehen auf das gleiche zurück, auf „frei“ (!!) sein.
Auch die Begriffe „Freiheit“ und „Freude“ gehören zusammen. Das bedeutet letztendlich:
Eine Gesellschaft, die nicht die Freude (aller) zum Ziel hat, bleibt letztlich eine unfreie Gesellschaft.

"Heureka" - Archimedes Ruf wird als "Ich habe es gefunden" übersetzt und gilt bis heute als Freudenruf. "Eureka" enthält das Wort "eu" , das uns in Euphorie und Euthanasie begegnet - "eu-" steht für '"wohl", "gut", "schön", "reich".
Euphorie ist ein Zustand der "Hochstimmung", der "übersteigerten Heiterkeit" (Duden 7). Meint das, dass sich ein Mensch auch "übersteigert" freuen kann, "zu heiter" sein kann?
Heiterkeit ist aus der Definition heraus nicht "übersteigerbar", was immer als "übersteigert" auftaucht, als unpassend fröhlich, ja vielleicht sogar als krankhaft (?) zu fröhlich, das hat nichts mit dem zu tun, was philosophisch unter Heiterkeit zu verstehen ist.


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6. Patch Adams und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen

Vielleicht kennen Sie den Film "Patch Adams" mit Robin Williams in der Hauptrolle. Dieser Film bezieht sich auf einen wirklich lebenden Arzt, Hunter Dohercy "Patch" Adams (geb. 1945, USA) und dessen Buch "Good Health is a Laughing Matter". Es geht also um die Wichtigkeit von Humor und Freude für den Genesungsprozess von Kranken bzw. die Erleichterung des Lebens für Schwerkranke und Sterbende. Die Idee der "Klinik-Clowns" bzw. "Rote Nasen Clowndoctors", die in Kinderkrankenhäusern den Kindern ein paar unbeschwerte Stunden bereiten, geht auf ihn zurück.

Der deutsche Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (geb. 1967) hat sich von Patch Adam und dessen Konzept, dass  Freude und Lachen positive Wirkungen auf den Menschen haben, inspirieren lassen. Er gründete die Stiftung "HUMOR HILFT HEILEN", die (siehe Wikipedia über E. v. H., Stand 07.04.2016) "Clowns in Krankenhäuser und Pflegeheime bringt (bereits in über 40 deutschen Städten), sich für die Weiterbildung von Ärzten, Pflegekräften und Clowns einsetzt und das therapeutische Lachen in Medizin, Arbeitswelt und Öffentlichkeit fördert. Des Weiteren engagiert sich von Hirschhausen für Gesundheit und Glück als Inhalte der Schulbildung ..."
 
 
Seitenversion: neu getextet am 22.04.2016
URL:  www.brunhild-krueger.de/hz/hz6-heiterkeit/hz6_freude.html

 
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