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VISIONEN + ZIELE

DIE GOTTESSTAAT-IDEE

"Wir wollen unsern alten Kaiser Willem wiederham."
grölten selbst in tiefsten Sozialismus-Zeiten in der DDR einige Leute zu feucht-fröhlichen
Festen.
"Führer befiehl, wir folgen dir!"
ist in unguter Erinnerung geblieben.

Wenn ich hier von der "Gottesstaat-Idee" schreiben will, dann beziehe ich im übertragenen Sinne auch andere, nicht so genannte Herrschaftsformen eines (gottähnlichen) Herrschers ein: Monarchien, Diktaturen, Militärdiktaturen, "totalitäre Regimes" im weitesten Sinne - eben alle Formen des Zusammenlebens, in denen Einzelne die Entscheidungen treffen und die Macht haben, sie - auch gegen den Willen des Volkes - durchzusetzen.
(Das moderne Gegenstück ist die "Demokratie" genannte Staatsform, die "Volksherrschaft".)

Diese Idee scheint auch heute noch ihre Anhänger zu finden, vor allem junge Männer zu faszinieren.
Hat / ist sie wirklich eine Perspektive für die Zukunft der Menschheit?

Spricht aus dieser Idee, dieser Vision eines "Gottesstaates" der Wunsch nach Unmündigkeit aus Angst vor der Verantwortung?
Assoziiert man mit ihm das von Jesus angekündigte "Reich Gottes"?
Ist damit in christlich geprägten Ländern die Verflechtung von Staat und Kirche gemeint?
Oder ist das nur eine Idee fanatischer "Gotteskrieger", die unter Ausnutzung religiöser Gewohnheiten Menschen für ihr Machtstreben ausnutzen?

Bis vor einiger Zeit habe ich diese Gottesstaat-Idee für nur noch geschichtlich wichtig und interessant gehalten. Nun - aus aktuellem Anlass - muss ich mich diesem Phänomen stellen.

Vor allem habe ich mich in diesem Zusammenhang ganz allgemein gefragt:
Woher rührt die Faszination von unfreien Zukunftsvisionen?

Was ich bei meinen bisherigen Recherchen herausfand, kann ich nur in ersten Stichpunkten wiedergeben:
- verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit der Gottesstaat-Idee
- Kirchenvater Augustinus - geht auf ihn die Gottesstaat-Idee zurück?
- Savonarolas Gottesstaat
- die realen Theokratien in Geschichte und Gegenwart
- Laizismus und die Trennung von Staat und Kirche / Religion
- Demokratie und Gottesstaat
- Kritik an totalitären Regimes (Adorno)


 

Verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit der Gottesstaat-Idee


Theokratie


Klerikalismus
Klerikalismus (von Klerus) bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluss in einem Staat zu verschaffen (im Gegensatz zu Laizismus), oder das Bestreben, der Geistlichkeit innerhalb einer Religion im Vergleich zu den Laien mehr Gewicht zu geben (im Gegensatz zu Antiklerikalismus).
(aus Wikipedia Klerikalismus)

Gottesstaat

Gottesherrschaft

Laizismus
Zuallererst muss hierzu angemerkt werden, dass die Idee der Trennung von Staat und Kirche eine "moderne" Idee ist. In allen Kulturen war und ist teilweise bis heute überhaupt keine Trennung zwischen weltlicher und geistlicher / geistiger Macht zu finden. Die Herrscher waren es "von Gottes Gnaden", die Religionen übten ihre Macht mit Hilfe / durch die weltlich Herrschenden aus.

 
 

Kirchenvater Augustinus - geht auf ihn die Gottesstaat-Idee zurück?

In der Wikipedia über "Theokratie" habe ich diese Textstelle gefunden:

Zu einer Fehldeutung kann der Titel der Schrift De civitate Dei (wörtlich: „Von der Bürgergemeinschaft Gottes“) des Kirchenvaters Augustinus verleiten, welche oft unzutreffend mit dem Begriff „Gottesstaat“ übersetzt wird. Dieser epochemachende Text behandelt jedoch keine theokratische Verschmelzung von Religion und Politik, sondern stellt vielmehr die unsichtbare, aber umfassende Herrschaft Gottes über die gesamte Weltgeschichte heraus. Augustinus unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen der „Gemeinschaft Gottes“ (civitas dei) und der rein „irdisch-orientierten Gemeinschaft“ (civitas terrena). Damit liefert Augustinus bereits die theoretische Grundlage für die spätere Zweiteilung von geistlicher und weltlicher Macht, die im christlichen Mittelalter durch die gleichsam rivalisierende Verbindung zwischen Papst und Kaiser – in den modernen politischen Systemen seit der Aufklärung als organisatorische Trennung von Kirche und Staat zum Ausdruck kommt.
 
 

Savonarola und sein "Gottesstaat"

Nicht erst heute, bereits in der Geschichte des Christentums  hatte diese Idee eines "Gottesstaates" einmal großen Zulauf erhalten. Bereits der Name "Savonarola" (1452 - 1498) steht für diese Idee.
Sieht man bei Savonarola genauer hin, war sein Gottesstaat keine Idee, der die Menschen jubelnd folgten, sondern eine Schreckensherrschaft. Aus dem Kampf gegen ein zügelloses Papsttum geboren, wandte sich seine Idee zu einer Askeseforderung, einer Bekämpfung jeder irdischen Lebensfreude, allen Vergnügens für das ganze Volk.
Sie war sozusagen das negative Spiegelbild des Zeitgeistes.
Ein Beispiel ist der Maler Botticelli, der - so heißt es - freiwillig seine lebensfrohen Bilder auf den Scheiterhaufen warf. Doch auch er tat es nur aus Angst vor dieser Willkürherrschaft .
Liest man über Savonarola und seine Zeit der Herrschaft, dann gewinnt man den Eindruck, dass dieser Mann wahnsinnig gewesen sein muss. Am 23. Mail 1498 ereilte ihn sein Schicksal: zum Tode verurteilt wurde er in Florenz gehenkt und verbrannt.

Über Savonarola siehe auch www.welt.de/kultur/history/article1091306/Florenz-von-der-Sittenlosigkeit-in-den-Wahn.html externer link

Nun erleben wir in der islamischen Gottesstaats-Idee etwas ähnliches: Angst und Schrecken werden verbreitet, richten sich offenbar vor allem gegen die im Luxus und der Verschwendung lebenden westlichen Länder. Die Angst davor, dass deren "Werte", deren Überfluss in den eigenen Ländern die Jugend faszinieren könnte und sie zum Abfall vom islamischen Glauben bewegen könnte, steckt aus meiner Sicht wesentlich hinter diesen Kämpfern.
Abgeschreckt, gelangweilt von unserer "heilen Welt" fallen ein paar Jugendliche auf dieses Regime herein und werden "Gotteskrieger". Es steht zu hoffen, dass sie vor Ort eines besseren belehrt werden.

 
 

Die realen Theokratien in Geschichte und Gegenwart

Die vermutlich längste Theokratie ist das Papsttum. Auch vor der Existenz eines eigenen Vatikanstaates war die Herrschaft des Papstes über Europa und mit der Missionierung in Afrika und Amerika zunehmend auch außerhalb Europas durch die von ihm abgesegneten Kaiser, durch Könige, Fürsten usw. gesichert. Erst die Reformation stellte einen wesentlichen Einschnitt in diesen Herrschaftsbereich dar.

 
 

Laizismus und die Trennung von Staat und Kirche / Religion

Frankreich ist ein "laizistischer Staat". Der Staat hat keinerlein Informationen über die tatsächliche Religionszugehörigkeit seiner Bürger. Informationen basieren ausschließlich auf Umfragen und Schätzungen.
In Deutschland ist die Trennung von Staat und Kirche nicht erkennbar. 
Zwar besteht keine "Staatskirche" im alten Sinn. Doch weder ist die Verfassung frei von Gottesbezug, noch ist Religion reine Privatsache. Die christlichen Hauptkirchen treiben ihre Mitgliedsbeiträge wie in feudalen Zeiten als "Steuer" ein, sind insgesamt in einer Weise privilegiert, wie keine andere Religionsgemeinschaft in Deutschland. Nebenbei erfährt der Staat mit Hilfe seiner Steuereintreibungen ganz genau, welcher seiner Bürger einer  der christlichen Kirchen angehört und wer nicht.
Die Christen betonen die Wichtigkeit ihres Einflusses auf das öffentliche Leben - als Kirche. Politiker legen großen Wert darauf, ihren christlichen Glauben öffentlich zu machen. Ein Pfarrer ist (noch) Bundespräsident, in Sachsen-Anhalt war für vier Jahre (bis 2016) ein zuvor hauptberuflich in der evangelischen Kirche Angestellter Kultusminister.
Wenn man so will, kann man das als die "moderne Version des Gottesstaates" ansehen.

 
 

Demokratie und Gottesstaat

Wir halten die Demokratie, die "Volksherrschaft" für die höchste und beste Form der Organisation der Gesellschaft. In anderen Zeiten und an anderen Orten wurde bzw. wird die Idee des Gottesstaates für die bessere gehalten.
Wie können wir in dieser Auseinandersetzung zeigen, dass unsere Staatsform die bessere, zukunftsfähigere ist? Indem wir Krieg führen?
 

Seitenversion:
erg. 06.12.2016
URL:  www.brunhild-krueger.de/hz/hz4-visionen/hz4_gottesstaatidee.html

 
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Bearbeitungsnotizen:
22.04.2016
Notizen zu Staat und Recht, Staatsformen usw. noch auswerten und einbeziehen