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EINGEMISCHTES

EINGEMISCHT IM HARTZ-IV-MODUS, 2005

Ja, das wäre beinahe ein "heißer Herbst" geworden, als die Hartz-IV-Pläne bekannt wurden.
Von August bis Dezember gab es massenhaft Protest der Betroffenen, Diskriminierung der Protestierenden in den Medien, heftige Diskussionen über Vor- und Nachteile dieser "Reform" genannten Umstrukturierung der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe.

Eine Änderung des Gesetzes konnte nicht erreicht werden. Denn die Vorteile für die Wirtschaft und den Staatshaushalt waren - scheinbar - so überwiegend, dass es gar nicht anders ging.

Inzwischen dürfte allerdings klar geworden sein, dass man zwar kein Geld eingespart hat, die Folgen von Hartz IV aber eine Katastrophe für einen großen Teil der Bevölkerung geworden sind. Darüber werde ich an anderer Stelle irgendwann vielleicht ausführlicher schreiben.


Hier will ich vorerst zwei Details meiner "Einmischungen" aus der damaligen Zeit wiedergeben:
1. Kundgebungen und Bericht in der MZ  [Quelle MZ]
2. Ein Brief an eine Gruppe arbeitsloser Akademikerinnen "Minerva"

Zu diesem Thema "HARTZ IV" habe ich  auch einen Erlebnisbericht aus dem Jahr 2015 notiert in
DIE HARTZ-IV-HÖLLE (hier in EINMISCHUNGEN » SELBSTVERSUCH)






 

1. Kundgebungen und Bericht in der MZ

Im Sonner 2004 begannen auch hier in Wittenberg die öffentlichen Proteste gegen die Hartz-IV-Gesetze. Ich nahm fast immer teil und versuchte auch, mich selbst zu Wort zu melden. Mehrmals sprach ich auf diesen Kundgebungen. Die Presse wurde aufmerksam, befragte mich zu meiner Meinung und veröffentlichte einen Artikel unter der Überschrift

"Staat bringt sich um die Zukunft
Wofür Brunhild Krüger demonstriert gegen die Pläne der Bundesregierung."

Ich zitiere hier nur einige Sätze aus dem Artikel :
"Wer nicht die Freiheit hat, arbeiten zu dürfen, dem muss so viel Unterhalt zukommen, dass er nicht nur existieren, sondern auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann", schließt sich die 52-Jährige Forderungen nach einem Bürgergeld in der Höhe eines von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) festgelegten Richtbetrages an. Das sichere nicht nur Kaufkraft, sondern auch die Existenz immaterieller Bereiche wie Kultur und Bildung. Zudem müsse die Arbeit gerechter verteilt werden und dies auch im nicht wertschöpfenden Bereich wie eben Bildung, Erziehung, Kultur, Betreuung und Pflege - ...   Ob das alles nicht zu idealistisch ist? "Wer keine hohen Ziele hat, wird nichts bewegen", entgegnet Frau Krüger. "Eigentlich", sagt sie, "ist die Lage, in der wir uns jetzt befinden, keine Notsituation - sondern eine riesige Entwicklungschance." [A1] Die Politiker müssten das nur begreifen und bereit sein, diese wirklich demokratisch mit dem Volk zusammen auszuloten. Hartz IV auszusetzen müsse dafür der erste Schritt sein.
 
 


2. Ein Brief an eine Gruppe arbeitsloser Akademikerinnen "Minerva"

In jener Zeit hatte ich auch über das Internet Kontakt zu einer Gruppe arbeitsloser Akademikerinnen, die sich "Minerva" nannte, aufgenommen.

In einer meiner Mails (13.09.2005) ging es vorwiegend um das Konzept der "Ökonomie des Schenkens", auf das ich in einem anderen Zusammenhang noch eingehen werde.
An dieser Stelle will ich nur auf einen anderen Gedanken von damals eingehen - die Abwertung jeglicher Qualifikation durch Hartz IV als Vergeudung von geistigem Reichtum und Leistungsvermögen der Gesellschaft und die Gleichmacherei der Betroffenen, die für arbeitslose Akademiker so schmerzhaft ist. (Zitat aus der Mail:)
Immer wieder habe ich mich gefragt, warum diese Vergeudung von geistigem Reichtum, wie sie Arbeitslosigkeit von Akademikern bedeutet, von der Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen wird.
Ich habe eine erschreckende Antwort gefunden. Bitte verzeihen Sie mir, wenn es weh tun wird, was ich schreibe. Bitte versetzten Sie sich in die Lage eines LKW-Fahrers, der 60 Stunden pro Woche arbeitet, nur am Wochenende nach Hause kommt und vielleicht dabei gerade 2000 Euro netto für sich und seine Familie hat. Wenn der hörte, daß ein arbeitsloser Akademiker 1300 Euro (oder mehr ?) Arbeitslosenhilfe bekam, dann hat ihn das nicht gerade gefreut. Logisch. Andererseits kann man erst recht nicht erwarten, daß Arbeitslose mit geringer oder ohne Qualifikation Anteil am Schicksal eines arbeitslosen Lehrers oder Kunstwissenschaftlers nehmen.

Ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht - Ihr Wissen ist für diese Wegwerf-Gesellschaft nur noch "geistiger Müll", Ihre Titel und Diplome - nichts mehr wert. Für die anderen (die noch Arbeit haben) ist es das gleiche, ob Sie eine hohe Qualifikation haben oder ein arbeitsscheuer Alkoholiker sind: Sie (und ich) werden in dieser Gesellschaft NICHT MEHR GEBRAUCHT.
Wir alle leben gleichermaßen von der Arbeit der anderen . Die "beschenken" uns - aber sie tun es widerwillig. Weil sie uns so wenig wie möglich abgeben wollen, müssen sie uns demütigen, ignorieren, verachten, "gleichmachen" mit den Faulen.

Sicher denken Sie: Warum denn ich, ich bin doch kein Asozialer, kein Faulpelz, ich bin doch mehr wert als diese Menschen? Wieso werde ich mit diesen Leuten in einen Topf geworfen?
...

Fazit: Hartz IV schafft auf überraschende Weise eine neue Gleichheit unter den Menschen. Die Gleichheit der totalen Abhängigkeit von den Sozialleistungen der Gesellschaft. Das Angewiesensein darauf, daß die Gesellschaft einen Teil des erarbeiteten Reichtums denen abgibt, die keinen Anteil an seiner Erarbeitung haben dürfen oder können. Noch einmal, bitte nehmen Sie es mir nicht übel, daß ich so direkt schreibe, wie unsere Situation ist. Denn es nützt nichts, die Augen vor der Realität zu verschließen, den Kopf in den Sand zu stecken.
Alle unsere Proteste werden daran nichts ändern. Die sie lesen, denken nur: die sollen doch die Klappe halten und froh sein, daß sie hier in Deutschland noch so gut versorgt werden. Die wissen wohl nicht, wie es in anderen Ländern aussieht?

Was natürlich das Problem auf die falsche Ebene verlagert. Denn es bleibt objektiv, daß Deutschland sein geistiges Potential vergeudet! Aber das nützt uns im Augenblick wenig, das nur zu sagen.

Was können wir tun?
Wir müssen unser geistiges Potential trotz Arbeitslosigkeit irgendwie in diese Gesellschaft einbringen, uns trotzdem "nützlich machen"!
...

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  Anmerkung A1
Die erwähnte "Entwicklungschance" habe ich damals darin gesehen, dass viele Menschen im Arbeitsprozess nicht mehr benötigt wurden, also frei wurden für andere, wichtige Arbeiten. Natürlich ist das nicht eine einfache Umschichtung: die arbeitslose Mitarbeiterin von "QUELLE" wird mal schnell Altenpflegerin. Natürlich müssen dafür gesellschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Das alles läuft unter dem Begriff "Gesetz des Wechsels der Arbeit".
Heute, am 12.04.2016, kann ich nur darauf verweisen, dass es im Thema "HEITERE ZUKUNFT" darüber später weitere Informationen geben wird.

 
Seitenversion: neu am 12.04.2016
URL: www.brunhild-krueger.de/emi/emi7-eingemischtes/emi7_hartz_iv_2005.html

 
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