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FRAU + POLITIK


Frauen und Politik, das ist sozusagen der klassische Fall von Einmischung durch Frauen in Männerangelegenheiten.
Es gab eine Zeit, da wurden Frauen sogar geköpft, wenn sie dafür eintraten, dass Menschenrechte auch für Frauen gelten sollen. Die Schweiz führte das Wahlrecht für Frauen erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ein. Lange hieß es, dass Frauen sich nicht für Politik zu interessieren haben.

Deutschland glaubt, mit Frau Merkel als weiblichem Bundeskanzler und einer Frauenquote für Chefetagen genug getan zu haben für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Politik und Wirtschaftsdingen.[A]

Die Frage, ob auch Männer sich für Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzen, einsetzen dürfen, einsetzen wollen und einsetzen können, taucht auf.

Hier auf dieser Seite kommentiere ich Ereignisse und Phänomene aus Geschichte und Gegenwart rund um politisches Engagement von Frauen und den politischen Kampf um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen:
   - 1793 - drei Frauen werden in Frankreich aus politischen Gründen geköpft
   - Eine Großmütterrevolution wird vorbereitet - "weise alte Frauen" heute
   - Was hat Frau Merkel für  Frauen bewegt?
   - Die Medien nehmen sich bisher fast unbekannter Frauen aus der Geschichte an.
   - "Geschlechterdemokratie" und ein "Frauenpreis"
   - PS - Ein Mann (August Bebel) kämpfte für die Gleichberechtigung von Mann und Frau


Auf  der weiterführenden Seite   POLITISCHE MEINUNGEN VON FRAUEN  will ich Politikerinnen und bekannte oder auch weniger bekannte  Frauen  der Gegenwart zu Wort kommen lassen.

 

1793 - drei Frauen werden in Frankreich aus politischen Gründen geköpft

Da ist zuerst Marie-Antoinette (1755 - 1793), die französische Königin. Sie war keine Politikerin, musste mit knapp 15 Jahren den französischen Thronfolger heiraten. Berühmt wurde sie für ihre Verschwendungssucht, während das französische Volk hungerte.
Der ihr zugeschriebene Satz "Dann sollen sie doch Kuchen essen." (wenn sie, die einfachen Leute, kein Brot haben) ist nachweislich  nicht von ihr.
Sie war keine politisch denkende, keine politisch aktive Frau. In den Wirren der Französischen Revolution war sie eher ein Opfer als eine wirklich Schuldige. Am 16. Oktober 1793  wurde sie - noch nicht einmal 38 Jahre alt - geköpft.

Olympe de Gouges (1748 - 1793) war hingegen eine politisch äußerst aktive Frau. Sie forderte als Schriftstellerin, Revolutionärin und Frauenrechtlerin die Gleichberechtigung von Mann und Frau, schrieb politische Theaterstücke, äußerste sich gegen Sklaverei und die Scheinmoral ihrer Zeit. In der Französischen Revolution kämpfte sie vor allem für die Menschenrechte und Bürgerinnenrechte der Frauen - eine Forderung in der Revolution, von der die männlichen Revolutionäre  nichts hielten. 1791 wurde ihre "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" veröffentlicht,  doch fand diese in den Dokumenten des neuen Regimes keine Akzeptanz. Ihre Einmischung in die Männerangelegenheiten musste sie mit dem Tod bezahlen - wenige Tage nach Marie Antoinette wurde auch sie auf dem Schafott hingerichtet.

Am 8. November 1793 schließlich musste sie sterben: Manon Roland (1754 - 1893), besser als "Madame Roland" bekannt, eine ebenfalls politisch aktive Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann in der Zeit der Französischen Revolution wirkte. Details dieser Zeit kurz zu schildern, ist unmöglich. Ränkespiele, Verrat, rivalisierende Machtgruppen - wer einmal in Verdacht gerät, kommt unter die Räder. Das Revolutionstribunal verurteilte sie zum Tode durch die Guillotine. Berühmt wurden ihre letzten Worte vor der Hinrichtung: „Oh Freiheit, welche Verbrechen begeht man in deinem Namen!“

 
 


Eine Großmütterrevolution wird vorbereitet - "weisen alte Frauen" heute

Viele Herrscher ließen sich von klugen Frauen beraten. In Märchen begegnet man oft sogenannten "weisen Frauen" (auch Hexe, Frau Holle, Babajaga, Fee oder ähnlich genannt).
In der Öffentlichkeit sind sie heute weitestgehend verschwunden. Eine interessante Frauen-Website (www.bzw-weiterdenken.de) machte mich in einem Newsletter vom Juli 2013 auf einen "Rat der 13 weisen Frauen"  bzw. auf den "Rat der Großmütter" aufmerksam (Artikel auf www.bzw-weiterdenken.de/2013/07/13-machtworte-von-weisen-frauen/ externer link).

Nachdem bereits vor längerer Zeit alte Frauen aus Amerika, Asien und Afrika begannen, sich zu organisieren, haben sich nun auch europäische Frauen, Großmütter, zusammen getan.  Auf der Startseite der zugehörigen Website www.ratdergrossmuetter.org externer link  liest man etwas von einer "Großmütterrevolution" - ein ziemlich seltsames Wort.  Die von dieser Gruppe herausgegebenen "13 Machtworte" rechne ich zu den "BESTEN GEDANKEN*", eine pdf dieses Textes kann man auf der eben genannten Website bzw. auch hier abrufen: 13 Machtworte.

Das sei nur eine Anregung, selbst einmal auf den genannten Seiten zu stöbern.
____________
* Im Hauptthema "DIE BESTEN GEDANKEN" verweise ich auf der Seite "LINKS" ebenfalls auf die Website des Rates der Großmütter.
 
 


Was hat Frau Merkel für Frauen bewegt?

Die rheinlandpfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat im September 2013 gesagt:
„Wir sind uns einig darin, dass die erste Bundeskanzlerin nichts für Frauen getan hat.“
(gefunden in der MZ [Quelle MZ] vom 10.09.2013, S. 5)
Man ist geneigt zu kalauern: "Die tut nichts, die will nur spielen ...!"

Ich habe gegrübelt - war sie nicht sogar nach der Wende kurzzeitig Ministerin für Frauen und Jugend? Gibt es wenigstens aus der damaligen Zeit Spuren ihres Engagements für Frauen?
Auf www.angela-merkel.de lese ich im Bildbegleittext über diese Zeit nur den einen Satz:
„1991 wurde ich Bundesministerin für Frauen und Jugend in der Regierung von Helmut Kohl, 1994 dann für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. ...“
 
Kann man vielleicht ihren Einsatz für den Mindestlohn - der zumindest von den Männern ihrer Partei mit Vehemenz bekämpft wurde - schon als Einsatz für Frauen werten? Schließlich sind die Frauen ja bei der Bezahlung mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde (der neue Mindestlohn ab 2015) in der absoluten Mehrheit. Nur, die Mindestlohndebatte hat diesen Fakt -  dass vorwiegend Frauen davon „profitieren“ - etwas unterbelichtet. So, als wollte man die Männer nicht gar zu sehr damit verschrecken, dass der Mindestlohn einseitig für  Frauen mehr Vorteile bringt als für Männer.
(Auch das ist nur eine bissige Bemerkung angesichts der Tatsache, dass Ausgleich von Nachteilen bei den bisherigen Vorteilsnehmern gern als "Bevorzugung" interpretiert wird.)
Es war überhaupt auffällig, dass die Ablehnungsintensität  des Mindestlohnes mit wachsendem Einkommen  der betreffenden Personen zu steigen schien.
Gut, als Frauenrechtlerin wird unsere Bundeskanzlerin also nicht in die Geschichte eingehen. Es genügt, dass sie alle Jahre wieder als „mächtigste Frau der Welt“ benannt wird, wer auch immer das  beurteilen kann.

Die Frage bleibt:
Was hat es uns Frauen gebracht, dass eine Frau Bundeskanzler ist?



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Die Medien nehmen sich bisher fast unbekannter Frauen aus der Geschichte an

In jüngster Zeit (Mai 2014) gab es mehrere Filme in der ARD über Frauen, die sich eingemischt haben. Hier will ich als Beispiel nennen:

- "Sternstunde ihres Lebens"

über die Anwältin Elisabeth Selbert, die gegen den Widerstand vieler Männer dafür sorgte, dass 1949 in das Grundgesetz der Bundesrepublik der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" aufgenommen wurde;

- "Clara Immerwahr"

über die Chemikerin Clara Immerwahr, die Ehefrau  des Chemikers Fritz Haber (Nobelpreisträger), die sich erschoss, weil sie es nicht mehr ertrug, wie ihr Mann mit seiner Kampfgasforschung für den 1. Weltkrieg zur "Perversion der Wissenschaft"   (Wikipedia über sie) beitrug.

Es ist sehr erfreulich, dass sich die Medien in letzter Zeit stärker bemühen, auch Frauen aus der Geschichte bekannt zu machen - Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen. Viele Namen von klugen, engagierten, fähigen und leistungsstarken Frauen, von denen man inzwischen hört, waren lange Zeit völlig unbekannt. Danach zu fragen, warum sie bisher nicht mit genannt wurden in Schule und Geschichtsschreibung, steht auf einem anderen Blatt.



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"Geschlechterdemokratie" und ein "Frauenpreis"

Diese eigenartige Wort "Geschlechterdemokratie" begegnete mir  im September 2012 im Amtsblatt unseres Landkreises. Da wurde aufgerufen, Vorschläge für den "Anne-Klein-Frauenpreis" zu unterbreiten. Nominierungskriterien für den mit 10.000 Euro dotierten jährlich zu vergebenden Preis sind u. a. (Zitat aus dem Amtsblatt Nr. 19.2012, S. 7 /8)

Kandidatinnen für den Anne-Klein-Frauenpreis der Heinrich-Böll-Stiftung sollen politisch engagiert und zivilgesellschaftlich vernetzt sein sowie als Vorbilder andere Frauen und Mädchen zu geschlechterdemokratischem Handeln ermutigen. Sie sollen sich durch herausragende Aktivitäten und Engagement nachweislich für Frauen und Mädchen ausgezeichnet haben, insbesondere durch
• Verwirklichung der Geschlechterdemokratie
• Beseitigung von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der geschlechtlichen Identität
• politisches Engagement zur Verwirklichung von Frauen-, Menschen- und Freiheitsrechten
• Förderung von Frauen und Mädchen in Wissenschaft und Forschung
Nominierungswürdig sind Frauen, die als Pionierinnen mutig und hartnäckig ihr Anliegen verfolgen, gesellschaftliche Veränderungen bewirken und sich so auch durch Zivilcourage und Widerstand auszeichnen. Das politische Engagement der Kandidatinnen sollte strategische Relevanz besitzen. Der Preis wird an Frauen im In- und Ausland vergeben. .. (usw. usf.)




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Einschub - ein kleiner Kommentar

Mir reicht's. Das kann man ja  nicht mehr aushalten!
"Ermutigen" zu "geschlechterdemokratischem Handeln", "strategische Relevanz", "herausragende Aktivitäten", "nachweislich", "nominierungswürdig" - welche Frau erfüllt so hohe Ansprüche?

Warum werden eigentlich nicht Männer ausgezeichnet, die sich für "Geschlechterdemokratie" einsetzen? Weil es keine gibt? Oder weil das keine Sache ist, mit der Männer sich befassen müssen?

Wer noch nicht genug hat von dem Gelaber, dem gebe ich gerne weitere Tipps, wo er / sie sich ausführlicher informieren kann, an erster Stelle steht die Bundeszentrale für politische Bildung:
www.bpb.de/apuz/25500/geschlechterdemokratie-als-maennlichkeitskritik?p=all externer link
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dort im Jahr 2002, als das Wort noch groß in Mode war, einen Beitrag über Geschlechterdemokratie eingestellt, in dem es um „Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik“  ging. Es wird darin ein bisschen  herumgegendert, aber so, dass es niemanden wirklich bewegt. Die tun auch nichts, die wollen auch nur spielen. (Link überprüft 06.12.2016)

Eins geht noch: der Eintrag in der Wikipedia über "Geschlechterdemokratie externer link" - ich biete nur einen klitzekleinen Textauszug
(erste Version mit Stand 2014, zweite Version mit Stand November 2016, Hervorhebungen  im Text von  mir - B. K.):Geschlechterdemokratie ist ein dem Gender Mainstreaming verwandter Begriff. Er bezeichnet die Absicht, demokratische Verhältnisse zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft als Ganzer wie auch konkret in Unternehmen und Organisationen herzustellen. Um dies zu erreichen werden u.a. Gendertrainings durchgeführt, die das Bewusstsein für Ungleichheiten schärfen und Wege zur Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse aufzeigen sollen. Der Begriff Geschlechterdemokratie wurde u.a. von der Berliner Soziologin Halina Bendkowski entwickelt und geprägt.











Geschlechterdemokratie ist ein dem Gender Mainstreaming verwandter Begriff. Er bezeichnet die Absicht, demokratische Verhältnisse zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft insgesamt sowie konkret in Unternehmen und Organisationen herzustellen. Um dies zu erreichen, finden u. a. Gendertrainings statt, die das Bewusstsein für Ungleichheiten entwickeln und schärfen und Wege aufzeigen sollen, die Geschlechterverhältnisse zu demokratisieren. Der Begriff Geschlechterdemokratie wurde von der Berliner Soziologin Halina Bendkowski entwickelt und geprägt.
 
 


PS: Ein Mann (August Bebel) kämpfte für die Gleichberechtigung von Mann und Frau


Das Buch von August Bebel (1840 - 1913, Sozialdemokrat)
"Die Frau und der Sozialismus"

war bei seinem Erscheinen im Jahr 1879 ein "Skandalbuch" ohnegleichen. In ihm wird explizit die Lage der Frau in der Geschichte und der damaligen Gegenwart geschildert.
Mir ist kein weiterer Mann seit August Bebels Zeit bekannt, der sich derartig vehement für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt hat. Bebel hatte übrigens erkannt, dass es in der kapitalistischen Gesellschaft nicht gelingen kann, die Frauendiskriminierung zu überwinden. Erst die sozialistische Gesellschaft kann diese endgültig überwinden, war seine Meinung.
Noch habe ich nur in dem Buch geblättert, irgendwann - ich bin vorsichtig geworden nach all den Katastrophen der letzten Zeit - will ich es lesen.  Dann werde ich natürlich ausführlicher darüber berichten.

Bebels Meinung deckt sich mit meiner Erfahrung aus der Wendezeit, als ich (mit der DDR-Prägung auf ein Ideal und  auch schon weitgehend gelebte gleichberechtigte Beziehungen zwischen Männern und Frauen) einen verheerenden "Rücksturz ins Mittelalter" in Sachen Frauenpolitik und Gleichberechtigung von Männern und Frauen erleben musste.



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  Anmerkung A

Als ein Beispiel für die Realität der politischen Beteiligung von Frauen: für die Wahlen zum Kreistag des Kreises Wittenberg am 25.06.2014 hatte die SPD (Kreisorganisation Wittenberg) 41 Kandidaten aufgestellt. Darunter waren - raten Sie mal - ganze 4 Frauen, nicht einmal 10 Prozent.
Frauen fällt es meist schwerer als Männern, sich politisch zu engagieren, deshalb sind sie ein klein wenig auf Ermutigung und Zuspruch durch ihre männlichen Genossen und Parteifreunde angewiesen. Es muss ja nicht gleich eine "Kohl-Merkel-Beziehung" daraus werden.

 
Seitenversion: erg. 19.11.2017
URL: www.brunhild-krueger.de/emi/emi5-frauundpolitik/emi50_frauundpolitik.html

 
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Bearbeitungsnotizen:
N20170120 - Das Buch von Bebel "Die Frau und der Sozialismus" stand auf der Liste der "verbrannten Bücher" der Nazis
AKTTEXT20170701: die Texte über Frauen aus der Geschichte in eine Unterseite verlagern und ergänzen

Verweise hierher aus der → Sachwort-Übersicht von
- Frau und Politik
- Großmütterrevolution