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Planck, M. (1) - Zitate: aus Max Planck
"Wissenschaft und Glaube - Naturwissenschaft und Religion"


Auf dieser Seite will ich einige Textauszüge aus dem Vortrag von Max Planck
"Religion und Wissenschaft" vorstellen. Er hielt ihn im Mai 1937 im Baltikum, veröffentlicht wurde er z. B. in dieser Broschüre:

Max Planck
Wissenschaft und Glauben
Religion und Naturwissenschaft
Mit einem Nachwort von Hans-Georg Schöpf A
Union Verlag Berlin 1988
1. Auflage ISBN 3 - 372 - 00268 - 7
64 Seiten

In dem folgenden, ziemlich langen Zitat geht es mir vor allem um diese Aussage, dass es aus mathematischer Sicht keinen Unterschied macht, ob man aus der Ursache in der Vergangenheit auf eine Wirkung in der Zukunft schlussfolgert, oder ob man aus einem angestrebten Ziel heraus rückkoppelnd den Verlauf der Ereignisse zu diesem Ziel hin ableitet.  Das erste ist die "Causa efficiens", die Wirkursache, das andere ist die "Causa finalis", die Zielursache (zu dieser Textstelle direkt - "In der Tat, durch das Wirkungsprinzip ..." ).

Logischerweise ist die "Causa finalis" damit - ohne dass Planck das explizit erwähnt - an die Existenz eines (menschlichen) planend-vorausschauend denkenden Geistes (Bewusstsein) gebunden. In der "blinden Natur" hat sie eher keine Bedeutung, wenn man einmal von unserem heutigen Erkenntnisstand ausgeht.

Hier also nun die Textstelle von S. 32 bis 36 in der Broschüre
(Rechtschreibung an heutige Regeln angepasst):

(S. 32)
„Doch wir wollen jetzt den Positivismus beiseite lassen und unseren Gedankengang weiter verfolgen. Das Energieprinzip ist ja nicht das einzige Naturgesetz, sondern nur eines unter mehreren. Es gilt zwar in jedem einzelnen Fall, aber es genügt noch lange nicht, um den Ablauf eines Naturvorganges in allen Einzelheiten vorauszuberechnen, da es noch unendlich viele Möglichkeiten offen läßt.

Es gibt indesssen ein anderes, viel umfassenderes Gesetz, welches die Eigentümlichkeit hat, dass es auf jedwede den Verlauf des Naturvorganges betreffende sinnvolle Frage eine eindeutige Antwort gibt, und dies Gesetz besitzt, soweit wir sehen können, ebenso wie das Energieprinzip, genaue Gültigkeit, auch in der allerneuesten Physik. Was wir aber nun als das allergrößte Wunder ansehen müssen, ist die Tatsache, dass die sachgemäße Formulierung dieses Gesetzes bei jedem Unbefangenen den Eindruck erweckt, als ob die Natur von einem vernünftigen, zweckbewußten Willen regiert würde.

Ein spezielles Beispiel möge das erläuern. Bekanntlich wird ein Lichtstrahl, der in schräger Richtung auf die Oberfläche eines durchsichtigen Körpers, etwa auf eine Wasserfläche trifft, beim Eintritt in den Körper von seiner Richtung abgelenkt. Die Ursache für diese Ablenkung ist der Umstand, dass das Licht sich im Wasser langsamer (S. 33) fortpflanzt als in der Luft. Eine solche Ablenkung oder Brechung findet also auch in der atmosphärischen Luft statt, weil in den tieferen, dichteren Luftschichten das Licht sich langsamer fortpflanzt als in den höheren. Wenn nun ein Lichtstrahl von einem leuchtenden Stern in das Auge des Beobachters gelangt, so wird seine Bahn, wenn der Stern nicht gerade senkrecht im Zenit steht, infolge der verschiedenen Brechungen in den verschiedenen Luftschichten eine mehr oder weniger komplizierte Krümmung aufweisen. Diese Krümmung wird nun durch das folgende einfache Gesetz vollkommen bestimmt: unter sämtlichen Bahnen, die vom Stern in das Auge des Beobachters führen, benutzt das Licht immer gerade diejenige, zu deren Zurücklegung es bei Berücksichtigung der verschiedenen Fortpflanzungsgeschwindigkeiten in den verschiedenen Luftschichten, die kürzeste Zeit braucht. Die Photonen, welche den Lichtstrahl bilden, verhalten sich also wie vernünftige Wesen. Sie wählen sich unter allen möglichen Kurven, die sich ihnen darbieten, stets diejenige aus, die sie am schnellsten zum Ziele führt.

Dieser Satz ist einer großartigen Verallgemeinerung fähig. Nach allem, was wir über die Gesetze der Vorgänge in irgendeinem physikalischen Gebilde wissen, können wir den Ablauf eines jeden Vorganges in allen Einzelheiten durch den Satz charakterisieren, dass unter allen denkbaren Vorgängen, welche das Gebilde in einer bestimmten Zeit aus einem bestimmten Zustand in einen anderen bestimmten Zustand überführt, der wirkliche Vorgang derjenige ist, für welchen das über diese Zeit erstreckte Integral eine gewisse Größe, der sogenannten Lagrangeschen Funktion, den kleinsten Wert besitzt. Kennt man also den (S. 34) Ausdruck der Lagrangeschen Funktion, so läßt sich der Verlauf des wirklichen Vorgangs vollständig angeben.

Es ist gewiss nicht verwunderlich, dass die Entdeckung dieses Gesetzes, des sogenannten Prinzips der kleinsten Wirkung, nach welchem später auch das elementare Wirkungsquantum seinen Namen bekomme hat, seinen Urheber Leibnitz, ebenso wie bald darauf dessen Nachfolger Maupertius, in helle Begeisterung versetzt hat, da diese Forscher darin das greifbare Walten einer höheren, die Natur allmächtig beherrschenden Vernunft gefunden zu haben glaubten.

In der Tat, durch das Wirkungsprinzip wird in den Begriff der Ursächlichkeit ein ganz neuer Gedanke eingeführt: zu der Causa efficiens, der Ursache, welche aus der Gegenwart in die Zukunft wirkt und die späteren Zustände als bedingt durch die früheren erscheinen lässt, gesellt sich die Causa finalis, welche umgekehrt die Zukunft, nämlich ein bestimmt angestrebtes Ziel, zur Voraussetzung macht und daraus den Verlauf der Vorgänge ableitet, welche zu diesem Ziele hinführen.

Solange man sich auf das Gebiet der Physik beschränkt, sind diese beiden Arten der Betrachtungsweise nur verschiedene mathematische Formen für ein und denselben Sachverhalt, und es wäre müßig zu fragen, welche von beiden der Wahrheit näherkommt. Ob man die eine oder die andere benutzen will, hängt allein von praktischen Erwägungen ab. Ein Hauptvorzug des Prinzips der kleinsten Wirkung ist, dass es bei seiner Formulierung keines bestimmten Bezugssystems bedarf. Daher eignet sich das Prinzip auch vorzüglich für die Ausführung von Koordinatentransformationen.

(S. 35) Doch für uns handelt es sich jetzt um allgemeinere Fragen. Wir wollen hier nur feststellen, dass die theoretisch-physikalische Forschung in ihrer historischen Entwicklung auffallenderweise zu einer Formulierung der physikalischen Ursächlichkeit geführt hat, welche einen ausgesprochenen teleologischen Charakter besitzt, dass aber dadurch nicht etwa etwas inhaltlich Neues oder gar Gegensätzliches in die Art der Naturgesetzlichkeit hineingetragen wird. Es handelt sich vielmehr lediglich um eine der Form nach verschiedene, sachlich jedoch vollkommen gleichberechtigte Betrachtungsweise. Entsprechendes wie in der Physik dürfte auch in der Biologie zutreffen, wo der Unterschied der beiden Betrachtungsweisen allerdings wesentlich schärfere Formen angenommen hat.

In jedem Fall dürfen wir zusammenfassend sagen, dass nach allem, was die exakte Naturwissenschaft lehrt, im gesamten Bereich der Natur, in der wir Menschen auf unserem winzigen Planeten nur eine verschwindend kleine Rolle spielen, eine bestimmte Gesetzlichkeit herrscht, welche unabhängig ist von der Existenz einer denkenden Menschheit, welche aber doch, soweit sie überhaupt von unseren Sinnen erfasst werden kann, eine Formulierung zuläßt, die einem zweckmäßigen Handeln entspricht. Sie stellt also eine vernünftige Weltordnung dar, der Natur und Menschheit unterworfen sind, deren eigentliches Wesen aber für uns unerkennbar ist und bleibt, da wir nur durch unsere spezifischen Sinnesempfindungen, die wir niemals vollkommen ausschalten können, von ihr Kunde erhalten. Doch berechtigen uns die tatsächlich reichen Erfolge der naturwissenschaftlichen Forschung zu dem Schlusse, dass wir uns durch unablässige Fortsetzung der (S. 36) der Arbeit dem unerreichbaren Ziele doch wenigstens fortwährend annähern, und stärken uns in der Hoffnung auf eine stetig fortschreitende Vertiefung unserer Einblicke in das Walten der über die Natur regierenden allmächtigen Vernunft.“


Anmerkung:
Prof. Hans-Georg Schöpf war mein Professor für Theoretische Physik an der TU Dresden Anfang der 70er Jahre. Er war von hause aus Philosoph und hatte von daher zur Theoretischen Physik gefunden. Einmal, im ersten Studienjahr, gab es eine Abendveranstaltung mit ihm in unserem Studentenwohnheim. Er erzählte uns u. a., dass die moderne Physik mit Erstaunen feststellt, dass ihre modernsten Erkenntnisse nun das Wissen der alten Griechen bestätigen.
Das beeindruckte mich zutiefst und ließ mir keine Ruhe mehr: Woher hatten die ihr Wissen - so ganz ohne moderne Meßtechnik und Mathematik?
Wahrscheinlich hat diese Veranstaltung wesentlich beigetragen, mein Interesse an Philosophie, vor allem an der Erkenntnistheorie zu wecken.
Ende der 80er Jahre stieß ich auf diese Broschüre von Max Planck, ohne zuerst darauf zu achten, dass das Nachwort von Prof. Schöpf geschrieben war. Der Union-Verlag war in der DDR der Verlag für die CDU, die Christlich-Demokratische Partei in der DDR, und für Kirchenschriften.
Die Gedanken von Max Planck, die ich in dieser Broschüre fand, wurden Mitte der 90er Jahre prägend für meinen weiteren Erkenntnisweg.
Sie werden auch im Thema GRUNDFRAGEN DER PHYSIK UND DER WISSENSCHAFT eine wichtige Rolle spielen - später, noch stehen sie nicht im Netz.

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Bearbeitungsnotizen:
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Verweise hierher aus:
ERKENNTNISTRIEB UND SPIRITUALITÄT (in GOTT UND DIE WELT)